Ausstellung in Eschwege

Karikaturist schreckt auch vor Venedig und Darth Vader nicht zurück

Es darf gelacht werden: Ingrid Wiskow und Ellen Bourgouin (von links) aus Eschwege diskutieren munter über die Pointen

Zum 6. Mal ist die „Caricatura“ aus Kassel beim Kunstverein Eschwege zu Gast. Im Hochzeitshaus stellt der Karikaturist  Holtschulte Bilder zum Thema „Amoklauf in der Waldorfschule“ aus.

Bei den meisten Vernissagen ist es doch so: Fachkundige Kunstliebhaber stehen mit dem gebotenen Ernst vor Bildern und analysieren Farbgebung und Pinselstrich. Bei dieser Ausstellungseröffnung im Hochzeitshaus in Eschwege war es anders. Die Besucher standen vor Bildern und freuten sich. Manche lachten sogar laut los. Zum 6. Mal ist die „Caricatura“ aus Kassel beim Kunstverein Eschwege zu Gast. Im Lichthof des Hochzeitshauses stellt der Karikaturist Michael Holtschulte seine Zeichnungen unter dem Titel „Amoklauf in der Waldorfschule“ aus.

Auf dem Titelbild ist eine kleine Rotznase zu sehen, die in blinder Zerstörungswut alle Blumen in den Kästen einen Kopf kürzermacht. Neben allgemeinen Kommentaren zur Gesellschaft, widmen sich die Zeichnungen vor allem drei Themenfeldern, die er aufs Korn nimmt: Veganismus, dem Tod und Star Wars. Deshalb tragen recht viele seiner Protagonisten dunkle Kapuzenmäntel. Und man muss sich ein bisschen auskennen. Wer nicht weiß, dass ein gewisser Sith Lord, der von der dunklen Seite der Macht verführt wurde, einen TIE-Fighter fliegt, wird sich bei der Bildbetrachtung fragen, was so witzig daran sein soll, dass ein seltsam geformtes Raumschiff mit einer Kugel in der Mitte vor einem Darkroom geparkt ist. Humor entsteht, wenn Erwartungen überraschend gebrochen werden. So hat der Zeichner die Star-Wars-Figuren den Tücken des Alltags ausgesetzt, um sie zu entlarven. Selbst Darth Vader, mit all seiner Macht ausgestattet, scheitert an Siri auf seinem Smartphone. Die Sprach-App antwortet ihm: „Tut mir leid, KRCHRRR verstehe ich nicht.“

Bei der Vernissage ergaben sich auf diese Weise muntere Gespräche zwischen den Kundigen und Unkundigen. Der Zeichner beherrscht die Aufgabe des Narren, mit gekonntem Filzstiftstrich hält er dem Publikum den Spiegel vor. Auch Moses ist bei ihm mit einem Smartphone ausgestattet und teilt das Meer … mit all seinen Followern auf Facebook. Ja, so ergeht es uns in der schönen neuen Welt der Technik, denkt man. Die Magie ist dahin, die großen Geschichten werden ganz klein, wenn man sie nur durch einen winzigen Bildschirm betrachtet, den man in der Hand hält.

„Mit der Caricatura möchten wir die Künstler unterstützen und bekannt machen“, sagt Martin Sonntag, Leiter der Ausstellung in Kassel. „Deshalb freuen wir uns, dass wir wieder in Eschwege zu Gast sein dürfen. Während die Künstler in ihren Ateliers arbeiten, bringen wir ihre Werke zu den Menschen im Land.“

Tod in Venedig: Der Zeichner Michel Holtschulte (rechts) und sein Laudator Oliver Uschmann.

Zur Eröffnung begrüßte Angelika Knapp-Lohkemper, Vorsitzende des Kunstvereins, Michael Holtschulte jedoch selbst, der aus Herten im Ruhrgebiet in die Dietemannstadt gefunden hatte. Sein Laudator, Oliver Uschmann, verriet das Geheimnis des Erfolges: „Wenn man nachts durch Herten geht um 3.23 Uhr, sind alle Fenster dunkel, nur bei Holtschulte brennt noch Licht. Er ist ein Macher der Kunst, er arbeitet andauernd.“ Die Früchte des nächtlichen Schaffens können noch bis zum 17. April im Hochzeitshaus betrachtet werden.

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