Jede siebte Frau hat schon Gewalt erlebt

Werra-Meißner. Sexualisierte Gewalt und Belästigung beschäftigen seit Wochen die Öffentlichkeit. Auch im Werra-Meißner-Kreis ist das ein Thema.

Unter dem Hashtag (Stichwort) #metoo (ich auch) hatten – ausgelöst durch entsprechende Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein – zahlreiche Frauen im Internet ihre Erfahrungen geschildert. Doch gerät dabei nicht der Weg, Anzeige zu erstatten und sich, wenn nötig, professionelle Hilfe zu holen, ins Hintertreffen? Nein, sagt Birgit Schünemann-Homburg vom Verein Frauen für Frauen im Werra-Meißner-Kreis, laut der jede siebte Frau in Deutschland schon schwere sexualisierte Gewalt erlebt hat. Denn die Frauen, die sich im Internet offenbarten, seien nicht frisch traumatisiert, die Tat liege einige Zeit zurück. „Die Möglichkeit, sich zu offenbaren, ist wie ein Einfallstor, das geöffnet wird, um den Druck der Ungerechtigkeit loszuwerden, weil der Täter nie bestraft wurde“, erklärt Schünemann-Homburg. Für die Frauen sei es auch unheimlich wichtig, zu zeigen, dass sie Opfer sind und es eine Tat gegeben hat.

„Es wäre zu wünschen, dass der Schneeball-Effekt auch unten ankommt und nicht auf Promi-Ebene verpufft“, sagt Meike Noss, Leiterin der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität der Awo Werra-Meißner. Doch dürfe in einem Rechtsstaat auch niemand an den medialen Pranger gestellt werden. Der Weg müsse dahin führen, dass man zur Polizei geht und ernst genommen wird.

„Ich finde die Kampagne gut, da sie sexuelle Übergriffe in die Öffentlichkeit bringt und Betroffene erfahren, dass es viele gibt, die diese Erfahrung machen mussten“, sagt auch Thekla Rotermund-Capar. Es ist laut der Gleichstellungsbeauftragten eine Form der Aufarbeitung des Erlebten, ein möglicher Impulsgeber dafür, dass sich die Betroffenen doch noch an einen Therapeuten wenden, und gibt bestenfalls aktuell Betroffenen Mut, einen Übergriff anzuzeigen.

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