Die erste Bratwurst bei Schellhas

Interview: Alexander Heppe und Uwe Gondermann über das Johannisfest

Vorfreude auf das Johannisfest: Organisationschef Uwe Gondermann (links) und Bürgermeister Alexander Heppe freuen sich bei einem Blick auf die Rummelplatzplanung auf das Johannisfest. Foto: Sagawe

Eschwege. Am Donnerstagabend eröffnet Bürgermeister Alexander Heppe das Johannisfest in Eschwege. Fünf Tage feiern die Menschen in der Kreisstadt gemeinsam mit ihren Gästen das größte Volksfest in der Region. Heppe und Organisationschef Uwe Gondermann beschreiben im Interview die Bedeutung des Heimatfestes für Eschwege, haben aber auch einen ganz persönlichen Blick auf das Johannisfest.

Herr Heppe, Herr Gondermann, welches ist Ihre am weitesten zurückreichende detaillierte Erinnerung an das Johannisfest, die Sie als prägend bezeichnen würden?

Uwe Gondermann: Ich kann mich nicht erinnern, auch nur ein Johannisfest verpasst zu haben, da gibt es natürlich ganz viele Erinnerungen. Besonders waren die Einsätze als Fahnenträger. Zu den frühesten Erinnerungen zählen sicherlich die Abende, als auf der Netergasse Kränze gewickelt wurden. Ich war als kleiner Junge in kurzen Lederhosen und blau-weißem Hemd dabei, Tante Otti aus der Nachbarschaft war mittendrin. Das war mit ganz viel Stolz verbunden.

Alexander Heppe: Ich bin mit meinen Eltern durch die Straßen der Neustadt gegangen, auf den Hinterhöfen wurden Kränze gewickelt, und bei Schellhas auf dem Hof gab es die erste Bratwurst.

Wodurch wird sich das diesjährige Johannisfest von denen in früheren Jahren unterscheiden?

Gondermann: Wesentliche Änderung ist das gänzlich neue Festzeltkonzept mit unseren neuen Wirten. Und die Neuerungen aus dem Vorjahr mit der verlängerten Festplatzspielzeit schon ab Donnerstag müssen sich nach der Einführung 2016 in diesem Jahr bestätigen. Die Weiterentwicklung des Johannisfestes erfordert auch immer Veränderungen. Wir wollen modern sein, ohne unsere Traditionen zu vergessen.

Was macht das Johannisfest so besonders?

Gondermann: Eben genau diese Mischung: Wir erleben das traditionelle Schüler- und Volksfest in seinen wichtigsten Bestandteilen noch wie vor Jahrzehnten; gleichzeitig haben wir den Anspruch, den Entwicklungen der Gegenwart Rechnung zu tragen. Die Gesamtheit des Festes macht es auch aus: vom ersten Fanfarenklang des Johannisfestreiters am Donnerstag bis zum Feuerwerk am Montag. Herausragend und mit garantiertem Gänsehautfeeling ist das Dietemannlied nach dem Maienzug auf dem Marktplatz.

Herr Gondermann, gibt es für Sie private Momente bei all der Anspannung als Organisationschef?

Gondermann: Die Anspannung ist dauerhaft, die weicht erst, wenn mit dem Feuerwerk am Montagabend das Finale gelaufen ist. Meine privaten Momente sind am Samstag nach dem Maienzug der Johannisfestschoppen mit meiner lieben Frau und nach dem Empfang der Stadt der späte Frühschoppen mit Freunden am Nachmittag in der Krone.

Herr Heppe, wie bekommen Sie die Balance zwischen Verpflichtung als Bürgermeister und Freude als Eschweger hin?

Heppe: Das ist nicht immer ganz einfach. Als Bürgermeister habe ich viele Pflichttermine, viele davon würde ich aber auch privat gern wahrnehmen, weil sie einfach Spaß machen. Ich bin Bürgermeister, aber während des Johannisfestes bin ich ein Johannisfest feiernder Eschweger. Ich bin komplett durchgetaktet, was man aber gar nicht so wahrnimmt, weil das alles große Freude bereitet. Allerdings: Das Feuerwerk am Montagabend, das ist meine ganz private Zeit, das schaue ich mit meiner Familie.

Das Motto des Festzuges lautet in diesem Jahr „Typisch Eschwege“. Ist das Johannis-fest eigentliche typisch Eschwege?

Heppe: Absolut. Das Johannisfest ist das größte Heimatfest im Werratal. Es gibt ganz viele Begegnungen auf persönlicher Ebene. Ich kenne einen Eschweger, der fliegt jedes Jahr extra aus Neuseeland ein. Es sind die Traditionen vom Kränzewickeln bis zum Dietemannlied, das weiß-blaue Meer – das alles ist typisch Eschwege.

Gondermann: Und genau deswegen gibt es auch immer wieder diese Gänsehaut-Momente. Dass das Johannisfest typisch Eschwege ist, wird auch an der großen Anteilnahme der Eschweger deutlich: Ganz viele Menschen tragen dazu bei, dass dieses Fest gelingt. Sie arbeiten oft im Hintergrund, ohne dass sie wahrgenommen werden. Als eines von vielen Beispielen möchte ich die Männer vom Bauhof nennen. Wenn die Menge nach der Party spät in der Nacht ins Bett geht, machen die Jungs die Stadt sauber. Dieses Engagement ist beispielhaft. Deswegen ist es auch so wichtig, dass sich möglichst viele Bürger einbringen und beispielsweise beim Schmücken der Stadt mit Maien und Eichenlaub helfen.

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