Kampf gegen die Prostitution: Werra-Meißner-Kreis will Sex-Arbeiterinnen helfen

Ein neues Hilfsprogramm für Prostituierte hat der Werra-Meißner-Kreis anlässlich des „Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ ins Leben gerufen.

Dazu hissten Vertreter Anfang der Woche eine Fahne, auf der „NEIN zu Gewalt an Frauen“ steht, vor dem Witzenhäuser Rathaus und verteilten Flyer, die den Prostituierten im Werra-Meißner-Kreis helfen sollen. Prostituierte gibt es im Werra-Meißner-Kreis offiziell noch in einem Bordell in Bad Sooden-Allendorf und in zwei Wohnungen in Witzenhausen: „Wir unterscheiden zwischen Prostituierten, die keine andere Wahl mehr haben, als ihren Körper zu verkaufen, und Sexarbeiterinnen, bei denen noch ein bisschen Freiwilligkeit dabei ist“, erklärt Thekla Rotermund-Capar, Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises. „Wir vermuten allerdings auch unangemeldete Prostitution“, sagt Katja Eggert, Gleichstellungsbeauftragte in Witzenhausen. Etwa 400 000 Prostituierte sollen es bundesweit sein, dabei verdienen sie laut der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ zehn bis 40 Euro pro Freier. Wobei die Frauen oft 120 bis 180 Euro pro Tag zahlen müssen, um sich Wohnwagen oder Bordellräume zu mieten. Dabei entsteht jährlich ein Umsatz von 14,6 Milliarden Euro. Nach Schätzungen kommen die meisten Prostituierten aus dem Ausland. Der Anteil prostituierter Männer ist gering. Laut Rotermund-Capar sind viele Sexarbeiterinnen aus Osteuropa. Deswegen sind die Informationen in den vorgestellten Flyern unter anderem auf Polnisch, Russisch und Rumänisch zu lesen. Außerdem gibt es sie auf Deutsch und Englisch. Die Flyer sollen in der Nähe der Prostituierten ausgelegt werden, an Tankstellen, in Ämtern und bei der Polizei. Die Arbeitsgruppe „Prostituiertenschutzgesetz“ entwickelte sie. Diese hat die Größe so gewählt, dass die Prostituierten einen Flyer im Portemonnaie bei sich tragen können. In den Flyern finden die Prostituierten Anlaufstellen, wie den Caritasverband Nordhessen und das Jobcenter Werra-Meißner, für den Fall, dass sie Hilfe brauchen oder einen Berufswechsel machen wollen.

Es soll sich etwas ändern, wenn es um Prostitution geht. Das hat sich die Arbeitsgruppe „Prostituiertenschutzgesetz“ aus dem Werra-Meißner-Kreis vorgenommen. Schweden ist ihr Vorbild.

Es geht um ein Sex-Kaufverbot: Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ will Freier unter Strafe stellen, Bordelle und Zuhälterei verbieten und Steuereinnahmen aus Prostitution abschaffen. Stattdessen fordert sie Ausstiegsprogramme, um Prostituierten einen Berufswechsel zu ermöglichen. Damit ist er das Vorbild der Arbeitsgruppe. Schweden hat es vorgemacht, Norwegen, Island, Kanada, Frankreich, Irland und Israel sind gefolgt und auch Deutschland soll bald nach dem „Nordischen Modell“ handeln. Zumindest, wenn es nach Thekla Rotermund-Capar, Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises, Katja Eggert, Gleichstellungsbeauftragte in Witzenhausen, und Zara Kanaani von der Servicestelle für Integration und freiwilliges Engagement in Witzenhausen geht. Daher haben sie am Montag eine Fahne mit der Aufschrift „NEIN zu Gewalt an Frauen“ vor dem Witzenhäuser Rathaus gehisst.

Dieses Jahr schließen sie sich damit der Kampagne „#Sexistunbezahlbar“ von „Terre des Femmes“ an. Seit 2016 gibt es bereits ein Verbot in Deutschland, Sex von Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, zu kaufen. Oft findet das aber trotzdem statt – und nicht nur diese Frauen sind betroffen.

„Die meisten Prostituierten sind wegen finanziellen Problemen oder Gewalt gezwungen, ihren Körper zu verkaufen“, erklärt Rotermund-Capar. Außerdem komme zurzeit ein Trend zu „Loverboys“ auf, also Männern, die Frauen von sich emotionall abhängig machen – zum Beispiel indem sie ihnen die „Große Liebe“ vorgaukeln – um sie dann dazu zu bringen, sich zu prostituieren.

Geraten Frauen in die Prostitution, sind sie oft Gewalt ausgesetzt. Laut „Terre des Femmes“ haben 78 Prozent der Frauen Angst vor Gewalt durch Freier. 95 Prozent sind bereits sexuell belästigt worden und 60 bis 75 Prozent vergewaltigt. „Terre des Femmes“ fordert daher, dass sofort Orte, an denen Prostitution stattfindet, von Behörden geprüft werden. Dazu will die Frauenrechtsorganisation Standards für die Arbeitsbedingungen und die Sicherheit der Prostituierten. Freier sollen demnach bestraft werden, wenn sie Zwangsprostitution nutzen, obwohl sie wissen, dass die Frauen dazu gezwungen werden.

Außerdem fordert „Terre des Femmes“ Aufklärungsarbeit, mit der den Freiern bewusst werden soll, was Prostitution für die Frauen bedeutet.

Von Fabian Becker

Rubriklistenbild: © dpa

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