Immer unter der Gürtellinie: Keiner entkommt Kay Ray im E-Werk in Eschwege

Auch Milva blieb nicht verschont: Der Hamburger Bitter-Böse-Kabarettist Kay Ray schont weder Schlageridole noch Randgruppen und bleibt dabei immer unter der Gürtellinie. Foto: SONJA BERG

Spontan, aufgedreht und obszön zündete Kay Ray seine Gags am Freitagabend wie ein Feuerwerk im ausverkauften E-Werk. Auf der Bühne muss man Spaß haben, stellte er gleich zu Beginn klar.

Der Künstler lieferte genau das, was das Publikum von ihm erwartete: Knallharte Sprüche, immer unter der Gürtellinie. „Hier in diesem Raum hab ich schon so viel getan, Sie haben mich schon so oft nackt auf dieser Bühne gesehen, aber sie kommen immer wieder“, eröffnete der Hamburger Kabarettist den Abend. „Dem ein oder anderen bleibt heute das Lachen im Hals stecken, aber besser als eine Lesbe äh Wespe, ich habe ein Problem mit Insekten, die sind nie in Kirchen, nur in Sekten“.

Kay Ray forderte vom Publikum: „Lachen Sie mal wieder aus vollem Herzen. Ich nehme mir die Freiheit, über alles zu reden und alles zu lachen.“

Dieser Aufforderung folgten die Eschweger und extra Angereisten. „Es gibt nur Menschen und Arschlöcher, ich mache über alle Witze. Ich parke auch immer auf Behindertenparkplätzen. Wenn mich die Politesse fragt, wieso, sag ich, ich habe Tourette, du Fotze, man muss auch Witze über Behinderte machen, sonst fühlen die sich ausgegrenzt.“

Aber auch kritisch betrachtete er in seinem Programm die Welt: „Wir leben in einem Land, in dem Jan Böhmermann in den Knast kommt, Helene Fischer zig Preise bekommt und Greta Thunberg mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wird, wo die ja schon so viele Filme gedreht hat.“

Auch das Publikum bekam ordentlich sein Fett weg. So klaute er den Gästen in der ersten Reihe ihre Weizenbiere, und als diese aufstanden, um sich ein neues zu holen, klaute er den beiden Herren gleich noch die Jacken.

Mit den zwei Jacken der Gäste bekleidet sang er dann Ed Sheerans „Lego House“ und durchwühlte die Taschen. „Eine von den beiden Jacken müffelt aber ganz schön, deinen Autoschlüssel findest du unter der Bühne wieder.“

Auch Nadine und Romina, die während der Show den Saal verließen, rief er lautstark hinterher. „Jetzt traut sich keiner mehr aufs Klo und die Show hat sich spontan um 45 Minuten verlängert.“

„In Berlin habe ich mal Witze über den Weihnachtsmarkt gemacht, das kam gar nicht gut an, ich hab gesagt, dann fahr ich das nächste Mal nach Straßburg und bestell mir dort einen Glühwein mit Schuss.“

„Wenn man heute etwas falsch macht, ist man sofort Nazi. Sie da drüben bleiben besser sitzen, sonst heißt es danach in der Zeitung, ich hätte Standing Ovation von Rechts bekommen.“

Im Zugabenblock kam dann doch noch das, auf das die Gäste, die Kay Ray schon öfters gesehen haben, warteten. Er zeigte Figuren, die er mit seinem Penis formen kann – an diesem Abend allerdings nur auf Fotos auf der Leinwand und nicht live auf der Bühne, wie bei früheren Auftritten im E-Werk. Kay Ray ist ruhiger geworden, polarisiert aber wie eh und je und bescherte den Gästen in Eschwege einen Abend zum Lachen aus vollem Herzen.

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