„Köln hat uns schockiert“

Flüchtlinge verteilen 200 Rosen in Eschweger Innenstadt

Eine Herzensangelegenheit: Ali Hossein Rajabi überreicht Barbara Claus aus Eschwege eine Rose. Er wolle etwas von der Herzlichkeit, die er erfahren habe, zurückgeben, sagt der Asylbewerber. Bei den Passanten kam die Aktion hervorragend an. Foto: Spanel

Eschwege. Die frisch geschnittenen Rosen leuchten wie fröhliche pinke und rote Farbkleckse zwischen den dicken Schneeflocken, die am Samstag auf die Eschweger Innenstadt herabrieseln.

Trotz der Kälte legen Ali Hossein Rajabi und sein Freund Ahmad Abassi ihre schweren Winterjacken ab. Die beiden Asylbewerber sind nonstop in Bewegung: Kerzen werden angezündet, Blumen zurechtgelegt und Transparente in Position gebracht. „Köln hat uns schockiert“, ist auf einem zu lesen. „Wir schämen uns! Die Täter sind nicht Araber, Perser oder Afrikaner, sondern Verbrecher.“

Rajabi und Abassi haben eine Mission: Sie wollen sich entschuldigen; zeigen, dass sie sich klar von den Geschehnissen in der Silvesternacht distanzieren. „Deshalb verteilen wir heute Rosen an Passanten“, sagt Abassi. Die rund 200 Blumen haben er und seine Mitstreiter aus den Unterkünften in Eschwege und Frieda komplett aus eigenen Mitteln finanziert.

Lediglich logistische Hilfe haben die Asylbewerber bei der behördlich angemeldeten Aktion von Tina und Günther Pfeiffer und Karin Perels erhalten.

„Die Geschehnisse von Köln haben mich sehr traurig gemacht“, sagt Abassi. Das respektlose Verhalten der Täter beschäme ihn.

„Mir wurde immer und immer wieder geholfen. Dafür bin ich dankbar.“

„Ich bin als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen und wusste nicht, was mich erwartet“, ergänzt Rajabi. Doch er habe großes Glück gehabt: „Mir wurde immer und immer wieder geholfen. Ich bin mit Kleidung versorgt worden, und Menschen haben mir freiwillig in ihrer Freizeit die deutsche Sprache beigebracht. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.“

Mit der Aktion wolle er sich gleichzeitig auch bei den Menschen in Eschwege für ihre Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit ihm gegenüber bedanken. Seine Worte setzt er sofort in die Tat um: Ununterbrochen spricht er Passanten an, verteilt Rosen und lächelt. „Nach einem Jahr fühle ich mich in Eschwege integriert.“

Von Emily Spanel

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