Eine ganz besondere Kirche

Die Kirche im Dorf lassen: In Niederdünzebach arbeitete ein Künstler mit Glas und Stein

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Durchblick: Vom Eingang bis zur Glastür vor dem Chorraum blickt der Besucher der Kirche im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach. Der in Hessen einzigartige Holzturm verbindet Kirchenschiff und Chorraum. 

Niederdünzebach - In der Kirche in Niederdünzebach hat ein Künstler mit Glas und Stein gebaut. 

 „Stefan Pietryga hat hier etwas Wunderbares angerichtet“, sagt Pfarrer Gernot Hübner. Der Künstler aus Potsdam hat vor zehn Jahren bei der Gestaltung des Innenraums der Kirche im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach eine Kombination von Stein und farbigem Glas verwendet. Er nutzt den Lichteinfall und Lichtbrechungen zu unterschiedlichen Tageszeiten und „malt“ immer wieder neue Bilder in den Raum.

Die Fenster im Chorraum, Schrift in der Glastür, die Kanzel in Stein und Glas sowie ein Glaskunstwerk über dem Taufstein wurden von Pietryga gestaltet.

Die Kirche ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Im Chorraum finden Besucher Stille. Für die Bestuhlung in Erinnerung an die Abschiedsrede Jesu an seiner Jünger waren ganz besondere Sitzmöbel vorgesehen. Die waren Pfarrer Hübner zu teuer. Er entschied sich für eine preiswertere Variante, kaufte dreizehn einfache Hocker bei einem großen Möbelhaus und strich sie gemeinsam mit seinen Konfirmanden an. Mit der besonderen Art des Lichteinfalls finden Besucher des Chorraumes jetzt die gewollte besondere Atmosphäre.

Lichtdurchflutet: Pfarrer Gernot Hübner erklärt den besonderen Lichteinfall, den Künstler Stefan Pietryga für seine Kunst aus Stein und Glas nutzte.

Der Chorraum, bis dahin eine Rumpelkammer, wurde erst mit der Innenrenovierung der Kirche zur heutigen Nutzung umgestaltet. Dabei geht das Gotteshaus aus diesem Gebäudeteil hervor. Die einstige Kapelle ist aus dem Jahr 1516. Sie entstand auf dem Friedhof, der erst viel später – 1846 – verlegt wurde. Einzigartig in ganz Hessen ist der Holzturm, der die beiden Gebäudeteile – den Chorraum und das Kirchenschiff – verbindet.

Der Kapelle drohte 1949 der Abriss. Weil ihr der Einsturz drohte, beschloss der Kirchenvorstand das kontrollierte Ende dieses Kirchenteils. „Von oben“, wie es in der Chronik heißt, sei dieses Vorgehen „nicht gutgeheißen“ worden. Sie wurde „zusammengeflickt“. Weitere Renovierungen von innen und von außen folgten Mitte der 1950er-Jahre, 1960, 1983 und im zurückliegenden Jahrzehnt gleich mehrfach.

Radfahrer machen halt am Gotteshaus

Lichtdurchflutet: der Innenraum.

Sobald die Saison in einigen Tagen beginnt, ist die Kirche im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach regelmäßig Anlaufstelle für Radfahrer und Wanderer. Zwischen April und Oktober ist das Gotteshaus zwischen 8 und 18 Uhr verlässlich für Besucher geöffnet und ein beliebter Ort für einen Zwischenstopp am Radweg. Die Kirche ist in der Mitte des kleinen Dorfes gelegen, umgeben von einer Grünfläche, die einst der Friedhof Niederdünzebachs war. 

Sie bietet den Besuchern vielfach Anlass zur Besichtigung. Gleich ins Auge fällt dem Betrachter der markante Holzturm, der die beiden Teile des Gotteshauses miteinander verbindet. Beim Betreten beeindruckt das wechselnde Lichtspiel, das durch die Arbeiten des Künstlers Stefan Pietryga betont wird.

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