Interview

Kinobetreiber spricht über den verschobenen Bond-Start und Corona

Die Türen der Kinos sind verschlossen und die Kinosessel verwaist. Hoffnungsträger – aber nun erst im nächsten Jahr – ist der Bond-Film. Das bestätigt auch Kinobetreiber Horst Martin.
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Die Türen der Kinos sind verschlossen und die Kinosessel verwaist. Hoffnungsträger – aber nun erst im nächsten Jahr – ist der Bond-Film. Das bestätigt auch Kinobetreiber Horst Martin.

Kinos haben es nicht leicht: Wegen Corona mussten sie wieder schließen und der neue Bond-Film wurde verschoben. Darüber spricht ein Kinobetreiber aus Eschwege und Hersfeld.

Eschwege/Bad Hersfeld – Auch im zweiten Lockdown müssen die Kinos ihre Säle schließen. Kurz vor der zum vierten Mal verschobenen James-Bond-Premiere kommt die Ernüchterung – die Fans müssen sich bis April gedulden. Für Kinobetreiber bleiben Kassen und Sessel leer. Kinobetreiber Horst Martin aus Bad Hersfeld ist James Bond Fan. Im Interview spricht über die Kinolandschaft ohne Blockbuster.

Herr Martin, am 12. November wäre Bundesstart, haben Sie den neuen James Bond schon gesehen?

Nein, den hat noch keiner gesehen, außer dem Verleih. Der Filmstart ist verschoben worden. Wenn er aber herauskommt, können Kinobetreiber ihn vorab sehen. Aber dafür möchte ich nicht extra nach Frankfurt fahren. Persönlich ist das aber trotzdem mein Genre – absolut.

Wie viele Besucher hätte der Film ohne Corona angezogen und haben die Bond Filme nachgelassen?

Die Bond-Filme haben überhaupt nicht nachgelassen. Es kam in der Historie darauf an, wer der Hauptdarsteller ist. Es gab Schwächere und Bessere. Wie viele Besucher ich erwarte, ist im Moment schwer zu sagen, weil es auch davon abhängt, wann die Kinos wieder öffnen können. Es kommt darauf an, wie viele der Plätze wir wieder besetzen dürfen. Vor dem zweiten Lockdown stand ein Drittel der Plätze zur Verfügung. Und es kommt natürlich darauf an, wie der Film ist. Aber bei Bond haben wir noch nie eine Enttäuschung erlebt.

Wie fühlt es sich an, jetzt ganz allein hinter geschlossenen Türen zu sitzen?

Naja, das hatten wir dieses Jahr ja schon einmal, aber es ist schon sehr traurig, dass wir mit dem Bond nicht anfangen können. Das wäre ja sonst der Zünder für die ganze Geschichte, nicht wahr? Vielleicht wird es ja jetzt noch was, der Film ist ja fertig.

Ist die Corona-Pandemie der Todesstoß für die Kinos oder erfinden sich die Filmhäuser gerade neu?

Nein, ein Todesstoß ist es nicht. Wir haben in Deutschland ja noch Glück gehabt. Es funktioniert noch alles bei uns, das öffentliche Leben. Und im Kino haben wir die Abstände eingehalten, wir haben eine Lüftung, da kann eigentlich nichts passieren. Generell gesehen haben wir heute auch nicht weniger Besucher als vor 10 oder 20 Jahren. Wenn der Film nicht interessiert dann kommen die Leute natürlich nicht.

Wer geht eigentlich in Zeiten von Netflix und Co. noch ins Kino?

Es ist ja so, dass die Auswahl der neuen Filme im Kino beginnt, und wer sich für die neuen Filme interessiert, muss eben ins Kino gehen.

Wenn Sie die Chance hätten einen Film zu drehen, was würden sie machen?

Als Kinobetreiber können Sie sich an unterschiedlichen Kinoproduktionen beteiligen, aber das ist nicht mein Geschäft. Was aber ein bisschen fehlt, ist der deutsche Film. Wenn ich mir etwas aussuchen würde, würde ich aber auch einen Bond Film drehen, denn alle Bond Filme waren in dem Jahr, in dem sie erschienen sind, ein Erfolg.

Agent Null-Null-Sieben steht schon in den Startlöchern.

Ist das Wegfallen der Blockbuster wegen der Coronakrise eine Chance für kleine Produktionen?

Eher nicht, kleinere Produktionen können die Zuschauer ja bei sich zuhause gucken. Und die, die Blockbuster sehen wollen, müssen ins Kino gehen. Und wir haben ja unsere Startlisten bei den Filmen, und die fallen ja nicht weg, weil eine Pandemie herrscht.

Sehen Sie sich mit Blick auf die geöffneten Kirchen ungerecht behandelt?

Nein das finde ich nicht ungerecht. Das ist ja eine ganz andere Geschichte.

Haben sie persönlich eine zweite Corona-Welle in diesem Maße erwartet?

Sie müssen immer damit rechnen, schließen zu müssen, wenn Sie eine nicht öffentliche Versammlungsstätte haben, dann ist das so. Vor vielen Jahren gab es schon einmal eine Pandemie, da mussten wir auch kurzzeitig Kinos schließen.

Der Staat hatte Ihnen, wie allen Unternehmern, Hilfe versprochen. Sind Sie persönlich mit der Abwicklung zufrieden?

Wir haben bisher noch überhaupt keine Hilfen bekommen. Und ich denke, das ist auch betriebswirtschaftlich ausgeschlossen, dass alle die jetzt leiden, so unterstützt werden können, dass sie überleben. Das kann der Staat gar nicht leisten. Bei uns ist es aber auch nicht so tragisch, weil wir keine Miete zahlen müssen, so wie viele andere Großbetreiber die kein Eigentum haben.

Gehören Sie auch zur Risikogruppe, und wie haben Sie Ihr Leben umgestellt?

Mein Verhalten hat sich seit der Pandemie nicht geändert. Wir haben ja eine relativ hohe Besucherzahl, wenn Sie 200 000 Besucher haben – im Jahr – zum Beispiel in Bad Hersfeld. Dann ist es ja nichts, wenn sie sagen, ich will mit meinem Publikum jetzt überhaupt nichts mehr zu tun haben. Das geht nicht.

Wann sehen Sie sich den neuen Bond in Ihrem eigenen Kino an?

Das kann man bei einer Pandemie ja nicht einschätzen. Aber in dem Moment, in dem die Fallzahlen nach unten gehen, bringen wir den Film auch hier im Kino. (Von Kim Hornickel)

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