Aufgewachsen in Eschwege 

Ein Pionier der Comic-Szene: Karikaturist Peter Wiechmann ist tot

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Thomas der Trommler: Diese Comicserie, die Peter Wiechmann bereits in seinem Münchener Studio entwickelte und zeichnete, handelt vom 30-jährigen Krieg im Werratal, wo Wiechmann aufwuchs. 

Peter Wiechmann gilt als Pionier der deutschen Comicszene – jetzt ist der Mann, der Lucky Luke und Asterix nach Deutschland geholt hat, im Alter von 80 Jahren gestorben.

Die Zeit, in der Peter Wiechmann geboren wurde, ist nicht weniger bewegt gewesen, als die jetzige – nur anders. Peter Wiechmann gilt als Pionier der deutschen Comicszene – jetzt ist der Mann, der Lucky Luke und Asterix nach Deutschland geholt hat, im Alter von 80 Jahren gestorben. 1939 im schlesischen Bunzlau geboren, kam er 1945 nach der Flucht mit seiner Familie nach Eschwege, seine Mutter war hier geboren.

Lehrer fördert Talente 

Peter WiechmannComiczeichner

Wiechmann, Karikaturist, Zeichner und Buchautor, beschreibt Wegkreuzungen seines Lebens als „formende Zufälle“. Als Kind stürzt er sich in zerlesene Abenteuerbücher, weil seine Eltern zu sehr mit den Folgen der Flucht und dem Kampf um das tägliche Brot beschäftigt waren. Er hat das Glück, auf einen Lehrer zu treffen, der seine Talente erkennt und fördert. Er ist mit Leib und Seele Pfadfinder. Bei er Firma Rossbach in Eschwege macht er eine Ausbildung zum Schriftsetzer.

Bevor Wiechmann Comiczeichner wurde, war er zunächst Reporter einer Soldatenzeitung und Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen. Dann begegnete er dem Karikaturisten Rolf Kauka (Fix und Foxi), unter dessen Leitung er als Redaktions- und Produktionsleiter eigene Comicmagazin-Formate wie „Primo“ entwickelte und Comicserien wie „Dietrich von Bern“. 

Das sei, sagte Wiechmann, zu einer zeit gewesen, als Bildgeschichten von verkkrachten Existenzen, Taxifahrern oder Geologiestudenten mit abgebrochenem Studium produziert wurden. „Menschen, denen die Idee, sie könnten Künstler sein, ferner nicht hätte sein können.“ Nach einer kurzen Zeit bei der Comiczeitschrift „Zack“ machte sich Wiechmann 1978 selbstständig und entwickelte in seinem Münchner Studio weitere Comicserien wie „Thomas der Trommler“, dessen Titelheld während des 30-jährigen Krieges im Werratal lebte. Zu Beginn der 1980er-Jahre verlegte er sein Studio und seinen Lebensmittelpunkt mit seiner Familie nach Barcelona, wo er 23 Jahre bleibt.

Rückkehr nach Deutschland 

2004 kehrt Wiechmann nach Deutschland zurück und schreibt Bücher, darunter die Geschichte seiner Jugend mit dem Titel „Feuer und Flamme“, die 2005 erscheint. Bemerkenswert vor allem, weil das Buch eine Fülle von Geschichten aus dem Nachkriegs-Esschwege enthält. 2013 gibt er mit „Vagabundo en Camino“ ein Buch über seine Reise durch das wilde Spanien heraus.

Bis zu seinem Tod hat Wiechmann Kontakte nach Eschwege gehalten und hier auch regelmäßig Lesungen veranstaltet. Als er als Rentner zurück nach Deutschland kommt, sagt er: „Ich fülle immer noch Sprechblasen – kein Zufall.“

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