Fabian Jellonnek klärt über die Gefahren auf

Extremismus-Forscher: „Verschwörungsideologien sind Unsinn“

Zwei von vielen beliebten Verschwörungstheorien: Manche glauben, Kondensstreifen am Himmel seien nicht von Flugzeugen, sondern von Regierungen, die uns vergiften wollen. Andere meinen, am 11. September seien gar keine Flugzeuge in das World Trade Center geflogen.
+
Zwei von vielen beliebten Verschwörungstheorien: Manche glauben, Kondensstreifen am Himmel seien nicht von Flugzeugen, sondern von Regierungen, die Menschen vergiften wollen. Andere meinen, am 11. September seien gar keine Flugzeuge in das World Trade Center geflogen.

Mit einem Vortrag wollte die neue Fachstelle zur Extremismus-Prävention und Demokratieförderung des Kreises sich vorstellen. Doch von einem Treffen wurde wegen der Pandemie abgesehen.

Werra-Meißner Der Vortrag „Verschwörungsideologien im (Bildungs-) Alltag“ von Extremismus-Forscher Fabian Jellonnek fand stattdessen im Internet statt.

Vor den Bildschirmen versammelten sich rund 80 Zuseher und verfolgten seine Ausführungen stattdessen auf Youtube. Über die Chatfunktion ebenso wie über E-Mail konnten Fragen gestellt und so eine Diskussion geführt werden. Das Thema Coronavirus blieb dabei stets präsent. Denn viele aktuelle Verschwörungsideologien drehen sich auch um die Ausbreitung des Virus.

Vermeintliche Theorien nehmen zu

Doch gerade jetzt, da das Pandemiegeschehen, das wirtschaftliche, politische und private Leben einschränkt, nähmen Verschwörungsideologien zu, erklärte Fabian Jellonnek. Plötzlich würden geschmacklose Gerüchte gestreut, wie: Der jüngst verstorbene Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann sei in Wahrheit ermordet worden, weil er sich gegen die Kontaktbeschränkungen im November ausgesprochen habe.

Oder: Microsoft-Chef Bill Gates, der sich mit seiner privaten Stiftung für Polio-Impfungen in Afrika einsetzt, wolle den Menschen Mikrochips unter die Haut pflanzen. Noch verrückter sind die Befürchtungen der neuen Q-Anon Bewegung, die von einem kinderblut-trinkenden Schattenkabinett ausgeht, das in Wahrheit die Welt regiert.

Die rasant wachsende Bewegung um den anonymen „Q“ hält Jellonneck für brandgefährlich. „Q-Anon ist ein sektenähnlicher Zusammenschluss, die Anhänger verlieren den Bezug zur Realität sehr schnell“, sagte er.

Gefahr in Schulen

„Wir müssen zudem aufpassen, wie wir über diese Themen sprechen. Diese wirren Ideologien dürfen wir nicht als Widerstand, Kritik oder Opposition adeln, sondern müssen klar benennen: Sie sind Unsinn!“ Er stuft Verschwörungsideologien als Türöffner zum rechten Gedankengut ein. Wenn Ideologien schließlich in Schulen oder Jugendeinrichtungen gelangten, werde es oft problematisch.

Lehrer sollten die Codewörter, die von den Ideologen benutzt werden, gut kennen, damit sie aufmerksam reagieren könnten. Jellonnek rät zum Dialog und zum Widerspruch – auch im privaten Gespräch – gerade dann, wenn die Aussagen antisemitisch oder rassistisch seien.

Aber auch Schüler sollten durch einen Konsens innerhalb der Schule dazu befähigt werden, auch Lehrern selbstbewusst Grenzen aufzuzeigen, wenn sie verschwörungsideologisches Gedankengut bei ihnen bemerkten und diesem ebenfalls widersprechen. (Kristin Weber)

Das sagt Landrat Stefan Reuß

Landrat Stefan Reuß rief in seinem Grußwort dazu auf, stets wachsam zu sein, dass die Demokratie keinen Schaden nehme. „Wir müssen die Demokratie stärken, denn sie ist die beste Rechtsordnung, die wir haben“, sagte er und ergänzte: „Extremistischen Positionen müssen wir entgegenwirken und dürfen ihnen keinen Raum geben“. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare