Drei Jahre nach seiner Abschiebung durfte Familienvater zurück nach Deutschland

Jamals Vater ist zurück

Vereint und glücklich - die aus Armenien stammende Familie Sadkhyan ist wieder komplett. Alik, Jamal, Arif , Porsor, Vito und Ehefrau Gulisar mit dem kleinen Koko versuchen ein normales Leben zu führen. Foto: Stefanie Salzmann

Eschwege. Die Familie des Eschweger Schülers Jamal Sadkhyan ist glücklich und erleichtert. Knapp drei Jahre nach der Abschiebung des damals 17-jährigen Jamal und seines Vaters Arif nach Armenien, ist die Familie vorerst wieder vereint. Vater Arif durfte am 13. September dieses Jahres wieder nach Deutschland einreisen. „Wir sind sehr froh, dass unser Vater wieder da ist und hoffen, dass es jetzt bergauf geht und alles gut wird“, sagt der 19-jährige Jamal, Schüler der 12. Klasse am OG.

Die Abschiebung Jamals und seines Vaters hatte 2009 eine Welle des Protestes und der Solidarität ausgelöst - gerade weil Jamal als Musterbeispiel einer gelungenen Integration galt. Der Jugendliche hatte sich nicht nur als ausgezeichneter Schüler erwiesen und von der Hertiestiftung eine Stipendium erhalten, sondern sich auch sozial engagiert und war in Sportvereinen aktiv. Jamal konnte 2009 nach einer Einzelfallentscheidung nach Deutschland zurückkehren, der Vater nicht. Die Familie hatte Armenien 2003 verlassen, ihr Asylantrag in Deutschland war nach vier Jahren abgelehnt worden.

Wirklich überrascht von der Rückkehr des Vaters war Jamal nicht. „Wir wussten immer, dass er zurückkommen wird. Nur nicht, wie lange es dauern würde“. Vor allem Landrat Stefan Reuß hatte sich persönlich stark in dem Fall von Jamal und dessen Vater engagiert und interveniert, unter anderem bei der deutschen Botschaft in Armenien, die dem 42-jährigen Arif Sadkhyan letztendlich ein Visum erteilt hat. „Der Vater hatte starke psychische Probleme, die ihm auch ärztlich bescheinigt wurden“, so Reuß. Jamals Vater hat trotz des abgelehnten Asylantrages jetzt ein humanitäres Bleiberecht.

Dem Landrat fühlt sich die Familie zu besonderen Dank verpflichtet. „Herr Reuß hat sich sehr für uns eingesetzt, sonst wären wir alle abgeschoben worden“, sagt Jamal.

Doch die Frage von Abschiebung oder Bleiben ist für die Familie nach wie vor nicht endgültig entschieden. Während die Mutter und der jüngste Bruder Alik (17) eine Aufenthaltsgenehmigung haben, haben Jamal und sein 22-jähriger Bruder Vito nur eine sogenannte Fiktionsbescheinigung, die die Ausländerbehörde erteilt, um Zeiträume zu überbrücken, in denen sie über ein Aufenthaltsrecht nicht entscheiden kann oder will. Grund dafür sei, so Jamal, dass die beiden jungen Männer in Armenien ihren Militärdienst noch nicht abgeleistet haben und deshalb von den armenischen Behörden keinen Pass ausgestellt bekommen.

Dennoch versucht die Familie Normalität zu leben. Die achtköpfige Familie will in eine größere Wohnung umziehen, Mutter Porsor arbeitet bei Werraland und Jamal will 2014 sein Abitur machen und studieren. Vito macht eine Büroausbildung, ist verheiratet und hat zwei kleine Söhne. Auch die hat Großvater Arif vor drei Wochen zum ersten Mal gesehen.

Von Stefanie Salzmann

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