Inszenierung von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ freundlich aufgenommen

Janson holt Eschweger ins Boot

Horst Janson als der alte Mann: Verlieren, ja vernichtet werden kann ein Mensch, aufgeben sollte er nie. Foto: Alexandra Schuler

eschwege. Seine Gesichtszüge haben nichts Karibisches - aber sonst entspricht Horst Janson der Vorstellung von Santiago: groß und hager, mit einem vom Wetter gegerbten Gesicht. Santiago, der Held aus Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“ wurde von Janson an diesem Samstag in der Eschweger Stadthalle gespielt: in einer Bühnenbeabeitung von Jens Hasselmann, der auch die Musik komponierte und Gitarre spielte, und Marie-Luise Gunst, die als Sängerin und Sprecherin auftrat.

Nach über dreieinhalb Jahren Theaterabstinenz hatte sich die Stadthalle fast gefüllt. Und das erwartungsvolle Publikum erlebte einen interessanten multimedialen Theaterabend: mit vier Musikern, die mit ihren Rhythmen für kubanisches Lokalkolorit sorgten.

Die Handlung dürfte den meisten Zuschauern bekannt sein. Santiago, der „alte Mann“, hat monatelang kein Glück gehabt. Und nun bekommt er einen Riesenfisch an die Angel. Die Story erzählt von seinem zwei Tage dauernden Kampf mit dem mächtigen Fisch, der später, auf dem langen Weg zurück („ich bin zu weit hinausgefahren“, sagt Santiago immer wieder) von Haien gefressen wird.

Eine einfache, von Ernest Hemingway knapp und meisterhaft erzählte Geschichte, die den Willen des alten Kubners glorifiziert. Horst Janson, vor wenigen Wochen 78 geworden, demonstrierte dabei seine beachtliche Schauspielkunst: Seine Darstellung war makelloses Theaterhandwerk. Ein besonderer Pluspunkt an diesem vom Eschweger Kulturbund veranstalteten Theaterabend waren die aufwändige, sehr schöne, vom Boot beherrschte Bühnenausstattung und die raffinierte Lichtgestaltung - was manche Längen der Aufführung (fast) vergessen ließ - so dass der Schlussapplaus recht lang und weit mehr als nur freundlich ausfiel.

Die wichtigste Botschaft der Novelle, die maßgebend für die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an seinen Autor war, ist, dass ein Mensch zwar vernichtet werden kann, aber nie aufgeben darf. Ein Motto, an dem sich Autor Ernest Hemingway letzten Endes nicht gehalten hat: 62-jährig nahm er sich das Leben.

Von Francisco Pujiula

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