Vor 500 Jahren: Das Reinheitsgebot wurde eingeführt

Malz, Hopfen, Hefe und Wasser: Auch die Eschweger Klosterbrauerei braut nach wie vor nach dem Reinheitsgebot. Foto: Beck

Hopfen und Malz - Gott erhalt’s: Die frühere Sorge der Menschen, dass schlechtes Bier gebraut wurde, ist seit einem halben Jahrtausend weitestgehend unbegründet. Das Reinheitsgebot, das heute vor 500 Jahren in Bayern erlassen wurde, macht es möglich und das Sprichwort weiter salonfähig.

Wann und wo genau wurde das „Reinheitsgebot von 1516“ erlassen?  

Am 23. April 1516 in Ingolstadt. An diesem Tag erließen die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. eines der wenigen Gesetze, das über Jahrhunderte seine Bedeutung erhalten hat. Das Reinheitsgebot für Bier wirkt sich bis heute auf die deutsche Braukunst aus.

Welche rechtlichen Gründe führten zu diesem Gesetz? 

Ein größeres Land brauchte einheitliche Gesetze. Der Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 bis 1505 (auch „Bayerische Fehde“ genannt) brachte die Wiedervereinigung der bayerischen Teilherzogtümer mit sich. Somit wurde eine Harmonisierung der bayerischen Landrechte notwendig. Eine neue Landesverordnung entstand, die in ganz Bayern galt. 

Worum geht es in diesem Gesetz genau? 

Preise und Rohstoffe, zudem sollten die Bürger vor minderwertigen oder gar giftigen Zusätzen geschützt werden. Das „Bayerische Reinheitsgebot von 1516“ war ein Teil dieser neuen Landesverordnung. Es legte die ausschließliche Verwendung von Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen von Bier fest.

Warum war ursprünglich nur von Gerste die Rede? 

Um den Hunger zu bekämpfen. Dieser Teil des alten Gesetzes sollte helfen, die Nahrungsmittelknappheit zu besiegen. Das Gesetz sollte dafür sorgen, dass der Weizen zur Herstellung von Brot reserviert wurde. Natürlich spielten auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die bayerischen Herrscher hatten über eine lange Phase das Monopol zur Bierherstellung mit Weizen und das war eine gute Einnahmequelle.

Wurde eine derartige Vorschrift 1516 das erste Mal erlassen? 

Nein, es gab ältere ähnliche Regelungen, allerdings nur lokal gültige Herstellungsvorschriften für Bier: Augsburg 1156, Nürnberg 1293, Weimar 1348, Weißensee 1434 oder in München 1363.

Gibt es ein deutsches Reinheitsgebot? 

Ein deutsches Reinheitsgebot, verkündet 1516, gibt es nicht. Malzersatzstoffe und andere Zusätze durften außerhalb Bayerns in weiten Teilen Deutschlands noch lange nach 1516 verwendet werden. Mit dem Reichsgesetz vom 3. Juni 1906 über-nahm das Deutsche Reich für die Bierherstellung im Wesentlichen die Regelungen des bayerischen Reinheitsgebotes.

Gibt es einen Unterschied zwischen deutschem und bayerischem Reinheitsgebot? 

Bayern trat 1918 der Weimarer Republik bei. In diesen Beitrittsverhandlungen hat sich Bayern zusichern lassen, dass in Bayern weiterhin die strenge Auslegung ohne Verwendung von Zucker oder Zuckerkulör gilt.

Warum wurde die Hefe zunächst nicht im Reinheitsgebot erwähnt? 

Man kannte die Hefe einfach nicht. Man kann Hefe ohne wesentliche Vergrößerung nicht sehen. Eine Hefezelle misst nur sechs bis zwölf Mikrometer. In einem Milliliter dickbreiiger Hefe leben etwa zehn Millionen Einzeller. Die Hefe ist eine Vielzahl einzelliger Pilze. Entdeckt wurde sie nach der Erfindung des Mikroskops.

Wurde die Hefe in das Reinheitsgebot aufgenommen? 

Ja, im 19. Jahrhundert. Louis Pasteur (1822-1895) hat beschrieben, dass die Hefe aus Mikroorganismen besteht und dass ihre Anwesenheit von wesentlicher Bedeutung für den Gärungsprozess ist. Demnach wurde die Hefe als vierter Rohstoff mit in das Reinheitsgebot aufgenommen, am Prozess beteiligt war sie immer.

Welche Rohstoffe stehen heute im Reinheitsgebot? 

Zum Brauen von Bier dürfen verwendet werden: Malz, Hopfen, Hefe und Wasser.

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