BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER Kirchenkreis Eschwege besucht Christen in Indien

Kirchenkreis unterstützt Partnergemeinde in Indien bei Kirchenbau und anderen Projekten

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Hilfe für die Partnergemeinde: Präses Ludger Arnold (Mitte) besichtigt bei der jüngsten Indienreise den Kirchenbau in Ravihal , den der Kirchenkreis Eschwege mit 5000 Euro unterstützt hat.

Eschwege - Seit 35 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Eschwege und einer Gemeinde in Bellary. Jetzt war eine Delegation aus Deutschland zu Gast in Südindien.

Wenn ein deutscher Pfarrer aus Waldkappel mit einem ungarischen Bischof und dem indischen Dorfpfarrer in einer südindischen Dorfkirche eine Andacht hält und zusammen musiziert, darf man sicherlich von einer besonderen ökumenischen Begegnung sprechen. Pfarrer Rolf Hocke strahlt noch immer, wenn er an dieses Erlebnis während der jüngsten Reise nach Indien denkt.

Bevor die „Seniorendelegation“ mit Pfarrer Rolf Hocke, Präses Ludger Arnold und Karl Ulrich Körtel als Gast nach Bellary fuhr, besuchte sie den Bischof der Partnerdiözese der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Nord-Karnataka Ravi Niranjan und dessen Frau Hanna Niranjan in Dharward. Da die beiden von 1993 bis 2000 in Waldkappel als ökumenische Mitarbeiter tätig waren und die Strukturen der Evangelischen Kirche von Kurhessen - Waldeck kennenlernten, konnten die Fragen zur gegenwärtigen Lage der Christen in diesem Bundesstaat, aber auch die möglichen und nötigen Projekte innerhalb der Partnerschaft in Deutsch erörtert werden.

Treffen mit Ungarn in Indien

Der ungarische Bischof Dr. Károly Fekete am Harmonium in der Dorfkirche von Mustigeri.

Christen im Bundesstaat Karnataka seien wenig Anfeindungen ausgesetzt, erläuterte der indische Bischof. Bei Baumaßnahmen erhielten sie sogar Unterstützung. Eine Überraschung gab es bei der ersten Mahlzeit im Gästehaus des Bischofs, denn es war noch eine weitere Delegation anwesend. Unter der Leitung des Bischofs Dr. Károly Fekete war eine vierköpfige Delegation der Ungarischen Reformierten Kirche zu Besuch.

Da beide Gruppen zwei Tage lang ein gemeinsames Besuchsprogramm absolvierten, ergaben sich intensive Gespräche und gemeinsame Erfahrungen. Da die Ungarische Kirche nach einem Synodenbeschluss sich in einem Beratungs- und Erkundungsprozess befindet, ob und wie eine mögliche Partnerschaft mit der indischen Diözese gestaltet werden kann, waren die deutschen Erfahrungen von großem Interesse. „Zu unserer Überraschung sprachen alle Mitglieder der ungarischen Delegation zumindest etwas Deutsch, und so ergab sich ein überraschend vertrauensvolles und intensives „Radebrechen“ in Deutsch und Englisch, bei dem jeder bemüht war, den anderen richtig zu verstehen“, berichtet Ludger Arnold.

Besuch von Krankenhaus und Schulheim

Gemeinsam besuchten beide Gruppen ein von der südindischen Kirche getragenes Krankenhaus in einer ländlichen Region, das vor allem die ärztliche Versorgung für die ärmere Bevölkerung sicherstellt. Dort beeindruckte die Besucher der enorme Einsatz des ärztlichen Leiters und seiner Mitarbeiter. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch in einem Heim für Jungen und Mädchen, die dort wohnen und nur in den Ferien zu ihren Familien fahren, da sie nur so die Möglichkeit haben, eine gute Schulausbildung zu genießen. Da es sich auch um Halb- oder Vollwaisen handelt, leben sie dort bis zu ihrer Selbstständigkeit. Gerade diese Heime sind auf Unterstützung angewiesen.

Besuch im Heim für eine gute Schulbildung: Ein kleiner Junge schneidet seine Geburtstagstorte gemeinsam mit Bischof Ravi Niranjan und der Heimleiterin an.

Und dann war da noch der Besuch in Mustigeri, bei dem Pfarrer Rolf Hocke wieder Aufnahmen von Kirchenliedern machte, beide Delegationen mit der Dorfgemeinde eine Andacht feierten und er gemeinsam mit dem ungarischen Bischof, der selbst Organist ist, auch musizierte. „Das war eine wichtige Erfahrung, dass wir in der Lage waren, uns sehr intensiv inhaltlich auszutauschen und über drei unterschiedliche Kulturen hinweg gemeinsam Gottesdienst zu feiern“, sagt Arnold.  

Partnerschaft seit 1983

Die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Eschwege und dem Kirchenbezirk Bellary in der Diözese Nord - Karnataka der Ev. Kirche von Südindien ( CSI ) wurde 1983 beschlossen. „In all den Jahren gab es von unserer Seite immer ein großes Interesse an den Lebensumständen der Menschen in der Mitte von Südindien und speziell an denen der Christen dort – aber genauso an deren Kultur, Meinungen und Glaubenserfahrungen“, sagt Pfarrer Rolf Hocke, der diese Partnerschaft von Anfang an begleitet und seit 1992 als Beauftragter des Kirchenkreises für sie verantwortlich ist. Beim Blick auf den Lebensstandard, die Infrastruktur –etwa die Versorgung mit Trinkwasser und die hygienischen Bedingungen – die Bildungsmöglichkeiten und vieles mehr, stellte sich immer auch die Frage, wie man die Menschen vor Ort sinnvoll unterstützen kann. 

Zweiradmechaniker

Seit 1995 fördert der Kirchenkreis ein Projekt, in dem junge Männer aus den Dörfern um Bellary eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker erhielten. Während des Trainingsprogramms lebten und wohnten sie dabei im kirchlichen Jungenwohnheim in Bellary. Nachdem sich diese „Werkstatt“ wirtschaftlich entwickelt hatte, wurde die Unterstützung schließlich eingestellt. 

Krankenschwesternhelferinnen

Eine zweite Unterstützungsmöglichkeit ist die Ausbildung von jungen Frauen zu Krankenschwesternhelferinnen. „Aufgrund des starken Euro sei die Umsetzung schon mit recht kleinen Beträgen möglich“, sagt Arnold. 

Kirchenbau

Den Bau einer Kirche unterstützte der Kirchenkreis mit 5000 Euro. Vom Baufortschritt überzeugte sich der Kirchenkreis jetzt vor Ort. . Ein weiteres Projekt ist es, jungen Frauen Nähkurse in Dörfern anzubieten, damit, junge Frauen weitab von der nächsten größeren Stadt auf diese Weise die eigene Familie unterstützen können.

Nähkurse

Ein weiteres Projekt ist es, jungen Frauen Nähkurse in Dörfern anzubieten, damit, junge Frauen weitab von der nächsten größeren Stadt auf diese Weise die eigene Familie unterstützen können.

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