Kreis: Zahl der Kleinvögel geht weiterhin zurück

+
Star 102

Werra-Meissner. Entgegen dem positiven Ergebnis der Mitmach-Aktion des Naturschutzbundes (Nabu) namens „Stunde der Wintervögel“, bei der im Vergleich zum vergangenen Jahr wieder mehr Vögel in deutschen Gärten gesichtet wurden, nimmt die Zahl der Kleinvögel immer weiter ab. Wir haben mit Vogelschutzexperte Wolfram Brauneis darüber gesprochen und ihn zum Thema Winterfütterung ausgefragt.

Wie kann es sein, dass bei der Nabu-Aktion wieder mehr Kleinvögel beobachtet wurden, obwohl viele Arten als gefährdet gelten?

„Grund dafür ist nach meiner Einschätzung, dass sich einfach mehr Menschen als im Jahr 2017 an der Vogelzählung beteiligten und ihre Beobachtung auch tatsächlich eingereicht haben“, meint Eschweges Vogelexperte Wolfram Brauneis. Ein Rückgang des Vogelsterbens sei daher nicht vorauszusehen.

Was ist die Ursache für den globalen Artenschwund?

Dafür gäbe es nach Wolfram Brauneis mehrere Gründe. Ausschlaggebend sei, dass die von vielen Arten bevorzugten, natürlichen Lebensräume wie Weiden, Wiesen oder Feldränder seltener werden. „Den Star, Vogel des Jahres 2018, bekam man früher deutlich häufiger zu Gesicht“, sagt Brauneis. Häufig mangele es an Baumhöhlen, die der Star für das Brüten benötige. Im Gegensatz zu den Kleinvögeln verzeichne man bei den Zugvögeln aber einen Zuwachs.

Ist es biologisch sinnvoll, Vögel bei ihrer winterlichen Futtersuche zu unterstützen?

„Bei dieser Frage gehen die Meinungen der Experten auseinander“, so der Eschweger. Nach seiner Aussage sei es schwer, bedrohte Arten in innerörtlichen Gegenden zu erreichen. Dennoch würden Vogelfreunde nichts falsch dabei machen, die Gartenbesucher trotz eines milden Winters in Maßen zu füttern.

Was und wo sollte gefüttert werden?

„Ich empfehle fertige Vogelfutter-Mischungen sowie Meisenknödel, die es fast überall zu kaufen gibt“, so der Experte. Bei den Knödeln sei jedoch darauf zu achten, das Netz vorher zu beseitigen, da sich die Vögel sonst leicht darin verheddern könnten.

Futterautomaten (Futtersilos) seien laut Brauneis eine bessere Alternative zum Futterhaus, weil die Vögel nicht direkt in den Körnern stehen und die Nahrung somit auch nicht mit ihrem Kot verschmutzen. „Platziert werden sollten diese an übersichtlichen Stellen im angemessenen Abstand zu Büschen oder Bäumen, um diese vor Sperbern zu schützen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare