Interview: Tourismusexpertin Jutta Riedl bricht eine Lanze für den Werratalsee

Eschwege/Meinhard. In der Bevölkerung vor Ort kommt der Werratalsee zurzeit schlecht weg. Doch wie sehen Besucher den See und das Algenproblem? Wir sprachen mit der Geschäftsführerin des Tourismuszweckverbands Jutta Riedl.

 

Frau Riedl, Würden Sie zurzeit bedenkenlos im Werratalsee baden gehen?

Jutta Riedl:Ich würde auf jeden Fall im Werratalsee baden gehen. Es gibt für mich derzeit keinen erkennbaren Grund, es nicht zu tun. Es ist derzeit kein Badeverbot verhängt, die Wasserqualität wird regelmäßig geprüft, das Wasser an den Badestellen Südufer und auch Ostufer ist sehr klar. Ich rate allen Eschwegern: Überzeugen Sie sich selbst.

 

Was sagen Sie Urlaubern, die nach dem See fragen?

Riedl:Wir empfehlen den Werratalsee wie immer. Wenn ein Badeverbot verhängt würde, würden wir auch darüber informieren. Auch auf Nachfrage am Knaus- Campingplatz gibt es keine Probleme, es reisen auch keine Gäste ab, weil die Information des Gesundheitsamtes zu Cyanobakterien dort hängt.

 

Sie sitzen im Fokus: Welches Feedback erleben Sie von Touristen auf den Werratalsee?

Riedl: Der Werratalsee wird von den Touristen als eine wunderbare Gelegenheit wahrgenommen, baden zu gehen, den Seerundweg zu genießen, dort in Seenähe zu campen, mit dem Wohnmobil zu stehen oder mit dem Ausflugsschiff „Werranixe“ zu fahren. Nicht jeder Tourist nutzt das Angebot am See. Aber auch der Wanderer beispielsweise erfreut sich, wenn er von den verschiedenen Aussichtspunkten den Werratalsee sieht.

Haben Sie einen Rückgang der Beliebtheit des Sees gespürt oder ist das ein Vor-Ort-Phänomen?
Riedl:
Nein. Es ist ein Vor-Ort-Phänomen! Wir haben in der Tourist-Information keinerlei Beschwerden von Gästen. Es sind auch – selbst wenn in der Vergangenheit ein Badeverbot verhängt war – keine Beschwerden gekommen. Allenfalls eine Nachfrage, wann Baden wieder erlaubt ist. Das gibt es im Übrigen auch an der Ostsee.

 

Welche Rolle spielt der Werratalsee in den Vermarktungsbemühungen des Tourismuszweckverbands?

Riedl: Unsere Region hat das Glück, diesen See zu haben. Er wertet - genau wie der Meinhardsee - das touristische Angebot auf. Der See ist aber nicht der einzige touristische Baustein, der unsere Region für einen Urlaub interessant macht. Der See stellt auch nicht das primäre Reisemotiv dar, sondern die Gesamtheit der Naturlandschaft. Der Fluss, die Seen, die Berge ringsherum, die wunderschöne Fachwerkarchitektur in Eschwege und den umliegenden Orten sowie die Schlösser und Burgen begeistern unsere Gäste.

 

Was muss passieren, um das Image des Sees in der Bevölkerung wieder aufzupolieren?

Riedl:Ich weiß, dass nicht die komplette Bevölkerung nur negativ über den Werratalsee denkt. Das beweisen ja auch die vielen Besucher, die das ganze Jahr über rings um den See, am See, auf dem See und auch an den Badestellen und Liegewiesen anzutreffen sind. Gleichwohl ist die Stimmung bei vielen durch die Probleme nicht gut. Ich denke, inzwischen ist aber jeder von uns hinreichend darüber informiert und auch offen für Positives. Es soll eine Lösung durch die Expertengruppe geben. Die Frage ist, wie schnell eine Umkehr der Situation zu schaffen ist. Die Seeproblematik ist ja nicht von heute auf morgen gekommen, so wird sie auch nicht von jetzt auf nun zu ändern sein.

 

Warum ist ein positives Image des Sees bei den Einheimischen für Sie so wichtig?

Riedl:Da die Einheimischen wichtige Botschafter für den Tourismus sind, ist es wichtig, dass es trotz der Probleme keine grundsätzlich negative Einstellung zum See gibt, die nach außen repräsentiert wird. Vielmehr sollte die Angebotsvielfalt des Sees im Fokus der Einheimischen stehen, und nicht „nur“ auf die Bademöglichkeiten beschränkt werden. Grundsätzlich sind die vielfältigen Möglichkeiten, die uns der See und das Umfeld bieten, Grund genug, ein positives Image zu verbreiten. Wo gibt es schon so ein geballtes tolles Angebot direkt vor der Haustür?

Von Tobias Stück

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