Jennifer Teege sucht Antworten über ihren Großvater, den Kriegsverbrecher

Hat über ihren Großvater ein Buch geschrieben: Jennifer Teege ist die Enkeltochter von Amon Göth, der im Konzentrationslager Plaszow bei Krakau für den Tod vieler Juden verantwortlich war. Foto: Weber

Eschwege. Jennifer Teege ist die Enkeltochter von Amon Göth, der im Konzentrationslager Plaszow bei Krakau für den Tod vieler Juden verantwortlich war.

Wenn Amon Göth, Kommandant des Konzentrationslagers Plaszow bei Krakau, die weißen Handschuh anzog, war das offenbar das Zeichen dafür, dass nun Blut fließen sollte. Er liebte es wohl, von seinem Balkon aus willkürlich auf jüdische Gefangene zu schießen oder sogar seine Hunde auf sie zu hetzen. Amon Göths Enkelin Jennifer Teege glaubt, er sei ein Sadist gewesen oder habe jedenfalls eine ernsthafte psychische Störung gehabt, wie sie in ihrer Lesung in der Eschweger Stadtbibliothek jetzt sagte.

Im System des Nationalsozialismus habe er dann seine Triebe perfekt kultivieren und straffrei ausleben können. So richtig bekannt wurde der sadistische Lagerkommandant erst durch den Film „Schindlers Liste“, wo er von Ralph Finnes verkörpert wurde. Niemand hätte geglaubt, dass Jennifer Teege, Tochter eines nigerianischen Vaters und damit von dunkler Hautfarbe, Amon Göths Enkelin sein könnte - am wenigsten sie selbst. In ihrem Buch mit dem aufwühlenden Titel „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“ schildert sie eindringlich, wie sie erst mit 38 Jahren die Wahrheit über ihre richtige Familie herausfand.

Mit der Lesung schloss die Zeitzeugen-Ausstellung in der Stadtbibliothek ab. Auch hierbei zeigte sich ein weiteres Mal: Durch den persönlichen Zugang wird das Unvorstellbare plötzlich greifbar und kommt ganz nah. Niemand, der zuhörte, blieb von dem Gehörten unberührt. Das große Interesse an der Lesung zeigte auch, wie wichtig die Aufarbeitung des Nationalsozialismus über 70 Jahre später immer noch ist.

 

Wie Jennifer Teege mit diesem Wissen über ihre Vorfahren umging und warum sie adoptiert wurde, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe und im E-Paper der WR.

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