Premiere des Gastspiels "Vier Brüder"

Hautnah und gemütlich: Junges Theater Eschwege ergänzt Angebot um experimentelle Produktionen

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Mitten im Winter ein Tanz mit dem Sommer: Susanne, dargestellt von der ehemaligen Schauspielerin des Jungen Theaters, Kathrin Fydrich, tanzt leicht angetrunken mit dem personifizierten Sommer, Trunkenbold Baltus.

Eschwege. Hautnah, gemütlich und mit Überraschungsfaktor: Kunst im direkten Format erwartet Besucher des Jungen Theaters in Eschwege ab diesem Jahr auf kleiner Bühne ergänzend zu dem bestehenden Angebot.

Am Wochenende hatte das Theater in der Nussschale aus Eberdingen mit diesem Konzept Premiere mit dem humorvollen Gastspiel „Vier Brüder“.

„Der Raum hat einen gewissen Charme“, so Sebastian Perels vom Jungen Theater. Flexibel soll der Probenraum am Werdchen hinter dem E-Werk für Aufführungen vor bis zu 50 Gästen genutzt werden. Im Vordergrund stehen dabei experimentelle Eigenproduktionen und Inszenierungen, die die Darsteller entweder durch eine kleine Besetzung herausfordern oder für eine kleine Zielgruppe gedacht sind.

Auf der großen Bühne sind den stilistischen Möglichkeiten der Darsteller räumlich und akustisch allzu oft Grenzen gesetzt, die im Kleinformat überwunden werden. So können kleine, aber essenzielle Requisiten wie Handpuppen, die ein breites Publikum kaum erkennen würde, flexibel eingesetzt werden; ebenso freut sich der erfahrene Schauspieler über die Freiheit, flüstern zu können – ein oft unterschätztes Stilmittel. Einen weiteren Vorteil spürt der Zuschauer, sobald das Stück beginnt: Feine Nuancen in Mimik und Gestik, die mit der Distanz schnell verloren gehen, können wiedergefunden werden, wenn nur noch wenige Meter die Zuschauer vom Geschehen trennen. „Ich liebe Kleinkunstbühnen mit diesem Ambiente und einer gewissen Magie“, resümierte Horst Ziegenhagen Freitagabend.

„Das ist ein Zusatzangebot, aber Gastspiele stehen dabei nicht im Vordergrund“, so Darsteller Heiko Alsleben. Kommende Vorführungen im neuen Kleinkunstformat werden unter anderem „Gift. Eine Ehegeschichte“ und das Ein-Personen-Stück „Schwester von …“ sein, die beide durch eine kleine Besetzung charakterisiert sind. Bis zum Sommer kommt zudem die experimentelle Eigenproduktion „Jugend ohne Gott“ von Jugendlichen auf die neue Bühne. Kathrin Fydrich ist vielen als aktives Mitglied der Anfangsjahre des Jungen Theaters in Erinnerung; als Hauptdarstellerin Susanne in der Komödie „Vier Brüder“ wagte sie Freitag- und Samstagabend mit ihrer neuen Theatergruppe aus Eberdingen den Sprung in ihre alte Heimat. In dem Stück teilen Susanne und der unentdeckte Dichter Hans sich eine Wohngemeinschaft   und romantische Gefühle, die für viel Chaos sorgen. In poetischen Fantasien personifiziert Hans die vier Jahreszeiten, die im realen Leben der Protagonisten Einzug finden, um für ein klassisches Happy End in der Liebe zu sorgen.

Mit minimaler Bühne und Besetzung, Humor und vielen Stilmitteln von Personifikationen über Freeze-Frames und eine mehrdimensionale Handlung war diese Premiere wie geschaffen für das neue Konzept.

Von Lorenz Schöggl

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