Lange Bärte gefährden Sicherheit bei  Feuerwehreinsätzen

In Aktion: Das Bild stammt von einer Atemschutzgeräteträgerprüfung in Eschwege. Foto: Selina Kaiser

Eschwege. Feuerwehrleute mit Hipsterbärten? Ist brandgefährlich, zumindest für die Atemschutzgeräteträger. Hersfeld-Rotenburgs Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar hat nun an die Kameraden im Nachbarkreis appelliert, nicht mit langer Gesichtsbehaarung in den Einsatz zu gehen. Grund: Die Maske schließt dann nicht richtig.

Atmet ein Brandschützer die giftigen Gase in einem verqualmten Haus ein, besteht sogar Lebensgefahr. Das bestätigt ihr hiesiger Amtskollege Christian Sasse. „Aber die Feuerwehren wissen das und halten sich daran“, sagt er.

Schon in der Ausbildung würden sie dies beigebracht bekommen. „Der Dichtring muss direkt auf der Haut aufliegen, damit der Träger keine Schadstoffe einatmet“, erklärt Sasse. Hat man einen langen oder dichten Bart an Schläfe, Kinn und Hals, funktioniert das nicht. „Theoretisch würde ein schmal in den Bart rasierter Streifen ausreichen, in den das Gummi genau reinpasst“, sagt Sasse. Über die Ästhetik dieser Gesichtsbehaarung lässt sich jedoch sicherlich streiten. Hier im Kreis besteht die Problematik ohnehin nicht. „Die Atemschutzgeräteträger sind selbst dafür verantwortlich, körperlich fit und zu dem jeweiligen Zeitpunkt zum Einsatz in der Lage zu sein. Sie sind gewissenhaft“, so der Kreisbrandinspektor.

Ein Schnurrbart sei hingegen kein Problem. Auch treffe die Gefahr nur bei der Kombination von Gesichtsbehaarung mit Atemschutzgeräten zu. „Wer zum Beispiel Maschinist ist, kann ja theoretisch einen langen Bart haben“, sagt Christian Sasse.

Jahrelang kein Problem

Die trendigen langen Hipsterbärte mit Vorreitern wie Schauspieler Leonardo DiCaprio sind im Landkreis Hersfeld-Rotenburg offenbar ein akuteres Problem. Jahrelang sei das Bartthema „keine große Sache“ gewesen, sagt die dortige Feuerwehr-Chefin Tanja Dittmar. Seit aber Vollbärte wieder modern seien, gäbe es Probleme bei Übungen und Einsätzen bis hin zu Personalausfällen. Daher hat sie bei der Jahreshauptversammlung von den ausgebildeten Atemschutzgeräteträgern gefordert, das „selbstgewählte Ehrenamt höher anzusetzen als ihr Erscheinungsbild als modischer Hipster“.

Ihr Ruf „Richtige Männer brauchen keinen Bart“ sei dabei überwiegend mit Humor genommen worden, habe aber durchaus Erfolg gehabt: „Auch in anderen Feuerwehren des Landkreises. Ich denke, bei den nächsten Atemschutzübungen werden wir keinen finden, den wir nach Hause schicken oder dem wir eine Notrasur verordnen müssen“, betont Dittmar gegenüber der Hessenschau. Und das sei auch wichtig. Denn: „Es hat schon Todesfälle wegen undichter Masken bei Bartträgern gegeben. Darum habe ich alle aufgerufen, sich wieder einsatzbereit zu machen. Einen Grund, der das verhindert, kann man leicht beseitigen: einen Bart.“

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