Werra-Meißner-Kreis

Windpocken: 121 Kinder in Quarantäne

Alter Bahnhof Eschwege
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Die Eschweger Waldorfschule musste 62 Schüler für 16 Tage von der Schule ausschließen. Derzeit sind die Klassenräume ziemlich leer. 

Das Gesundheitsamt des Kreises hat 121 Kinder von Kitas und Schulen in Qurantäne schicken lassen, weil sie keinen Impfschutz gegen Windpocken haben. 

Werra-Meißner – Das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises greift durch. Die Behörde hat nach dem Auftreten von Windpocken in bisher drei Einrichtungen im Kreis 121 Kinder für jeweils 16 Tage in Quarantäne schicken lassen. Die Kinder konnten keinen Impfschutz oder ausreichende Immunisierung gegen Windpocken nachweisen.

Werra-Meißner-Kreis: Zwei Windpocken-Fälle an Waldorfschule 

Nachdem die Waldorfschule in Eschwege am vergangenen Freitagmorgen zwei Windpocken-Fälle in einer Familie, deren Kinder die Schule besuchen, an das Gesundheitsamt meldete, teilte die Behörde am Mittag des gleichen Tages mit, dass alle Kinder, die nicht gegen Windpocken geimpft sind, für 16 Tage zu Hause bleiben müssen.

Werra-Meißner-Kreis: Gesundheitsamt kontrolliert Impfausweise der Schüler

Am Montagmorgen kontrollierten zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in der Waldorfschule die Impfpässe der anwesenden Schüler – bleiben durften nur die, die entweder eine entsprechende Impfung nachweisen konnten oder ein ärztliches Attest hatten, in dem ihnen ausreichende Immunisierung bescheinigt wird. Wer beides nicht hatte, hatte noch die Möglichkeit einer Blutuntersuchung, mit der die Antikörper nachgewiesen werden können. Von den 130 Waldorfschülern wurden am Montag 62 nach Hause geschickt, bestätigt der Geschäftsführer Heinz-Peter Gumpricht.

Werra-Meißner-Kreis: Notbetrieb in Schule - von 130 Schülern sind nur 50 da

Die Schule fährt bis zur Rückkehr ihrer Schüler einen Notstundenplan. Der ebenfalls in dem Gebäude des Alten Bahnhofs untergebrachte Kindergarten fiel nicht unter die Anordnung der Behörde.

Werra-Meißner-Kreis: 43 Kinder im Waldorfkindergarten Witzenhausen in Quarantäne 

Bereits ab 28. Januar musste der Waldorfkindergarten in Witzenhausen 43 seiner 63 Kinder für 16 Tage in Quarantäne schicken, weil sie keinen Impfschutz hatten, so Mitarbeiterin Angela Geißler. Auch dort gab es am 25. Januar zunächst zwei Windpocken-Fälle, einige Tage später weitere fünf.

Werra-Meißner-Kreis: Lindenhofschule in Gertenbach betroffen 

Ebenfalls betroffen ist die Lindenhof-Grundschule im Witzenhäuser Ortsteil Gertenbach. Dort wurden Kreissprecher Jörg Klinge zufolge schon vor drei Wochen zwei an Windpocken erkrankte Kinder gemeldet. In der Folge mussten 16 Kinder ohne Impfschutz zu Hause bleiben.

Fragen und Antworten zu Windpocken und Masernimpflicht

Werra-Meißner – Nachdem in mehreren Einrichtungen im Landkreis Fälle von Windpocken aufgetreten sind, wurden Schul- und Kitakinder ohne Impfschutznachweise beziehungsweise den Nachweis, dass sie bereits in der Vergangenheit erkrankt waren, für 16 Tage von den Einrichtungen ausgeschlossen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema. 

Wo wurden Schüler beziehungsweise Kinder von Einrichtungen ausgeschlossen? 

Die 16-tägige Quarantäneregelung gilt nach Auskunft des Kreises zunächst nur für Einrichtungen, in denen Fälle von Windpocken aufgetreten sind. Das war im Waldorfkindergarten in Witzenhausen, in der Eschweger Waldorfschule sowie in der Grundschule in Gertenbach der Fall. Geschlossen werden die Einrichtungen nicht.

Wer ist vom Ausschluss betroffen?

„Entsprechend der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes werden vom Gesundheitsamt potenziell ansteckungsverdächtige Personen ermittelt und für die mittlere Inkubationszeit von 16 Tagen per Einzelverfügung vom Besuch der Gemeinschaftseinrichtung – in diesem Fall der Schule – ausgeschlossen“, teilt der Sprecher des Werra-Meißner-Kreises, Jörg Klinge auf Anfrage mit. Es werde zudem den Betroffenen empfohlen, sich möglichst in der Häuslichkeit aufzuhalten, um keine weiteren Personen zu gefährden. 

Wer gilt als ansteckungsverdächtig? 

Als ansteckungsverdächtig zähle jeder, der nicht ausreichend geimpft ist beziehungsweise nicht nachweisen kann, dass er sicher bereits an Windpocken erkrankt war – dazu ist eine Titerbestimmung im Blut erforderlich. Müssen Windpocken-Fälle gemeldet werden? Ja.

Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen, aber ebenso Ärzte sind verpflichtet, Erkrankungen nach §34 des Infektionsschutzgesetzes an das Gesundheitsamt zu melden. „Wir werden dann im Rahmen unserer Zuständigkeit tätig. Wir empfehlen grundsätzlich auf die Möglichkeit zur Impfung hinzuweisen, um so Impflücken zu schließen“, so der Sprecher des Kreises Jörg Klinge. 

Für wen gilt die Regelung? 

Die Regelung gilt für alle Personen, die nach 2004 geboren sind. Bei allen, die älter sind, geht man davon aus, dass sie Windpocken hatten und dementsprechend immun sind.

Ab wann gilt die Masernimpfpflicht? 

Die Masernimpfpflicht tritt zum 1. März in Kraft. Das bedeutet für Kinder, die neu in Einrichtungen aufgenommen werden wollen, dass sie eine Impfung nachweisen müssen. Für alle Kinder und Schüler, die bereits im Kindergarten oder Schule sind, gibt es eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021. Können sie dann keine Impfung gegen Masern vorweisen, müssen die Einrichtungen das zuständige Gesundheitsamt informieren. Das wird dann tätig. Weigern sich Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen, drohen ihnen Bußgelder bis 2500 Euro.

Hintergrund: Impfpflicht zum Schutz vor Masern 

Ende vorigen Jahres beschlossen Bundestag und Bundesrat das Gesetz zur Impfpflicht gegen Masern. Es sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule, Kindergarten oder in die Betreuung von Tageseltern die Masernschutzimpfung oder eine Immunisierung durch eine durchlebte Krankheit vorweisen müssen.

Gleiches gilt für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen arbeiten sowie für Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal (Letzteres soweit nach 1970 geboren). Nichtgeimpfte Kinder können vom Besuch des Kindergartens ausgeschlossen werden. Nicht geimpftes Personal darf in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen keine Tätigkeiten aufnehmen.

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