Finanzamt nicht mehr zuständig – Kaum Hilfe für Ratsuchende

Kfz-Steuer: Zoll vom Ansturm überrollt

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Eschwege / Witzenhausen. Viele Autofahrer im Werra-Meißner-Kreis sind derzeit verunsichert: Zahlten sie ihre Kraftfahrzeugsteuer bislang problemlos per Bankeinzug oder Überweisung ans Finanzamt, ist nun der Zoll zuständig. Doch der wird von der gigantischen Umstellung im Behördenapparat förmlich überrollt.

Ratsuchende versuchen seit Wochen vergeblich, sich bei der extra eingerichteten Hotline telefonisch zu informieren.

Im Werra-Meißner-Kreis sind 87 500 Fahrzeuge zugelassen. Bundesweit müssen Daten für 58 Millionen Fahrzeuge von einer Behörde zur anderen überspielt werden, denn ab 1. Juli ist der Zoll für die Festsetzung, Erhebung und Vollstreckung der Kfz-Steuer verantwortlich. Bereits im Juli 2009 war die Zuständigkeit für die Steuer von den Ländern auf den Bund übertragen worden.

Autofahrer, die bisher ihre Kfz-Steuer per Überweisung zahlten, wurden vom Finanzamt jedes Jahr dazu aufgefordert. Der Zoll tut dies nicht mehr - aus Kostengründen. Als erster Brief kommt nun eine Mahnung samt Säumniszuschlag ins Haus.

Zahlreiche Bürger, die sich beim Zoll über die Neuerungen informieren wollen, werden offenbar mit ihren Fragen alleingelassen. Leser dieser Zeitung berichten davon, dass sie über viele Wochen versucht haben, jemanden beim zuständigen Hauptzollamt in Gießen oder bei der extra eingerichteten Hotline im Wissenschaftszentrum Dresden zu erreichen. Ohne Erfolg. Auch bei der Außenstelle der Zollbehörde am Hasselweg 20 in Kassel gebe es kein Durchkommen, sagen verärgerte Steuerzahler.

„Wir hatten in den ersten Wochen 300 000 Anrufe“, so Torsten Pfeifer, Sachgebietsleiter in Gießen. Auch die Außenstelle mit zehn Beschäftigten in Kassel sei überlastet. Diese sei aber letztlich nur für die Sachbearbeitung zuständig und nicht für allgemeine Fragen. Pfeifer gibt unumwunden zu: „Wir sind dem Ansturm teilweise nicht gewachsen.“

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