INTERVIEW Aktionstag: Chefärztin über Hirntumore und Behandlung

Kopfschmerz kein typisches Symptom bei Hirntumoren

Operation eines Hirntumors
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Ein Hirntumor: Kopfschmerzen sind kein typisches Symptom.

Werra-Meißner – Heute ist Welt-Hirntumortag. Aber was ist ein Hirntumor, welche Symptome gibt es und wie wird er behandelt? Darüber spricht die Chefärztin der Neurologie am Klinikum Werra-Meißner, Dr. Yvonne Bauer.

Was ist ein Hirntumor?

Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Hirntumoren. Man unterscheidet hirneigene, also im Gehirn entstandene, von nicht hirneigenen Tumoren, also außerhalb des Gehirns entstanden Tumoren, wie etwa Metastasen (Tochtergeschwülste) anderer Tumoren. Unter den hirneigenen Tumoren findet man gutartige, über Jahre langsam wachsende. Diese sind zu unterscheiden von bösartigen, teilweise sehr schnell wachsenden und möglicherweise auch ungünstig gelegene Tumoren, die für eine Operation schlecht zu erreichen sind.

Mit welchen Symptomen sollte man zum Arzt?

Je nachdem, in welchem Teil des Gehirns der Tumor wächst, sind die Symptome sehr verschieden. Da die Nervenzellen keine Schmerzrezeptoren besitzen, ist zum Beispiel der Kopfschmerz entgegen der häufig vom Patienten geäußerten Angst nicht das typische Symptom. Meist tritt dieser erst auf, wenn der Tumor sehr groß ist und andere Strukturen verdrängt. Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn über Tage oder Wochen einseitige neurologische Symptome entstehen, wie Empfindungsstörungen oder Schwächen. Auch Sehstörungen oder Schwindel können auftreten. In den meisten Fällen erleidet der Patient als erstes Symptom einen Krampfanfall, der ihn dann in die Klinik führt.

Welche Möglichkeiten der Diagnostik gibt es ?

Im Klinikum stehen ein CT und ein MRT für die Untersuchung des Gehirns zur Verfügung. Die Bilder aus dieser Schnittbildgebung werden dann teleradiologisch in die Universität Göttingen überspielt und sofort der Kontakt mit einem Kollegen der Neurochirurgie aufgenommen.

Wie wird ein Hirntumor behandelt?

Zuerst wird bei den meisten Patienten mit einem Hirntumor eine symptomatische Therapie durchgeführt, das heißt: bei Auftreten von epileptischen Anfällen werden diese behandelt. Diese Therapie führt aber nicht zur Heilung des Tumors. Unsere Aufgabe ist es, den Hirntumor zu diagnostizieren und eine Einschätzung abzugeben, ob es sich um einen hirneigenen Tumor oder um Metastasen handelt. Bei Metastasen veranlassen wir eine Suche nach dem primären Tumor. Hier arbeiten wir eng mit allen anderen Fachdisziplinen im Haus zusammen. Sollte es sich um einen Tumor handeln, der seinen Ursprung im Gehirn hat, nehmen wir unmittelbar Kontakt mit den Kollegen der Neurochirurgie in Göttingen auf, mit denen die Abteilung schon seit Jahren eng zusammenarbeitet.

Wie sind die Heilungschancen?

Die Heilungschancen richten sich nach der Art, der Größe und der Lage des Hirntumors. Um die Chancen auf eine Heilung zu verbessern, wird häufig eine Operation durchgeführt. Vielmals wird nach der Operation, aber manchmal auch vorher, eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung nötig. Diese Therapien liegen aber in den Händen der Neurochirurgen und Neuro-Onkologen.  red/jes

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