Große Veränderungen für Amtsgericht Eschwege

Justiz im Werra-Meißner-Kreis arbeitet künftig mit elektronischen Akten

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Seit 2009 Direktor: Dr. Alexander Wachter leitet das Amtsgericht Eschwege.

Eschwege. Große Chancen sieht der Direktor des Amtsgerichts Eschwege, Dr. Alexander Wachter, in der Einführung der elektronischen Akte: „Auf die Justiz werden in absehbarer Zeit erhebliche Veränderungen des Arbeitsumfeldes zukommen.“

Bereits heute gibt an den Gerichten Modelle für eine flexiblere Arbeitszeit. Die sind aber laut Wachter lediglich ein erster Schritt hin zu einer kompletten Telearbeitswelt in der Justiz.

Die elektronische Akte würde die Arbeit der Mitarbeiter langfristig erleichtern, prognostiziert Wachter. Für die Bürger sieht er gleichzeitig keine Nachteile in Bezug auf Qualität, Erreichbarkeit und Service. Auch Menschen, die nicht von einem Anwalt vertreten werden, könnten ihre Unterlagen dann bequem in digitaler Form abgeben.

Im Jahr 2017 wurden fast 400 Strafverfahren und knapp 900 zivile Auseinandersetzungen wurden vom Amtsgericht Eschwege bearbeitet. Mehr als 40mal trat das Schöffengericht zusammen, etwa 300 Strafsachen waren Fälle für den Einzelrichter. Das Amtsgericht Eschwege besteht seit 150 Jahren. „Wichtig war 2017, dass wir den zentralen Servicepoint für den Erstkontakt mit den Justizbehörden bekommen haben“, sagt Wachter. Im Herbst übertrug das Justizministerium dem Eschweger Gericht diese landesweite Aufgabe, die jetzt aufgebaut werden soll. „Mit Blick in die Zukunft könnte das ein Signal sein“, so Wachter. Nämlich dann, wenn sich zeige, dass ein solches System funktioniere.

„Wenn neue Aufgabenfelder geschaffen werden, haben wir die notwendige Größe, die technische Infrastruktur und auch das erforderliche Know-How, um mögliche weitere Aufgaben zu übernehmen“, sagt Wachter. Er macht dabei aber auch deutlich, dass dazu ganz unverzichtbar vor allem auch die Bereitschaft der Mitarbeiter gehöre, sich auf Neuerungen einzulassen, weil diese vor allem in der Startphase mit erheblicher Mehrarbeit verbunden seien.

Hintergrund: Elektronische Akten

Mit dem „Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs“ aus dem Jahr 2013, das eigentlich ein Gesetz zur Einführung einer Nutzungsverpflichtung für professionelle Einreicher von Schriftsätzen – das sind Rechtsanwälte, Notare, Behörden, juristische Personen des öffentlichen Rechts – darstellt, ist der elektronische Rechtsverkehr mit Ausnahme von Strafsachen ab dem 1. Januar 2022 verpflichtend. Die Umsetzung erfolgt schrittweise. 

Die Justizbehörden versprechen sich davon die Einsparung von Ressourcen an Büro- und Archivraum. Wann die Justizbehörden gänzlich papierlos arbeiten, ist heute allerdings noch nicht absehbar.

Wie eine mögliche Feier zum 150-jährigen Bestehen das Amtsgerichts aussehen kann, warum das Betriebsklima dort gut ist und warum Juristen nicht aufs Land wollen, lesen Sie in einem Interview mit Dr. Alexander Wachter, das in unserer gedruckten Mittwochsausgabe erscheint. 

Außerdem stellen wir in den kommenden Tagen die einzelnen Abteilungen des Amtsgerichts in einer Serie in der Zeitung vor.

 

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