„Wir fallen auf – das ist wichtig“

Interview mit Geo-Naturpark-Geschäftsführer Marco Lenarduzzi über die jüngsten Erfolge

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Namensgeberin: Frau Holle – hier an dem gleichnamigen Teich – hat dem Geo-Naturpark Anfang des Jahres seinen Namen gegeben. „Wir fallen mit unserem Namen aus dem Rahmen und damit auf. Das ist ganz wichtig“, sagt Lenarduzzi.

Werra-Meißner. Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land wurde am Mittwoch mit dem hessischen Tourismuspreis für Innovation und Marketing ausgezeichnet.

Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Marco Lenarduzzi darüber, was der Preis bedeutet, welches Potenzial in dem Geo-Naturpark steckt und welche wirtschaftliche Bedeutung er für die Region hat.

Was bedeutet dieser Preis für den Geo-Naturpark?

Marco Lenarduzzi: Wir haben bereits zum zweiten Mal in Folge den Preis gewonnen. Drei der vier Preise gingen in diesem Jahr nach Nordhessen. Das zeigt, wie viel wir alle gemeinsam hier in den letzten Jahren bewegt haben und dass die politischen Stellschrauben in die richtige Richtung gedreht wurden. Wir haben in diesen Tagen sehr viele Glückwünsche erhalten und Bestätigung für unsere Arbeit.

Warum haben Sie ausgerechnet in der Kategorie Innovationen und Marketing gewonnen?

Lenarduzzi: Wir haben uns ja mit unserer neuen Organisationsstruktur beworben, die Naturparkaufgaben und Tourismusmarketing und Naturschutzbelange organisatorisch vereint. Wir sind damit Vorreiter bei der zielführenden Umsetzung tourismuspolitischer Vorgaben des Landes. Wir haben Doppelstrukturen beseitigt und Mittel gebündelt. Andere Regionen schauen auf uns und versuchen, unser Modell für sich zu übernehmen.

Was bedeutet der Preis für Ihre weitere Arbeit?

Lenarduzzi: Natürlich motiviert so ein Preis enorm. Dieser Preis ist aber auch ein wichtiger Impuls nach außen und in unsere Region. Schaut her, hier passiert etwas! Wir hoffen, dass es mit solchen Anerkennungen immer leichter wird, Partner für touristische Projekte aus der Wirtschaft zu gewinnen.

Was entwickeln Sie zurzeit?

Lenarduzzi: Aktuell arbeiten wir an Basisprodukten und der Weiterentwicklung der Mohnblüte. Wir hätten gern auch unsere Rad- und Kanu-Infrastruktur im gleichen qualitativen Zustand wie unsere ausgezeichneten Wanderwege. Auch die Kirschblüte bietet Potenzial. Wir brauchen auch ein Infozentrum als Anlaufpunkt für Touristen. Ein paar wirklich innovative Ideen haben wir dabei aber auch – die sind aber noch längst nicht spruchreif.

Tut sich auch digital etwas?

Lenarduzzi: Unsere zukünftige Internetseite wird für das Onlinemarketing optimiert sein. Im kommenden Jahr bringen wir eine App mit Zusatzinformationen zu unseren Touren zu den Anbietern. Das ist alles sehr wichtig und viel Arbeit.

Hat der Geo-Naturpark schon sein ganzes Potenzial ausgeschöpft?

Lenarduzzi: Klares Nein. Wir müssen lernen, uns als Region zu verstehen und die Sache mit der Brille des Gastes zu betrachten. Dabei gilt es, mit den Kommunen zusammenzurücken. Der Gast kommt nicht in eine Stadt, sondern in eine Region. Derzeit arbeiten die Kommunen zumeist mit dem Kirchturmblick, es wird nicht die ganze Region dargestellt und buchbar gemacht.

Muss man dafür zusätzliches Geld in die Hand nehmen? Lenarduzzi: Ohne Investitionen in sehr gute und dann reiseauslösende touristische Infrastruktur können wir keinen Tourismus machen. Auch den Touristinformationen kommt eine wichtige Rolle in einer möglichen einheitlichen Vermarktung für die Gesamtregion zu, die müssen gestärkt werden, vorausgesetzt, wir lösen uns von dem Kirchturmblick.

Ist eine weitere Vergrößerung des Geo-Naturparks geplant?

Lenarduzzi: Nein, wir sind jetzt mit rund 113 000 Hektar der drittgrößte Naturpark in Hessen und der zweite Geo-Naturpark mit dem höchsten Anteil an Schutzgebieten in Hessen, wir sind gut aufgestellt.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Naturpark für den Kreis?

Lenarduzzi: Den Wert umfassend in Zahlen zu messen ist eine Kunst, weil es keine umfassenden Statistiken gibt. Trotzdem haben wir Zahlen bei unseren Veranstaltungen und führen Gespräche mit den Gastgebern. Die Gästezahlen steigen. Der Tourismus im Geo-Naturpark ist viele Millionen Euro schwer und ein Wirtschaftsfaktor mit weiterem Potenzial.

Darin ist der immaterielle Nutzen beispielsweise als Erholungsort, als Schutzraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten oder als Bildungsraum noch gar nicht erfasst.

Nach den Erfahrungen der vergangenen neun Monate: Wie hat sich die Namensänderung bemerkbar gemacht?

Lenarduzzi: Wir haben vor allem positive Rückmeldungen bekommen. Bemerkenswert war, dass das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unsere Umbenennung wahrgenommen und darüber berichtet hat. Wir fallen mit unserem Namen aus dem Rahmen und damit auf. Das ist ganz wichtig bei einer überregionalen Vermarktung unter dem Dach der Grimm-Heimat NordHessen.

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