Kreis kann vermehrte Gewalt gegen Kinder während der Coronakrise nicht bestätigen

Vielerorts ist die Rede davon, dass Gewalt gegen Kinder durch die Coronakrise zunimmt. Die Frage, ob auch hier ein solcher Zusammenhang besteht, kann der Kreis noch nicht bestätigen.

Geschlossene Schulen und Kindertagesstätten, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, mehr gemeinsame Zeit mit den Eltern: Vielerorts ist die Rede davon, dass die Gewalt gegen Kinder in der Familie durch die Coronakrise zunehmen könne. Die Frage, ob auch im Werra-Meißner-Kreis ein solcher Zusammenhang besteht, kann Kreissprecher Jörg Klinge noch nicht bestätigen. Schulen und Kitas hätten in den vergangenen Wochen als wichtiger Ansprechpartner gefehlt.

In der Zeit vom 16. März bis zum 16. April seien insgesamt 32 Meldungen von Kindeswohlgefährdungen eingegangen. Die weitere Auszählung und damit ein Vergleich zum vergangenen Jahr werde aber erst Ende 2020 erfolgen. „Wir gehen allerdings bereits jetzt von einem weiteren Anstieg der Meldungen aus“, sagt Klinge. Als Ursache dafür zum aktuellen Zeitpunkt die Corona-Krise auszumachen, ist schwierig. „Die statistische Auswertung zu den Ursachen von Kindeswohlgefährdungen erfolgt nur einmal jährlich durch das Hessische Statistische Landesamt“, sagt Klinge. Eine interne Auswertung dazu werde beim Jugendamt des Werra-Meißner-Kreises nicht ausgeführt.

Seit dem 16. März kam es laut dem Landkreissprecher zu insgesamt fünf Inobhutnahmen durch das Jugendamt, was im Vergleich zum Vorjahr eine Reduzierung der Fallzahlen darstellt. Damals wurden vom 1. März bis zum 18. Mai zwölf junge Menschen zum Schutz von ihren Familien getrennt.

Generell sei das Jugendamt auf Hilfe durch Schulen und Kindertagesstätten angewiesen, die während der Krise lange Zeit geschlossen waren und zu einem Teil noch immer sind. „Beteiligte Institutionen haben bei dem täglichen Kontakt mit zu den betreuenden jungen Menschen einen neutralen Blick auf deren Bedürfnisse und Befindlichkeiten, aber auch auf den Allgemeinzustand des Kindes oder Jugendlichen“, sagt Klinge.

Die Einschätzungen der Fachkräfte der Schulen und Kindertageseinrichtungen würden in die Gefährdungseinschätzung des Jugendamtes einfließen. Insbesondere diese Beobachtungen, Einschätzungen und die daraus resultierenden Hinweise stünden aktuell wegen der Corona-Krise aber nur begrenzt zur Verfügung.

Jörg Klinge weist daraufhin, dass die Erreichbarkeit des Jugendamtes und der Hilfsangebote trotz der Corona-Krise weiter gewährleistet sind. Der Allgemeine Soziale Dienst könne unverändert kontaktiert werden. 

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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