100 Jahre Erinnerungen gesammelt

Herr der Schätze. Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann leitet mit seinem Team ehrenamtlicher Mitarbeiter auch das Stadtmuseum. Die Kamera stammt aus dem Eschweger Fotoatelier Tellgmann, das 1841 eines der ersten in Deutschland war. Tellgmann hatte sogar die Auszeichnung eines kaiserlichen Hoffotografen. Fotos: Weber

Eschwege. Am 21. November 1913, vor genau 100 Jahren, wurde vom Geschichtsverein Eschwege das Heimatmuseum gegründet. Zuerst befand es sich im Landgrafenschloss. Seit 1964 zeigt es seine Ausstellung auf dem Schulberg.

Im Jahr 1913 lud Gymnasialdirektor Edward Stendell am 21. November in die Aula der Friedrich-Wilhelm-Schule ein, um die Einweihung des Eschweger Heimatmuseums zu feiern. Heute Abend kehren Dr. Karl Kollmann und der Geschichtsverein Eschwege um 20 Uhr in die Aula der Schule zurück, um das 100-jährige Bestehen des Museums mit einem Festakt zu begehen.

Allerdings waren die Mitglieder des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde schon lange vor der Gründung des Museums vor 100 Jahren aktiv. Ihre gesammelten Altertümer zeigten sie erstmals 1892 öffentlich im Rathaus. Als 1911 das Landgrafenschloss vom Landkreis Eschwege dem Preußischen Staat abgekauft werden konnte, begannen die Überlegungen, hier ein Museum einzurichten, das zwei Jahre später in die Schlosskapelle einzog. Neben den „Schätzen“ der zahlreichen Spender war es vor allem die Sammlung von Ausgrabungsfunden, die der 1915 verstorbene Dr. Heinrich Röhmheld zusammengetragen hatte, die den Grundstock des Museums bildete.

Viele der von Röhmheld ausgegrabenen Funde, wie mit Ornamenten verzierte Keramikgefäße aus der Jungsteinzeit, die viertausend Jahre und älter sind, oder eisenzeitliche Urnen sind bis heute wichtige Ausstellungsstücke der ur- und frühgeschichtlichen Abteilung des Museums. „Heinrich Röhmheld war der erste, der die Archäologische Forschung in Eschwege unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten vorangetrieben hat“, sagt Karl Kollmann über seinen fachlichen „Urahn“.

Denn heute ist es der Stadtarchivar mit seiner Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte, der immer wieder neue historische Funde ans Licht bringt und im Museum präsentiert. Die ältesten Exponate freilich sind die Knochen von Wollnashörnern und Wildpferden, die in Oberhone gefunden wurden und 44 000 Jahre zurück in die vorletzte Eiszeit datiert werden.

In seinen ersten Jahrzehnten wurde das Museum von Heinrich Bierwirth und Karl Dithmar geleitet. Im Nationalsozialismus passte die Unterhaltung eines Heimatmuseums dann gut in die herrschende ideologische Anschauung, während unmittelbar nach dem Krieg offenbar einige Stücke aus dem Bestand entfremdet wurden. Einen Neuanfang gab es schließlich 1964, als das Museum unter der Trägerschaft des neuen Museumsvereins in ein altes Tabaklagergebäude auf den Schulberg umzog.

Auf vier Etagen konnte die Ausstellung hier unter der Leitung von Hans Koszka großzügig präsentiert werden. 2002 wurde die Stadt Eschwege Träger des Museums. „Das ehemalige Heimatmuseum haben wir von da an Stück für Stück in ein Stadtmuseum umgewandelt, das sich speziell der Geschichte Eschweges und der Lebensweise seiner Bürger widmet“, sagt Dr. Karl Kollmann. Eines der besonderen Exponate ist heute eine Uniformjacke aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon, denn die Uniform eines „Lützower Jägers“ ist die einzig erhaltene ihrer Art überhaupt und wurde von dem Eschweger Jacob Christoph Heinemann getragen. Auch der größte Schuh Hessens mit Schuhgröße 219, der 1936 von der Schuhmacherinnung Kassel hergestellt wurde, ist ein bekanntes Stück.

Heute unterhält das Museum eine naturkundliche Sammlung, widmet sich Eschweger Themen, wie dem Johannisfest, zeigt historisches Spielzeug, herrschaftliche Möbel der Familie von Eschwege oder das Atelier des kaiserlichen Hoffotografen Tellgmann. Im Jahr besuchen rund 1000 Gäste das Museum. „Das ist weniger als wir uns wünschen, nur liegen wir damit im allgemeinen Trend“, sagt Karl Kollmann. „Die Besucherzahlen in Museen sind rückläufig. Doch sehe ich eine Hauptaufgabe des Museums auch darin, zu sammeln und zu bewahren.“

Von Kristin Weber

100 Jahre Stadtmuseum Eschwege

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