Jagverein Hubertus fordert bei Aufforstung klimastabile und wildgerechte Baumarten 

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Auch die Wälder der Gobert und im Ringgau geraten nach Stürmen, Trockenheit und Schädlingen in Bedrängnis: Der Jagdverein Hubertus fordert klimastabile Aufforstung und Lebensraum für das Wild.

Der Jagdverein Hubertus appelliert an die Forstwirtschaft, notwendige Aufforstung mit klimastabilen, wildfreundlichen und heimischen Bauarten  voranzutreiben. 

Eschwege. Der Jagdverein Hubertus appelliert an die Forstwirtschaft, das großflächige Waldsterben aufgrund der Trockenheit und des folgenden Befalls der Bäume mit dem Borkenkäfer als Chance zu begreifen. Es sei eine Zukunftsaufgabe, jetzt neue und klimastabile Wälder zu gründen. „Das Zauberwort heißt Mischwald“, sagt Sprecher Jörg Brauneis.

Eiche, Linde und Co. 

Bei Neupflanzungen sollen verstärkt heimische Baumarten verwendet werden, die mit einem sich wandelnden Klima voraussichtlich am besten zurechtkommen. Brauneis nennt hier Eichen, Linden und Wildkirschen, aber auch Baumarten, die forstwirtschaftlich weniger interessant sind wie Vogelbeerbaum und Hainbuche sowie Büsche wie Pfaffenhütchen, Heckenkirsche und Besenginster. Für die großen Wildarten sollten gezielt Flächen angelegt werden, auf denen die Tiere ihren Nahrungsbedarf decken können, ohne einen wirtschaftlichen Schaden an Forstpflanzen anzurichten. Das könnten laut dem Jagdverband gepflegte Waldwiesen, die auch anderen Wildtieren von der Wildkatze bis zum Schmetterling zugutekommen.

Auch sogenannte Weichholzpflanzungen (Weidendickichte) und Sukzessionsflächen, auf denen sich ein neuer Wald ganz ohne Eingriffe von selbst entwickeln kann.

Rehe und Hirsche nicht als Waldschädlinge verteufeln

Auf keinen Fall dürften Rehe und Hirsche nur als Problemtiere und Waldschädlinge verteufelt werden. Sie seien vielmehr integraler Bestandteil des Lebensraums Wald. Wissenschaftler hätten inzwischen nachgewiesen, dass zahlreiche Kräuter und Blumen, auch viele bestandsbedrohte Arten, darauf angewiesen sind, dass Rothirsche die Samen verbreiten. Die Rothirsche fressen dabei die Pflanzen mit den Samen und scheiden die Samen an anderer Stelle wieder aus, die dann im Kothaufen hervorragende keim- und Wachstumsbedingungen finden.

Das neue Waldsterben

Ausgelöst wurde dieses „neue Waldsterben“ durch die Stürme des vergangenen Jahres, die seit zwei Jahren anhaltende Trockenheit und das Massenauftreten der Borkenkäfer. Auch ältere Forstleute haben ein solches flächenhaftes Absterben insbesondere der Fichtenwälder noch nicht erlebt. Aber auch die für den Werra-Meißner-Kreis so typischen Buchenwälder geraten langsam in Bedrängnis, vor allem auf trockenen Standorten, etwa auf den Höhen der Gobert und im Ringgau.

Dabei seien die abwechslungsreichen Wälder im Werra-Meißner-Kreis noch nicht einmal in dem Maße betroffen, wie die anderen Mittelgebirge. So sind im Harz die Fichtenwälder ganzer Bergrücken abgestorben.

Fichten sind anfällig und machen über die Hälfte des deutschen Waldbestandes aus

Derzeit machen bundesweit die besonders anfälligen Arten Fichte und Kiefer, oft in Reinkulturen gepflanzt, noch 56 Prozent des gesamten Waldes aus, auch wenn der Anteil der Laubbäume in den letzten Jahren schon gestiegen ist.

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