Jubel, Trubel, Heiserkeit

Ausdauertraining für  Lachmuskeln: Johann König überzeugt mit einmaliger Gleichgültigkeit

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Ein Meister der manischen Wutanfälle: Johann König nötigt das Publikum in der Eschweger Stadthalle mit seinem pessimistischen Weltbild zu Lachanfällen. 

Ein bisschen Umweltschutz, Paartherapie und Familienprobleme gepaart mit Alltagsstorys: Was wie die abgedroschenen Inhalte eines Standard-Unterhaltungsprogramms anmutet, verwandelt Johann König in Ausdauertraining für die Lachmuskulatur.

Schließlich ist er einer der außergewöhnlichen Comedians, zu dem die Zuschauer weniger wegen seiner Inhalte als seiner unterhaltsam-demotivierenden Ausstrahlung kommen. Mittwochabend überzeugte er in der fast ausverkauften Stadthalle bei seinem Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ mit einmaliger Gleichgültigkeit.

Mit göttlicher Trockenheit

„Das Geheimnis einer langen Ehe ist es, sich auf die Dauer nicht zu trennen.“ Kurz, knapp, aber markant verstreut der exzentrische Anti-Logopäde in jedem Nebensatz Pointen, die das Publikum von den Stühlen reißen. „Ich schaue am liebsten Arte. Da kann ich am besten abschalten.“ Bei einem Stammtisch würden seine Gags als schlechte Wortwitze abgestempelt werden, doch auf der Bühne bringt König sie mit göttlicher Trockenheit unters Publikum.

Dabei lässt er jeden an seinen manischen Wutanfällen seines pessimistischen Weltbilds teilhaben. Er zitiert aussichtslose Unterhaltungen mit Müttern an Elternabenden, „Einzelschnittkaiserkindern“ oder Jugendlichen, die am Bahnhof mit einer Tafel Schokolade sprechen. Einblicke in sein Privatleben kommen währenddessen nicht zu kurz: Sein wetterfühliger Kater Hektopascal und seine Kinder sind die Protagonisten seines Lebens – leider: „Die Kinder haben einen Keil in meine Ehe getrieben. Aber jetzt bekommen wir sie nicht mehr abgetrieben.“ Am Ende des blassen Horizonts deutet sich für ihn ein Lichtblick an: „Meine Frau befindet sich seit einigen Wochen in Paartherapie.“ Eine Frage nimmt König dem Publikum direkt vorweg: „Kennt ihr das, wenn man von dem eigenen Gelaber Kopfschmerzen kriegt?“

Depressiver Redefluss

Neben seinem depressiven Redefluss hielt König auch einige Überraschungen bereit: Aus einem Tagebuch liest er Gedichte vor und auf dem Barhocker führt er unergründliche Dehnübungen durch: „Yoga tut mir sehr gut! Das fördert meine innere Gleichgültigkeit, aber das ist mir egal.“

Als Höhepunkt des Abends führt er Tanzeinlagen mit dem Hula-Hoop-Reifen vor: Bei ‚I like to move it, move it’ kommt unerwartete Gelenkigkeit zum Vorschein, bevor er zu der Melodie von „Immer noch fühlen“ mit Erzählungen, die mal Gesangseinlagen werden sollten, auf seine Kindheit zurückblickt.

Wohltuender Balsam für die Persönlichkeit

Durchgängig führt König dem Publikum vor Augen, was das wahre Talent eines Alleinunterhalters ist: Zu Beginn des Auftritts sät er weise vorbereitet erste Wortwitze und Begriffe, die er im weiteren Verlauf als glorreiche Pointen erntet – Mittwochabend verging kein Augenblick ohne Lachanfälle unter dem erschöpften Publikum. Unterm Strich dürfte jeder Zuschauer erkannt haben, wie gut er dran ist, solange er nicht an Königs Lebenseinstellung leidet. Sein Programm ist Ausdauertraining für die Lachmuskulatur und wohltuender Balsam für die Persönlichkeit zugleich.

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