„Mit allen Wassern gewaschen“

Interview: Stefan Mross über die Premiere von „Immer wieder sonntags“ und das Leben im Showgeschäft

Eschwege. Am morgigen Freitag gastiert Stefan Mross mit den Größen der Volksmusikbranche in der Stadthalle in Eschwege. Zum vierten Mal in Folge findet in der Kreisstadt die Premiere der Tournee von „Immer wieder sonntags“ statt. Wir sprachen mit dem Gastgeber Stefan Mross über die Show, das Leben im Showbusiness und Fluch und Segen der Sozialen Medien.

Herr Mross, fast 30 Jahre im Showgeschäft, Tausende Interviews gegeben. Gibt es Fragen, die Sie nicht mehr hören können?

Stefan Mross: Nein, eigentlich nicht. Ich bin schon so lange dabei, ich wurde schon alles gefragt und bin mit allen Wassern gewaschen. Kommt aber auch immer darauf an, wer fragt.

Sie meinen damit die bunten Blätter, die viel Quatsch berichten?

Mross: Genau. Wenn man denen einmal ein Interview gibt, schaffen sie es, drei Monate davon ihre Titelseiten zu füllen. Wenn man in die Zeitschriftenabteilung im Supermarkt geht, hat man das Gefühl, dass es nur Helene Fischer, Florian Silbereisen, Stefan Mross und Carina Woitschack gibt.

Lesen Sie das, was in diesen Zeitungen über Sie geschrieben wird?

Mross: Man muss sich alles durchlesen, um zu wissen, was für ein Schmarrn da geschrieben wird. Wenn es zu schlimm wird, gehe ich dagegen auch vor. Das ist aber seltener geworden. Zum einen haben die Verlage sehr gute Rechtsabteilungen, zum anderen bin ich abgebrühter geworden. In 80 Prozent der Fälle lache ich darüber, weil ich es besser weiß.

Als Prominenter ist man heute nicht mehr unbeobachtet. Stört Sie das?

Mross: Nein, das ist Teil meines Berufs. Davon darf man sich nicht verrückt machen lassen. Wenn ich vor die Haustür trete, bin ich eine öffentliche Person. Nur in meinen eigenen vier Wänden bin ich privat. Durch die Handykameras hat sich das Problem natürlich verstärkt.

Sind Sie misstrauischer geworden?

Mross:Nicht unbedingt. Ich bin vorbereitet. Außerdem ist es Teil meines Berufes. Man muss es halt auch so sehen: Wenn sich keiner mehr für mich interessieren würde, hätte ich was falsch gemacht.

Seit Kindesbeinen bewegen Sie sich im Showbusiness. Hat sich die Branche verändert?

Mross: Schon. Der Kuchen ist nicht größer geworden. Die vielen großen Plattformen wie Musikantenstadl oder halt „Immer wieder sonntags“ sind weniger geworden, dafür gibt es mehr Künstler, die etwas von diesem Kuchen abhaben möchten. Die Szene hat aber kapiert, dass es schwieriger geworden ist. Das Konkurrenzdenken zwischen Volksmusik und Schlager hat beispielsweise nachgelassen. Wir sitzen jetzt enger zusammen.

Kollege Andy Borg ist jetzt mit einer Show ins Internet abgewandert. Ist das auch für Sie vorstellbar?

Mross: Die Sendung wurde in Österreich auch im Fernsehen ausgestrahlt. In Deutschland wurde sie halt im Livestream im Internet übertragen. Der Andy hat da aber auch 200 000 Zuschauer. Das war kein Schuss in den Ofen. Die digitale Welt hat riesiges Potenzial.

Geht Ihre Zielgruppe da mit?

Mross: Sicher. Sie werden immer vertrauter und aktiver in der digitalen Welt. Bestes Beispiel ist meine Mutter: Die hat mich jetzt über Facebook angeschrieben. Mittlerweile teilen wir Fotos und schreiben uns so.

Sie gastieren zum vierten Mal in Eschwege. Haben Sie Zeit, sich Ihre Auftrittsorte auch anzuschauen?

Mross: Schwierig. Ich versuche es. Der Zeitplan ist aber immer sehr eng. In Eschwege ist mir am besten die Stadthalle bekannt. Die ist ideal für unseren Tourneeauftakt. Nicht zu groß, nicht zu klein und ein gut gelauntes Publikum. Seit vier Jahren feiern wir deshalb hier unsere Premiere.

Gibt es stimmungsmäßig regionale Unterschiede?

Mross: Das sind Vorurteile. Der Bayer feiert nicht besser als der Norddeutsche oder der Westfale. Das kommt oft auf die Tagesform des Publikums an. Wie ist das Wetter, habe ich gleich einen guten Parkplatz gefunden und wie ist meine Laune überhaupt?

Was mögen Sie lieber: „Immer wieder sonntags“ im Sommer live unter freiem Himmel oder auf Tournee in der Halle?

Mross: Die Stimmung ist zwar ähnlich, dennoch sind die Formate nicht vergleichbar. Auf Tour kann man in drei Stunden Programm mehr zeigen. Die Künstler haben die Möglichkeit, sich von allen Seiten zu präsentieren. Da gibt es einen Stefan Mross auch mal 25 Minuten von seiner musikalischen Seite.

Was erwartet die Zuschauer am Freitag?

Mross: Vor allen Dingen Spaß und gute Laune. Ich bringe viele gute Freunde mit auf die Bühne. Mit dabei sind die Erfolgsgruppe der Volksmusik, Die Schäfer, dazu kommt die bezaubernde Münchnerin Angela Wiedl mit ihren schönsten Liedern. Für den fetzigen Schlagersound sorgen Die Cappuccinos. Außerdem kommt Ronny Weiland. Alles andere ist eine Überraschung.

Hintergrund: Stefan Mross schaffte seinen Durchbruch mit 13 Jahren

Stefan Mross (42) steht seit knapp 30 Jahren auf der Bühne. Seinen Durchbruch feierte er 1989 als 13-Jähriger. Damals gewann er den Grand-Prix der Volksmusik. Seit dieser Zeit hat er 22 Studioalben aufgenommen. Zu Beginn seiner Karriere trat er fast ausschlielich mit seiner Trompete auf. Später ließ er sich gesanglich ausbilden. Seit 2005 moderiert Mross im Sommer die ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“. Hier erreicht er knapp zwei Millionen Zuschaer. Die Sendung wird 2018 ausgeweitet. Mross war von 2006 bis 2012 mit der Sängerin Stefanie Hertel verheiratet. Bis vor Kurzem war er mit der Sängerin Anna-Carina Woitschack liiert. Mross ist Vater von drei Kindern. Restkarten unter: www.kultur-eschwege.de

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