Jahresbilanz: Sparkasse trotzt weiter der Niedrigzins-Phase

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Der Umbau läuft: Die Sparkasse Werra-Meißner investiert sechs Millionen Euro in ihre Beratungszentren, wie hier in Eschwege. Unser Bild zeigt Sprecher Lutz Römer (von links) sowie Frank Nickel, Marc Semmel und Stefan Gut vom Vorstand.

Werra-Meißner. Verändertes Kundenverhalten, mehr Regeln und der anhaltend niedrige Zinssatz stellen die Banken derzeit auf eine harte Probe. Die Sparkasse Werra-Meißner zog jetzt in der Bilanzpressekonferenz ein vorsichtig-zufriedenes Fazit für das Geschäftsjahr 2017.

? Wie sieht die Lage für Banken im Kreis derzeit aus?

!Für die Menschen im Kreis sei die wirtschaftliche Lage weitgehend gut, sagt Vorstandschef Frank Nickel. Die Arbeitslosigkeit sei niedrig, die Wirtschaft floriere, viele Arbeitnehmer hätten Vertrauen in ihre Jobs – und trauen sich so, zu investieren. „Der Werra-Meißner-Kreis ist trotzdem eine Region, in der man das Geschäft suchen muss“, gibt Nickel zu. Es habe 2017 keine großen Unternehmensansiedlungen oder Zuzüge gegeben. Deshalb setze man weiter auf die Stammkundschaft. Im Bereich Privat- und Firmenkunden sei die Sparkasse weiterhin Marktführer im Kreis.

? Welche Auswirkungen hat die Niedrigzinsphase?

!Das Betriebsergebnis der Bank sank wegen der geringeren Einnahmen durch die niedrigen Zinsen zum zweiten Mal in Folge – für das Jahr 2017 auf 15 Millionen Euro (2016: 17,8 Mio., 2015: 19,3 Mio.). Der Vorstand schließt dennoch weiter die Berechnung von Negativzinsen für Privatkunden aus – Kunden müssen also keine Strafe zahlen, wenn sie hohe Guthaben aufs Konto legen und von der Bank verwalten lassen.

Wer aktuell Geld anlegen will, sollte sich nicht nur auf Zinsanlagen konzentrieren, sondern Anlageprodukte mit einem Mix aus Zinsen, Aktien und Immobilien wählen, empfiehlt Vorstand Marc Semmel.

? Wie entwickelt sich das Kreditgeschäft?

!143 Millionen Euro sagte die Sparkasse 2017 als Kredite zu, 50 Millionen davon für die private Baufinanzierung. Laut Nickel gab es die meisten Anträge für Renovierungen, Anbauten oder den Hauskauf, die größten Summen wurden für Neubauten bewilligt. Dass das Kreditvolumen dennoch leicht zurückging, liegt laut Nickel daran, dass viele Kommunen, auch dank des Schutzschirms, Kredite ablösten. Die Auswirkungen der Hessenkasse werde man erst ab Ende 2018 spüren.

? Welche Auswirkungen hat die Fusion der VR-Bank Werra-Meißner für die Sparkasse?

!Keine nennenswerte, sagt Semmel. Bislang war die Sparkasse mit einer Bilanzsumme von 1,75 Milliarden Euro (für 2017), 50 000 Kunden, 17 Filialen und 367 Mitarbeitern deutlich größer als die VR-Bank (Bilanzsumme für 2017: 1,16 Milliarden Euro, 20 000 Mitglieder, 11 Filialen, 233 Mitarbeiter). Mit der Fusion zieht die neue VR-Bank Mitte zwar zahlenmäßig an der Sparkasse vorbei (neue Bilanzsumme 2,3 Milliarden Euro, 32 Filialen, 488 Mitarbeiter), vergrößert aber ihr Geschäftsgebiet nicht im Landkreis, sondern außerhalb.

?Gibt es Fusionspläne für die Sparkasse?

!Ihnen seien keine Fusions-Vorgaben des Landkreises bekannt, sagen Nickel und Semmel. „Wir führen auch keine Gespräche in dieser Richtung. Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit im Kreis zu erhalten.“ Man sei stark genug, um Großprojekte zu finanzieren und profitiere davon, dass die Digitalisierung für die Sparkassen bundesweit vorangetrieben wird – etwa mit einheitlichen Apps und Internetseiten. So würden keine eigenen Mitarbeiter gebunden.

? Wie will sich die Bank in Zukunft positionieren?

!Die Sparkasse setzt konsequent auf intensive Beratung. Dazu gibt es an sechs Standorten längere Öffnungszeiten bis 19 Uhr, zudem sollen sechs Millionen Euro in Beratungszentren in Eschwege, Hessisch Lichtenau und Witzenhausen investiert werden – in Sanierung und eine bessere technische Ausstattung, die auch die Online-Beratung erleichtert. Zudem arbeitet die Bank mit sechs Kommunen bei der Vermarktung von Bauplätzen zusammen, auch um Neukunden zu gewinnen.

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