Vellmarer wollen auch mit über 70 noch in den Vorstand

Klage: Kirche verstößt gegen das Grundgesetz

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Werra-Meissner. „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ So lautet der erste Satz in Artikel 3 des Grundgesetzes. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck soll mit ihrer Verfassung dagegen verstoßen. Diese Meinung vertritt der Kasseler Rechtsanwalt Jörg Blum. Er hat die Kirche jetzt verklagt.

Blum vertritt fünf Mitglieder des Kirchenvorstandes der Johanneskirche in Vellmar. Die Kirchenvorstände sind alle über 70 Jahre alt – und dürfen damit nicht für einen Posten an der Spitze der Kirchengemeinde kandidieren. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck will damit einen Verjüngungsprozess in den Gemeinden fördern. Die Grundordnung der Kirche enthält die Regelung, dass über 70-Jährige nicht mehr für den Kirchenvorstand kandidieren dürfen.

Für die Kläger ist dies ein Unding. Denn, so Rechtsanwalt Jörg Blum: Die Kirche habe den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie übe zur Durchsetzung staatlicher Zwecke Hoheitsgewalt aus - etwa bei der Erhebung von Kirchensteuern. Mithin sei die Kirche auch ans Grundgesetz gebunden.

Blum: „Eine Beschränkung bei der politischen Wahl in einer Gemeinde auf Bürger unter 70 wäre undenkbar. Das muss auch für die Wahl zum Kirchenvorstand gelten.“ Auch die Grundordnung der Kirche selbst schließe eine Altersbeschränkung aus. In Artikel 1 der Grundordnung heißt es: „In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck stehen alle ihre Glieder in gemeinsamer Verantwortung und im gemeinsamen Dienst.“

Schon der Wortlaut ,gemeinsam’ beinhalte das Verbot der Ungleichbehandlung. Die Altersgrenze verstoße gegen den Gleichheitssatz im Grundgesetz, die kirchliche Verfassung und die Menschenwürde. Über die Klage muss nun das Kirchengericht verhandeln. Ein Termin steht noch nicht fest. Die Kirchenvorstandswahlen sind am 29. September.

Von Frank Thonicke

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