Werra-Meißner-Kreis Schlusslicht in Nordhessen

Jeder Neunte im Kreis ist völlig überschuldet

Werra-Meißner. Im Werra-Meißner-Kreis hat jeder Neunte mehr Schulden als er begleichen kann – und die Zahl der Betroffenen steigt

9803 Menschen sind derzeit hoffnungslos überschuldet, im Vorjahr waren es nur 9684.

Das Bedenkliche: Die wirtschaftliche Lage besserte sich im gleichen Zeitraum, die Arbeitslosenquote sank von 6,0 auf 5,7 Prozent. Als einziger Landkreis in Nordhessen liegt die Zahl der Überschuldeten im Werra-Meißner-Kreis dennoch weiter über dem Bundesdurchschnitt. Wie aus dem Schuldner-Atlas 2016 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Kassel hervor geht, haben 11,56 Prozent aller Bewohner des Kreises mehr Schulden, als sie über einen längeren Zeitraum zurückzahlen können, berichtet Geschäftsführer Sebastian Schlegel.

Eschwege an der Spitze

Die Betroffenen wohnen vor allem in den Städten oder größeren Orten im Kreis, wo es kleine, günstige Wohnungen gibt und die Zahl der ärmeren Menschen ohnehin höher ist. Am schlimmsten ist die Lage in Eschwege, wo 15,63 Prozent aller Einwohner überschuldet sind. Es folgen Sontra (13,26 Prozent) und die Kernstadt von Witzenhausen (12,58 Prozent). In Neu-Eichenberg (5,63 Prozent), Berkatal (6,23 Prozent) sowie den Witzenhäuser Ortsteilen Gertenbach, Berlepsch-Ellerode und Albshausen (7,07 Prozent) ist die Lage am Besten. 

Bei den Ursachen für die Überschuldung haben laut Schlegel seit etwa zehn Jahren ökonomische Auslöser wie Arbeitslosigkeit und gescheiterte Selbstständigkeit an Bedeutung verloren. Aktuell sorgten immer häufiger Erkrankung, Sucht, Unfall und gescheiterte Immobilienfinanzierungen für eine Überschuldung.

Diesen Trend können die Schuldner-Beraterinnen der Arbeiterwohlfahrt Werra-Meißner, Maria Zaschke und Elke Ackermann, indes nicht bestätigen. Ihrer Erfahrung nach bleibt Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser für die Überschuldung im Kreis. 

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