Interview mit Rigobert Gaßmann und Paula Zacher über die Ferienspiele: Soziale Aspekte im Vordergrund

Spiel und Spaß für den Nachwuchs: Rigobert Gassmann und Paula Zacher organisieren die Ferienspiele und -betreuung in Eschwege. Im Interview beschreiben die Jugendarbeiter die Wichtigkeit des Angebots. Foto: Harald Sagawe

In der vergangenen Woche wurden in Eschwege Grundschüler betreut, deren Eltern berufstätig sind. Oft finden Väter und Mütter keine Möglichkeit, ihre Kinder während der Ferien unterzubringen.

Die Ferienspiele haben in der Kreisstadt hohen Stellenwert. In den Sommerferien während der gesamten sechs Wochen, aber auch in den Herbst-, Oster- und Weihnachtsferien für jeweils eine Woche wird in Eschwege Betreuung angeboten.

Frau Zacher, Herr Gaßmann, inzwischen gibt es in Eschwege Betreuungsangebote und Ferienspiele während des gesamten Jahres. Warum?

Rigobert Gaßmann: In den sogenannten „kleinen“ Ferien organisieren wir zusammen mit dem Werra-Meißner-Kreis im Rahmen des Pakts für den Nachmittag jeweils in der letzten Ferienwoche Betreuungsangebote. In den Sommerferien liegt der Schwerpunkt auf den ersten drei Wochen. Wir sind im Rahmen eines Audit-Verfahrens als familienfreundliche Kommune zertifiziert worden. Mit diesen Ferienangeboten wollen wir die Eltern von Grundschulkindern bei der Betreuung ihrer Kinder entlasten.

Sind die Eltern darauf tatsächlich so sehr angewiesen?

Gaßmann: Ja, da die Väter und Mütter oft berufstätig sind, ist es für sie wichtig zu wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind.

Finden Eltern in der unterrichtsfreien Zeit keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder?

Gaßmann: Eltern können heute nur noch selten auf eine Großfamilie zurückgreifen. Früher haben in den Ferien oft die Großeltern mal ausgeholfen. Heute sind sie teils selbst noch berufstätig oder leben woanders. Wir dürfen auch nicht die Alleinerziehenden vergessen, die wieder in den Beruf zurückkehren wollen.

Die Nachfrage nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. Worauf führen Sie das zurück?

Gaßmann: Es spricht sich herum, wenn die Angebote gut sind. Im Übrigen schicken die Eltern, die damals schon als Kinder mit dabei waren, ihre Kinder heute gerne zu uns. Auch hören wir, dass oftmals beide Elternteile oder der Alleinerziehende einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, um das Familieneinkommen zu sichern.

Gibt es Rückmeldungen der Eltern?

Gaßmann: Ja, jeden Tag erleben wir die Eltern, wie sie froh sind, ihre Kinder bei uns gut betreut zu wissen, um dann zur Arbeit gehen zu können. Sie bedanken sich oft, und manchmal wird sogar ein Kuchen als Dankeschön mitgebracht.

Paula Zacher: Und wir bekommen von den Eltern auch E-Mails, in denen sie sich bedanken, uns Feedback geben und die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit aufzeigen.

In den Sommerferien ist das Angebot inzwischen über sechs Wochen nahezu lückenlos. Wie ist das möglich?

Gaßmann: Durch die vielen Vereine und sozialen Einrichtungen, die uns bei der Programmplanung und Durchführung unterstützen. Darüber hinaus erhalten wir aber auch finanzielle Unterstützung der Jugendförderung des Werra-Meißner-Kreises und durch unsere Sponsoren, die jedes Jahr gerne wieder mit dabei sind.

Zacher: Für die Durchführung des Ferienangebotes haben wir in den vielen Jahren einen ganzen Pool von ehrenamtlichen Teamern und Helfern aufgebaut, ohne die diese Programmvielfalt und -qualität nicht möglich wäre.

Wie viele Kinder nehmen im Sommer an den Ferienspielen in Eschwege teil?

Zacher: Letztes Jahr hatten wir circa 500 Kinder, die sich zu Veranstaltungen der Ferienspiele im Sommer angemeldet haben. Alleine in der ersten Ferienwoche am Leuchtberg waren dieses Jahr 200 Kinder mit dabei.

Worauf dürfen sich die Kinder im nächsten Sommer freuen?

Gaßmann und Zacher: Wir haben für den 11. Februar in den Rathaussaal eingeladen. Hier werden wir mit unseren Kooperationspartnern in den Vereinen und Einrichtungen ein spannendes Programm zusammenstellen. Die Schwerpunkte werden wie in jedem Jahr „Kinder in Bewegung“, „Forschen und Entdecken“ und „Natur natürlich“ lauten.

Gibt es schon ein Motto für den Sommer?

Gaßmann und Zacher: Zusammen mit der Schulsozialarbeit der Anne-Frank-Schule haben wir das Thema „Auf dem Olymp“ festgelegt. Wir glauben, das passt auch zu den diesjährigen Olympischen Spielen.

Gibt es auch über Ostern ein Angebot?

Zacher: Ja, es wird in der letzten Osterferienwoche wieder ein Ferienbetreuungsangebot geben.

Wie wird das aussehen?

Zacher: Die Ferienbetreuung in den Osterferien wird vom 14. bis zum 17. April von 9 bis 17 Uhr stattfinden. Eine Frühbetreuung ab 7.30 Uhr ist ebenfalls wieder angedacht. Insgesamt sind 40 Plätze in der Ferienbetreuung verfügbar. Neben Spiel- und Sportangeboten wird es auch wieder ein Bastelangebot geben sowie die Möglichkeit, gemeinsam zu kochen und wenn es das Wetter zulässt, Exkursionen in der Stadt.

Eine Anmeldung zur Ferienbetreuung ist ab März auf der Ferienspielseite der Stadt unter ferienspiele-eschwege.de möglich. Dort werden auch alle genaueren Informationen zur kommenden Ferienbetreuung zu finden sein.

Neben Kindern aus Eschwege laden Sie auch Mädchen und Jungen aus dem Umland zur Teilnahme ein. Warum?

Gaßmann: Wir laden sie nicht ausdrücklich ein, sondern sie kommen einfach, und das finden wir gut.

Haben die Ferienspiele neben dem rein praktischen Nutzen auch einen sozialen Aspekt?

Gaßmann: Die sozialen Aspekte stehen bei uns stets im Vordergrund. Kinder sollen lernen, sich einzumischen, mitzumachen, Kreativität zu entwickeln, auf sich aufmerksam zu machen, einander kennenzulernen, Neues zu erfahren, aufeinander aufzupassen und Verantwortung zu übernehmen.

Zacher: Wir bieten zudem für alle Jugendlichen ab 13 Jahren die Möglichkeit, für die Ferienspiele im Sommer und die Ferienbetreuung in den anderen Ferien als Betreuer teilzunehmen. Dazu gibt es im Vorfeld eine kleine Schulung, mit der sie mit notwendigem Wissen und Handwerkszeug für eine Betreuung ausstaffiert werden. Das schafft nicht nur neue Erfahrungen, die Ferienzeit mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, sondern auch die Chance, später die Jugendleitercard zu machen.

Rigobert Gaßmann (62) ist Diplom-Sozialarbeiter. Er arbeitet seit knapp 26 Jahren bei der Verwaltung der Kreisstadt Eschwege und ist dort unter anderem für die Organisation der Ferienspiele verantwortlich. Zu seinen Hobbys zählt der Jugendpfleger Chorsingen und Rennradfahren.

Paula Zacher (29) ist seit fast zwei Jahren bei der Stadt Eschwege beschäftigt. Die Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin leitet das Jugendzentrum Schlossmühle, ist Jugendarbeiterin und organisiert die Ferienspiele. In ihrer Freizeit liest sie viel und gern – quer durch das literarische Angebot.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare