Besuch beim Bestatter

Der Tod kommt immer ungelegen

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Auch bei einer Feuerbestattung wird ein Sarg benötigt: Bestattermeister Lars-Henning Bartels sieht den Vorteil eines Urnenbegräbnisses auch in der terminlichen Unabhängigkeit.  

Eschwege. „Der Tod kommt immer ungelegen", sagt Lars-Henning Bartels. Deswegen sei es wichtig, sich schon zu Lebzeiten Gedanken darüber zu machen, was nach dem eigenen Tod passiert, rät der Inhaber des Eschweger Bestattungsinstitutes Koch.

Bartels empfiehlt schriftlich festzuhalten, welche Form der Bestattung man sich wünscht, am besten an zwei verschiedenen Stellen und nicht im Testament, das häufig erst nach der Beerdigung geöffnet wird. Dass der Trend zur Urnenbestattung geht, bestätigt der 33-Jährige.

Die Gründe sieht er aber nicht zwingend in den Kosten: „Die Überführung aus dem Krematorium kostet ja auch und viele Menschen scheuen sich, die Urne zum Beispiel als DHL-Paket verschicken zu lassen.“ Vielmehr hebt er die terminliche Unabhängigkeit bei einer Feuerbestattung hervor. Während das Begräbnis im Sarg innerhalb von 96 Stunden, ausgenommen Tage, an denen kein Begräbnis möglich oder die Leiche in einer entsprechenden Kühlung untergebracht ist, stattgefunden haben muss, kann eine Urne aufbewahrt werden, bis ein passender Termin gefunden ist. „Das ist meist rund um ein Wochenende, wo möglichst viele Angehörige kommen können“, sagt Bartels.

Doch was passiert eigentlich direkt nach dem Sterben? Den Tod kann nur ein Arzt feststellen. Stirbt ein Mensch zuhause, kann er bis zu 36 Stunden dort bleiben. Angehörige haben die Möglichkeit, Abschied zu nehmen und den Leichnam zu versorgen. Beim Waschen und Umkleiden, kann das Bestattungsunternehmen beraten und helfen, sagt Bartels. Das Herrichten eines Toten gehöre zu seinen Grundaufgaben. „Wobei ich finde, dass man auch sehen sollte, dass jemand tot ist.“

„So etwas wie Leichengift gehört ohnehin eher in den Bereich der Märchen.“

Bis zum Begräbnis, egal ob Feuer- oder Erdbestattung, folge dann eine Menge Bürokratie. Während dieser Phase würde in den meisten Fällen auch die Trauerfeier vorbereitet. Auch dabei helfe laut Bartels der Bestatter. „Wenn es gut läuft, kriegt gar keiner mit, dass wir das machen“, sagt er.

Soll der Sarg, wie in einigen Kulturen Tradition, kurz vor oder bei der Trauerfeier noch einmal geöffnet werden, benötigt der Bestatter eine Genehmigung vom Gesundheitsamt. Das ist gesetzlich so festgehalten, nach Meinung von Lars-Henning Bartels aber nicht zwingend nötig: „So etwas wie Leichengift gehört ohnehin eher in den Bereich der Märchen.“ Anders sei die Lage natürlich bei ansteckenden Krankheiten und Seuchen.

Nach zwölf Jahren täglichem Umgang mit dem Thema Tod geht der Bestattungsmeister mit dem Thema Sterben lockerer um. „Wir lachen häufig während der Arbeit“, sagt er, das bedeutet aber nicht, dass man abstumpft.“ Das dürfe auch nicht passieren, sagt Bartels und ergänzt: „An dem Tag, an dem mich ein schweres Schicksal nicht mehr berührt, schließe ich hier ab.“

Von Lasse Deppe

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