Kathrin träumt von einer Ausbildung: 20-Jährige wegen Behinderung mehrfach abgelehnt

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Eschwege. Kathrin Müller (Name von der Redaktion geändert) ist 20 Jahre, hat vor drei Jahren den Realschulabschluss abgelegt und sucht seither einen Ausbildungsplatz. Doch wegen ihrer Behinderung wurde sie bislang überall abgelehnt.

Etwa 100 Bewerbungen hat die junge Frau seither geschrieben. Auf die wenigsten hat sie überhaupt eine Antwort bekommen. Einladungen zu Vorstellungsgesprächen kamen noch weniger. Kathrin Müller ist behindert. Sie leidet am Asperger-Syndrom und geht offen damit um, auch in ihren Bewerbungen. „Ich fühle mich selbst nicht behindert, bin aber realistisch und weiß um meine Einschränkungen“, sagt die 20-Jährige.

Enttäuscht ist sie trotzdem. Überall werde ständig von Inklusion geredet, wenn es um die praktische Umsetzung gehe, sei aber schnell Schluss mit den guten Vorsätzen. Einschränkungen hat Kathrin Müller vor allem im feinmotorischen Bereich. Und nach anhaltender Anstrengung lässt ihre Konzentration nach. „Vier bis fünf Stunden kann ich mich aber schon konzentrieren und ganz normal arbeiten“, sagt sie. Ihre Stärken sieht die junge Frau auf dem sprachlichem Gebiet. Am PC arbeiten, schreiben, lesen, Geografie, aber auch mit Menschen und Tieren könne sie etwas anfangen. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt sie.

Sie ist Neuem gegenüber offen. Das gilt auch für den zukünftigen Ausbildungsberuf. „Ich kann mir ganz viele Beschäftigungen vorstellen“, so Müller. Auf einen Traumberuf festgelegt ist sie nicht. „Mein Traum ist, überhaupt eine Ausbildung zu machen und später einen Beruf zu haben“, sagt sie. Momentan ist sie in einer Einrichtung für seelisch Behinderte beschäftigt und mit dem, was sie dort tut, maßlos unterfordert. Kathrin fragt: „Warum habe ich den Realschulabschluss gemacht, wenn ich jetzt den ganzen Tag Gebrauchsanweisungen falten muss?"

Von Harald Sagawe

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