FRAGEN UND ANTWORTEN Ausstattung von Klassenräumen mit Reinigungsfiltern

Keine Empfehlung für Luftfilter in den Klassenräumen im Werra-Meißner-Kreis

Das Foto zeigt einen Klassenraum mit leeren Tischen und Stühlen.
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Symbolfoto Schulbeginn

Der Kreisausschuss hat im Schulausschuss des Werra-Meißner-Kreises keine Empfehlung für die flächendeckende Ausstattung aller Schulen mit Luftreinigungsgeräten gegeben.

Eschwege – Gesundheitsdezernent Dr. Rainer Wallmann berichtete auf Wunsch des Kreistags den Ausschussmitgliedern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen seiner Einschätzung.

Was hatte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung gefordert?

Der Kreistag hatte den Kreisausschuss beauftragt, zu prüfen, ob und in welchem Umfang für die Klassenräume der Schulen im Werra-Meißner-Kreis Raumluftfilter als Präventionsmaßnahme gegen das Covid-19-Virus beschafft werden sollten.

Dr. Rainer Walmann

Zu welchem Ergebnis ist der Kreisausschuss gekommen?

Luftfilteranlagen können als Ergänzung dienen. Lüften sei momentan aber durch nichts zu ersetzen, sagte Wallmann als Fazit. Dazu käme die AHA-Regel (Abstand halten, Hygienemaßnahmen, Alltagsmaske). Luftfilter seien unter Volllast mit rund 60 Dezibel in Unterrichtsräumen zu laut. Erlaubt seien hier laut Wallmann zwischen 35 und 40 Dezibel. Dazu könnten die Geräte nach Wallmanns Ansicht bei unsachgemäßer Handhabung negative Folgen haben.

Auf welche Quellen beruft sich der Bericht des Kreisausschusses?

Wallmann stand nach eigenen Angaben in enger Abstimmung mit dem Land Hessen und dem hessischen Landkreistag. Außerdem bezog er sich auf eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Am Dienstag hatten sich Wallmann und mehrere Bürgermeister mit der Eschweger Firma Dolge getroffen, die Luftfilteranlagen verschiedener Größe deutschlandweit vertreibt (Artikel unten).

Was hat der Kreis bislang für die Verbesserung der Raumluft in den Klassenräumen getan?

Zunächst gab es eine Bestandsaufnahme. Von 1245 Klassenräumen kann man in 1241 Räumen ausreichend lüften. Empfohlen wird Stoß- und Querlüften für etwa drei bis fünf Minuten im 20 Minuten-Rhythmus. Für die vier Klassenzimmer ohne ausreichende Lüftung wurden Luftreinigungsgeräte angeschafft. Für die Schulen im Kreis wurden für 7000 Euro 40 sogenannte CO2-Ampeln angeschafft, die von Klassenraum zu Klassenraum wandern. Sie zeigen an, wann der Kohlendioxidgehalt in der Luft zu hoch ist. Außerdem wurden den Schulen Apps zur Verfügung gestellt, mit denen man das rechtzeitige Lüften bestimmen kann.

Wie hoch sind die Kosten für die Anschaffung der Luftreiniger?

Ein Gerät kostet nach Angaben Wallmanns rund 1400 Euro. Teilweise müssten bis zu vier Filtergeräte pro Klassenraum aufgestellt werden. Bei der Anschaffung von 2500 bis 5000 Geräten würden dem Kreis Kosten von 3,5 bis sieben Millionen Euro entstehen. Die Stromkosten belaufen sich nach Angaben Wallmanns auf 50- bis 100 000 Euro pro Jahr. Von Bund uns Land gibt es Förderprogramme. Die Höhe der Unterstützung stehe indes noch nicht fest.

Wie kam der Vortrag von Wallmann an?

CDU, FDP, SPD und Linke bedankten sich bei Wallmann für die vom Kreisausschuss gebrachten Ausführungen. Die FWG war mit der Antwort nicht einverstanden. „Der Vortrag von Dr. Wallmann hat nur dazu gedient, seine eigene Position nochmals zu stützen“, sagte der Sprecher der Fraktion, Dr. Claus Wenzel, und spielte damit auf die vorangegangene Kreistagssitzung am 13. November an. Und weiter: „Der Kreisausschuss will Schüler nicht zusätzlich schützen.“ Dem widersprachen sowohl Wallmann als auch Landrat Stefan Reuß.

Dr. Claus Wenzel

Wie war die Reaktion des Schulausschusses auf die Empfehlung ?

Überwiegend positiv. Wilhelm Gebhard sprach von einer gewaltigen Investition, die auf den Kreis zukommen wird. „Und es besteht die Gefahr, dass die Geräte nächstes Jahr schon nicht mehr gebraucht werden und herumstehen.“ Ilona Rohde-Erfurt schätzt die Luftfilter als Ergänzung ein, „die den Schülern keinen größeren Schutz als vorher böte. „Das Geld wäre nicht sinnvoll angelegt.“ Geld könne zwar nicht das Argument sein, wenn es um die Gesundheit der Schüler ginge, für Erhard Niklass (FDP) dienten sie nur dazu, das Gewissen zu beruhigen. Andreas Heine (Die Linke) sagte: „Das Geld sollte man besser in die Ausstattung der Schulen investieren, um Hybrid-Unterricht zu gewährleisten.“ Umluftanlagen sollte man auf dem Plan haben.

Was sagt der Kreiselternbeirat zu der Diskussion?

Wegen Krankheit war kein Vertreter persönlich anwesend, wie der Vorsitzende des Schulausschusses, Ludger Arnold, berichtete. Aus seinen Gesprächen mit den Elternvertretern berichtete Schuldezernent Stefan Reuß. Sie hätten gegen einen flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern in den Klassenräumen plädiert. (Tobias Stück)

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