Kulturbund Eschwege veranstaltete hochkarätigen Rosamunde-Pilcher-Abend

Von Kitsch keine Spur

Draußen wütet der 2. Weltkrieg - aber die junge Penelope und ihr Richard (Cosma Dujat und Philip Schwarz) erleben das Wunder ihrer jungen Liebe.

eschwege. Dass die Stadthalle an diesem Mittwochabend fast ausverkauft war, ist wohl zwei Frauennamen zu verdanken: Der aus Fernsehserien doch recht bekannten Schauspielerin Doris Kunstmann und, vor allem, Rosamunde Pilcher. Ihr Roman „Die Muschelsucher“ in einer Theateradaption wurde in der vorletzten Saisonveranstaltung des Kulturbundes Eschwege gezeigt, der damit die erfolgreiche Saison fortsetzte.

Anders als sicherlich viele der Besucher(innen) kannte ich den fast 700seitigen Roman nicht. Aber nun kenne ich das Theaterstück, das nach dem Roman Terence Brady und Charlotte Bingham verfasst haben: Ein feines, sehr geschickt konstruiertes Stück, das, hervorragend übersetzt von Hagen Horst, für einen wirklich hochkarätigen Abend sorgte.

Im Stück geht es um die feinsinnige alternde Penelope und ihre drei Kinder - keine aufregende Geschichte, die aber mit viel Einfühlungsvermögen erzählt wird - in kurzen Bildern und mit einigen Rückblenden vom Regisseur Hareld Weiler ruhig und mit viel Gespür für das Atmosphärische in Szene gesetzt - wobei er das Glück hatte, für diese Inszenierung, die er für das Altonaer Theater gestaltete, über ein ausgezeichnetes Ensemble zu verfügen.

Mit diesem Stoff und dieser Schauspielerriege zauberte er einen ruhig dahinfließenden Theaterabend, der in seiner schlichten Intensität manchmal an Wilders „Unsere kleinen Stadt“, ja gar an Tschechow erinnerte.

In der hübschen Ausstattung von Lars Peter lieferte das Ensemble eine durchweg ausgezeichnete Leistung - wobei Doris Kunstmann als alternde Penelope immer in der Mitte des Geschehens (stand und fast immer auf der Bühne präsent war.

Neben ihr glänzten mit wohldosierter Schauspielkunst und sauberer Diktion die übrigen Mitglieder des Ensembles: Cosma Dujat in einer Doppelrolle als die junge Penelope, frisch verliebt in ihren Richard (Philip Schwarz in einer Doppelrolle) mitten in den Wirren des 2. Weltkrieges, und als Antonia, eine junge Frau, die Penelope in ihren letzten Tagen liebevoll begleitet. Auch Penelopes Kinder (Elena Meißner, Julia Weden und Andreas Furcht) wie die übrigen vier Ensemblemitglieder brillierten in ihren Rollen - ein beglückender Abend.

Übrigens: Der Titel des Stücks bezieht sich auf ein von Penelopes gemaltes Bild, das wegen seines hohen Wertes für einigen Zoff in der Familie sorgt.

Ein von langen Schlussovationen gekrönter Abend - der fast geplatzt wäre: Wegen eines fehlenden Spiegels in ihrer Garderobe weigerte sich Doris Kunstmann zu spielen - bis schnell ein neuer Spiegel herangeschafft wurde.

Von Francisco Pujiula

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