„Ein Rentner muss aktiv sein“

Joachim Fehr feiert heute 75. Geburtstag: Ein überzeugter Freidemokrat bezieht Position

+
Wird heute 75: Joachim Fehr war fast 35 Jahre ehrenamtlich für die Kreisstadt Eschwege tätig. Der Stadtälteste engagiert sich noch immer in unterschiedlichen Funktionen.

Eschwege. Der Eschweger Joachim Fehr feiert heute seinen 75. Geburtstag. Die Meinung des überzeugten Liberalen, der auch heute noch im Landesgremium seiner Partei aktiv ist, ist immer noch sehr gefragt. Wir sprachen mit ihm über Politik, Banken und die Bundestagswahl.

Er war Fraktionsvorsitzender der FDP in der Eschweger Stadtverordnetenversammlung, Aufsichtsratsvorsitzender der VR-Bank Werra-Meißner und Unternehmer. Er ist noch immer in Landesgremien seiner Partei tätig und engagiert sich in der evangelischen Kirche. Joachim Fehr ist Vater zweier erwachsener Kinder und stolzer Großvater von zwei Enkeln. Heute feiert der überzeugte Liberale seinen 75. Geburtstag. Die Meinung des Jubilars ist nach wie vor gefragt, und Joachim Fehr äußert sich gern.

Joachim Fehrüber . . .

. . . die FDP in Eschwege und im Werra-Meißner-Kreis:

„Die FDP muss stärker und unabhängiger werden. Die eigenen Profile müssen deutlich erkennbar sein. Das ist nicht immer ausreichend der Fall.“

. . . das Leben in Eschwege:

„Die kulturelle Vielfalt muss sich weiterentwickeln, wir sollten mehr Querdenker wie Rolf Hochhuth hierher einladen. Nur die geben uns Anstöße zu Veränderungen. Die qualitative Erneuerung der Gastronomie fehlt.“

. . . Chancen und Risiken in den nächsten fünf Jahren:

„Wenn die Autobahn fertig ist, gibt uns das große Chancen, um die wir allerdings kämpfen müssen. Von selbst kommt niemand hierher, und die anderen Regionen schlafen auch nicht. Wir brauchen Konzepte, eine strategische Ausrichtung, müssen auf den Tag vorbereitet sein, in Kassel und Eisenach für Eschwege werben. Ich wünsche mir eine Start-up-Philosophie und Kontakte zu Universitäten mit dem Ziel, hier eine Außenstelle aufzubauen.“

. . . die Banken:

„Die Bankenlandschaft in Deutschland bereitet mir große Sorgen. Die Regulierungswut der EU berücksichtigt die besondere Situation in Deutschland nicht. Ziel ist die Kontrolle der Großbanken; tatsächlich trifft es die genossenschaftlichen Institute und die Sparkassen.“

. . . den Automobilskandal:

„Wenn betrogen wurde, dann müssen die Täter bestraft werden. Punkt! Schwierig ist die Einordnung zwischen betrügerischer Absprache und dem Bemühen, Normen zu entwickeln. Betroffene Autofahrer haben kaum eine Möglichkeit, gegen die Konzerne vorzugehen. Die Untätigkeit der Behörden ist das eine, das mich umtreibt, die Untätigkeit des ADAC das andere.“

. . . die E-Mobilität:

„Die Euphorie ist nicht zu verstehen. Die Batterien werden ein Entsorgungsproblem verursachen. Vielmehr müsste der Wasserstoffantrieb vorangebracht werden. Das ist die Alternative.“

. . . die Bundestagswahl im September:

„Das ist gerade eine merkwürdige Situation: Wir haben eine große Koalition, in der die Partner gegeneinander arbeiten, eine Kanzlerin, die so tut, als wäre alles in Ordnung, ohne dass das so ist. Der SPD-Kandidat agiert unglücklich. Das wird zum Relaunch der FDP führen. Meine Partei wird wieder in den Bundestag einziehen. Der liberale Rechtsstaat braucht eine liberale Partei. Und ich bin überzeugt davon, dass die FDP eine sehr gute Oppositionspartei abgibt.“

. . . gesellschaftliche Veränderungen:

„Wir brauchen mehr Individualität und vor allem mehr Bildung. Wir brauchen Integration aller, aber wir brauchen auch Elitenförderung.“

. . .  den Liedermacher Reinhard Mey:

„Leider kann er nicht zu meiner Feier kommen, weil er gerade seine Tournee im Herbst vorbereitet. Wir sind gleichaltrig, haben uns vor einiger Zeit kennen und schätzen gelernt. Reinhard Mey ist ein Künstler, der über Jahrzehnte mein persönliches Lebensgefühl in seinen Liedern zum Ausdruck bringt.“

. . . seinen größten persönlichen Erfolg:

„Die Renovierung des Bismarckturms, weil ganz viele mitgemacht haben. Das war eine Gemeinschaftsaktion. Matthias Sadowsky hatte die Idee und ich war Vorsitzender des Fördervereins.“

. . . die größte Enttäuschung:

„Dass die FDP vor vier Jahren nicht in den Bundestag gekommen ist.“

. . . das, was er immer wieder so machen würde:

„Ich würde immer wieder meine inzwischen verstorbene Frau heiraten, immer wieder Pharmakaufmann werden und immer wieder der FDP beitreten.“

. . . das, was er am meisten bereut:

„In meiner Sturm- und Drangzeit habe ich die persönliche Ehrung eines Kontrahenten offen angezweifelt.“

. . . das Erreichte und Verpasste:

„Kinder, Enkel und das beruflich Erreichte einerseits, Sprachen nicht gelernt zu haben, Verzicht auf frühe Arbeitgeberwechsel und fehlende Zeit für körperliche Fitness auf der anderen Seite.“

. . . das Rentnerdasein:

„Ein Rentner muss aktiv sein und Spaß am Leben haben, Befindlichkeiten hinnehmen und immer noch ein Bäumchen pflanzen wollen, Bildung erhalten und diskutieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare