Interview: Zehn Jahre Kirchenerhaltungsstiftung im Werra-Meißner-Kreis

Der Anfang: Dorothea Rödiger (rechts) hatte bei einem Besuch von Bischof Dr. Christian Zippert in Eschwege von der Sorge gehört, wie die vielen Dorfkirchen dauerhaft zu erhalten seien. Nach ihrem Tod vermachte sie dem Kirchenkreis 150 000 Euro. Foto: privat/Archiv

Eschwege. Die Kirchenerhaltungsstiftung des Werra-Meißner-Kreises feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Die Stiftung stellt Finanzmittel bereit, um Projekte an kirchlichen Gebäuden umzusetzen, für die eigentlich das Geld fehlt. 220 000 Euro wurden in der letzten Dekade vergeben. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Andreas von Scharfenberg über die Anfänge, woher das Geld kommt und warum es so wichtig ist, sich für die Gotteshäuser einzusetzen.

Herr von Scharfenberg, Motto der Kirchenerhaltungsstiftung ist: „Wir lassen die Kirche im Dorf“. Was bedeutet das?

Andreas von Scharfenberg: Wir unterstützen die Erhaltung der 85 Kirchen im Kirchenkreis Eschwege. Und das, obwohl die Mitgliederzahlen schwinden. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nicht alle Gebäude als Gotteshäuser bewahren können. Es wird Umwidmungen geben. Aber egal, wofür die Kirchen genutzt werden: Sie sind ein Kulturgut auf den Dörfern.

Übernimmt die Stiftung nicht eigentlich eine Funktion, die originär der Kirche zugeschrieben werden müsste?

Scharfenberg:Nein, die Landeskirche ist für die großen Projekte zuständig, wir für die kleinen. Wir schließen die Lücke.

Was war der Auslöser im Jahr 2008, die Stiftung ins Leben zu rufen?

Scharfenberg: Dorothea Rödiger aus Eschwege hatte ein Teil ihres Vermächtnisses zur Verfügung gestellt, um die Kirchengebäude in der Region zu erhalten – insgesamt rund 150 000 Euro. Sie hatte damals bei einem Besuch von Bischof Dr. Christian Zippert in Eschwege von der Sorge gehört, wie die vielen Dorfkirchen dauerhaft zu erhalten seien.

Woher kommt das Geld, das Sie Jahr für Jahr verteilen?

Scharfenberg: Der Kirchenkreis entschloss sich auf Idee von Dekan Arnold, mit diesem Grundkapital eine Kirchenerhaltungsstiftung zu gründen. Zusätzlich zu den Kapitalerträgen der Stiftung werden der Stiftung die aus dem Baulastenfonds des Kirchenkreises erwirtschafteten Zinsen zur Verdopplung der eingeworbenen Spenden zur Verfügung gestellt. Alle nicht zweckentsprechend ausgeschütteten Zinserträge werden dem Stiftungskapital zugeführt. Das Kapital liegt weiterhin bei rund 150 000 Euro. In diesem Jahr haben wir 30 000 Euro an acht Projekte verteilt.

Was sind die drängendsten Probleme, mit denen die Kirchengemeinden an die Stiftung herantreten?

Scharfenberg: Das sind die Probleme, die jeder Eigentümer eines alten Hauses kennt. Da sind die Fenster in die Jahre gekommen, es dringt Feuchtigkeit ein oder das Inventar muss renoviert und restauriert werden.

Wie wurde der Kirchenerhaltungsfonds in den Gemeinden aufgenommen?

Scharfenberg: Ziel ist es ja, mit den Erträgen der Stiftung die Eigeninitiative der Kirchengemeinden zu wecken, zu stärken und zu belohnen. Das bewirkt auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wie uns immer wieder zurückgespiegelt wird. Der beste Beweis, dass die Kirchengemeinden sehr dankbar für unsere Unterstützung sind, sind die Feste, die gefeiert werden, wenn ein Projekt abgeschlossen ist.

Wer entscheidet darüber, welche Gemeinde wie viel Geld bekommt?

Scharfenberg: Der Stiftungsvorstand wählt jährlich ein Projekt oder mehrere kleine Projekte mit einem Gesamtkostenrahmen von in der Regel nicht mehr als 100 000 Euro aus und sichert der Kirchengemeinde bzw. den Kirchengemeinden zu, dass alle während des Förderzeitraumes vom 15. Mai bis 30. November für das Projekt eingeworbenen Geldspenden verdoppelt werden.

Was wird gefördert?

Scharfenberg: Gefördert werden Baumaßnahmen der Kirchengemeinden im Kirchenkreis Eschwege zur Pflege und Erhaltung ihrer Kirchengebäude einschließlich ihrer Ausstattungsstücke.

Wie komme ich an die Zuwendungen?

Scharfenberg: Bis zum 1. Mai eines jeden Jahres bewerben sich Kirchengemeinden um Stiftungsmittel für Baumaßnahmen an Kirchengebäuden. Eine kurze Projektbeschreibung, eine Übersicht über die geschätzten Kosten und die angedachte Finanzierung sowie eine Vorstellung der Überlegungen zur Einwerbung von Spenden sollen dem Antrag beigefügt werden.

Gibt es eine Aktion zum Zehnjährigen?

Scharfenberg: Das wird gerade noch entschieden. Die Stiftung feiert ihren Geburtstag Mitte des Jahres. Wenn wir was machen, wird es eine Feier, um die Popularität der Kirchen zu erhöhen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.