Veranstaltung des evangelischen Forums und der WR 

Klartext-Debatte zu Fake News: Bildung ist die Lösung

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Diskutierten beim evangelischen Forum zum Thema Fake News: Werra-Rundschau-Redakteurin Diana Rissmann (von links) und Jörg Bollmann, Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik Frankfurt.

Eschwege.  Fake News – Die Presse und die Wahrheit“ – unter diesem Motto fand am Donnerstagabend die Klartext-Debatte des evangelischen Forums Werra-Meißner in Kooperation mit der Werra-Rundschau im Tagwerk am Eschweger Marktplatz statt.

 „Fake News und die Frage nach Lüge und Wahrheit sind kein neuzeitliches Phänomen, sondern so alt wie die Menschheit selbst“, sagte Gastredner Jörg Bollmann vom Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik Frankfurt während der Klartext-Debatte am Donnerstagabend im Tagwerk am Marktplatz Eschwege.

Rund zwei Stunden lang diskutierten die Teilnehmer intensiv über das facettenreiche Thema. Die wichtigsten Fragen und Antworten des Abends:

Was sind Fake News eigentlich genau?

Das Thema Fake News ist äußerst facettenreich, was anhand der von Bollmann mitgebrachten Definitionen deutlich wurde. Demnach sind Fake News ...

1. ... Falschmeldungen, die absichtlich in Umlauf gebracht werden. So wie: „Das Präsidialsystem der Türkei gleicht dem der USA.“ Dabei handelt es sich laut Bollmann um schlichte Manipulation mit Täuschungsabsicht.

2. ... ein Mittel, um unliebsame Berichterstattungen/Menschen zu diskreditieren. So wie: „Die amerikanischen Fernsehsender MSNBC und CNN verbreiten Fake News.“

3. ... Satire, die ebenfalls darunter subsumiert werden kann. „Darf Satire alles? Durfte Böhmermann das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten veröffentlichen?“, fragte Bollmann.

4. ... Berichte im falschen Zusammenhang, bei denen Zitate teilweise oder ganz ausgelassen werden. Darunter fallen laut Bollmann auch Bilder, die in einer Reihenfolge gezeigt werden, in der sie nie aufgenommen wurden.

Wie erkennt man Fake News?

„Bei Berichten mit viel Meinung, aber wenig Inhalt, mit abfälliger Sprache, ohne zeitliche und räumliche Verortung sowie ohne konkrete Quellenangaben sollte man vorsichtig sein“, rät der Experte. Im Hinterkopf sollte beim Konsumieren immer die Frage stehen, wer von diesem Bericht profitieren könnte.

Sind Fake News ein neues Phänomen?

„Ganz klar nein“, sagte Bollmann: Lügen, Verschleierungen, Verleumdungen und Halbwahrheiten gebe es bereits seit Bestehen der Menschheit. Die Dolchstoßlegende – nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Oberste Heeresleitung die Theorie verbreitet, dass die Sozialdemokratie sowie andere demokratische Politiker schuld an der Niederlage des Deutschen Reiches waren, verbreitet – nannte er als historisches Beispiel.

? Warum wird dann aktuell so intensiv über Fake News diskutiert?

Die neuen digitalen Medien, mit neuen Formen der Veröffentlichungen, haben die Diskussion um Fake News verschärft. „Die klassischen Medien werden reguliert durch Rundfunk- und Verwaltungsräte, Landesmedienanstalten und den Deutschen Presserat, solche Kontrollinstanzen gibt es im Internet nicht“, sagte Bollmann. Schlimmer noch: Heutzutage gebe es sogenannte Bots, also Computerprogramme, die selbstständig manipulative Berichte veröffentlichen.

Was kann man tun, um Fake News nicht aufzusitzen?

Den Vorstoß von Bundesjustizminister Heiko Maaß, Hasskommentare unter Strafe zu stellen, hält Bollmann für zu kurz gegriffen. „Zeitungsverleger haben dagegen protestiert“, sagte Bollmann. Denn die Regulierung von Berichten im Internet sei ein schwieriges Feld, da so auch die Gefahr bestehe, dass die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit beschnitten werden könnte. Wichtig sei es, mehrere seriöse Quellen heranzuziehen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Wie reagieren die klassischen Medien?

Laut Bollmann ist das Problem erkannt und einige Medienunternehmen reagieren bereits. Als Beispiel nannte er die ARD-Initiative „Faktenfinder“ (faktenfinder.tagesschau.de). „Wir müssen Demokratie leben, das muss man sich erarbeiten“, sagte Bollmann. Seine Lösung: „Es muss mehr in Bildung investiert werden.“ Mit guter Medienkompetenz ausgestattet, könne man sich in die Lage versetzen, Fake News zu identifizieren. Interessant fand Bollmann, dass laut einer Studie der Uni Würzburg trotz der aktuellen Fake-News-Debatte das Vertrauen in die klassischen Medien so hoch sei wie nie – nämlich bei 59 Prozent. „Wir haben in Deutschland glücklicherweise noch eine gute und funktionierende Medien-Landschaft mit Meinungsvielfalt“, sagte er.

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