Den Artenreichtum erhalten

Die Winterjagd: Raubwild im Visier - es gibt sogar Waschbär-Rezepte

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Mit einem gerissenen Vogel: der Rotfuchs. Das Raubwild wird im Winter erlegt, um den Bestand anzupassen und den negativen Einfluss auf heimische und teilweise seltene Tierarten abzumildern.

Von Gesetz wegen sind Jäger dazu verpflichtet, für einen artenreichen Wildbestand zu sorgen. Daher wird nicht nur das Schalenwild, wie Rehe und Wildschweine, bejagt, sondern auch das sogenannte Raubwild.

Unter Raubwild versteht der Jäger eine Reihe von Säugetieren, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden. Dies sind die heimischen Arten Fuchs, Dachs, Iltis, Stein- und Edelmarder und das Hermelin sowie die zugewanderten und mitunter sehr problematisch zu sehenden Arten Waschbär und Marderhund. Dabei gilt zu beachten, dass in Hessen derzeit Iltis, Baummarder, Hermelin und Mauswiesel keine Jagdzeit mehr haben.

Der Rotfuchs

Vor allem Rotfüchse werden im Winter erlegt, um den Bestand anzupassen und den negativen Einfluss auf heimische und teilweise seltene Tierarten abzumildern, die in unserer heutigen Kulturlandschaft nicht so gut zurechtkommen. Somit hat die Jagd auf Raubwild positive Effekte auf das Niederwild, wie den Hasen, und die heimische Vogelwelt, insbesondere die Bodenbrüter. Auch der Infektionsdruck von auf den Menschen übertragbarer Krankheiten wie das Aufflackern der Tollwut oder die Auswirkungen des Fuchsbandwurmes sollen abgemildert werden.

Der Waschbär

Dass die Jagd auf Raubwild auch heute noch absolut zeitgemäß ist, im Hinblick auf den Artenschutz vielleicht sogar mehr denn je, zeigt auch das Vorgehen der EU, welche zum Beispiel den eingewanderten Waschbären in Europa auf eine Liste der unerwünschten Arten gesetzt hat. Der niedliche Räuber mit der Maske ist nämlich entgegen seines entzückenden Aussehens für Ausfälle bei Gelegen von seltenen Vögeln mit verantwortlich. Deutschlandweit werden jährlich rund 500 000 Rotfüchse erlegt und seit Anfang der 1990er-Jahre steigen zudem die Jagdstrecken von faunenfremden Arten wie Marderhund und Waschbär.

Die Fallenjagd

Gejagt wird Raubwild auch mit einer stillen Form der Jagd – die sogenannte Fallenjagd oder Fangjagd. Diese Jagdart fällt ebenfalls unter das Bundesjagdgesetz und erfordert zumindest einen Jagdschein zur Ausübung. In Hessen wird auch eine Fallen- und Fangjagdbescheinigung benötigt, die in einem mehrstündigen Sachkundelehrgang mit Unterricht in Theorie und Praxis erworben wird. Alle Raubwildfallen erfordern aus tierschutzrechtlichen Gründen eine tägliche Kontrolle, teilweise mehrfach.

Der Nutzen

Die erlegten Arten sind nur bedingt küchentechnisch verwertbar – mit Ausnahme des Dachses, der nach erfolgter Trichinenbeschau in Form von Schinken etwas Besonderes sein soll und sogar Waschbär-Rezepte gibt es. Ein weiterer Aspekt der Raubwildbejagung ist die Gewinnung der Felle, von Jägern Bälge genannt, die, entsprechend verarbeitet, Teil warmer und hochwertiger Bekleidung und Wohnaccessoires werden oder auch im medizinischen Bereich Anwendung finden.

Um den Jägern deutschlandweit die Abgabe des erlegten Raubwildes und die Weiterverarbeitung zu erleichtern, wurde 2017 über den Deutschen Jagdverband die Fellwechsel GmbH ins Leben gerufen. Dort können alle Jäger ihre erlegten Bälge sinnvoll verwerten lassen, denn in der Wirtschaft und bei den Kürschnern besteht ein wachsender Bedarf an Fellen.

Von Silke Hartung

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