Kreistag muss neu über Verwaltungsbau in Eschwege entscheiden

Kreishaus mindestens drei Millionen teurer

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Arbeiten in Gruppenräumen: Moderne und arbeitskomfortable Großraumbüros bieten den Verwaltungsmitarbeitern eine angenehme Umgebung.

Eschwege. Der Neubau des Kreishauses in Eschwege wird erheblich teurer und wenigstens ein Jahr später fertig als geplant. Mindestens drei Millionen Euro mehr muss der Werra-Meißner Kreis für das Gebäude am Schlossplatz bezahlen.

Fest steht: Der für 2019 geplante Baubeginn verzögert sich um ein Jahr.

„Die Preissteigerungen in der Baubranche schlagen voll durch“, sagt Landrat Stefan Reuß zur Erklärung für die deutlich höheren Kosten. Nach Angaben von Erstem Kreisbeigeordneten und Baudezernent Dr. Rainer Wallmann ist zusätzlicher Aufwand wegen baulichen Zusatzaufwandes erforderlich: Brandschutz und Statik. 

Weil die mit neun Millionen Euro veranschlagten Baukosten weit überschritten werden und selbst der bei 10,5 Millionen Euro fixierte Kostendeckel längst nicht ausreicht, muss jetzt der Kreistag neu über das Projekt beschließen. Die Entscheidung soll bereits im nächsten Monat fallen. Abhängig von der Betrachtungsweise und der Entscheidung des Kreistages für eine der drei neuen Varianten könnten Mehrkosten in Höhe von weit mehr als sieben Millionen Euro entstehen – dann, wenn die ursprünglich veranschlagten neun Millionen Euro als Basis gesehen werden und der Kreistag die teuerste der drei neuen Optionen auswählt, die 16,25 Millionen Euro kosten soll. 

Eines steht schon vor der Diskussion und Beschlussfassung im Kreistag fest: Egal, welche Variante schließlich gebaut wird, einige wünschenswerte Details werden nicht umgesetzt. Auf den großen Saal mit Lichtkuppel im Zentrum des Gebäudes beispielsweise, in dem unter anderem die Ausschüsse des Kreistages tagen sollten, wird verzichtet. Die bisher mit neun Millionen Euro veranschlagte und mit 10,5 Millionen Euro gedeckelte Variante würde neu berechnet 14,77 Millionen Euro kosten, die preiswerteste neue Option 13,59 Millionen Euro.

„Das ist ein richtig umfangreiches Projekt“, sagt Baudezernent Dr. Rainer Wallmann über das geplante neue Kreishaus am Schlossplatz in Eschwege. Der Erste Kreisbeigeordnete spricht von „einer anspruchsvollen Aufgabe“, wenn er die Kombination aus Alt- und Neubau beschreibt. Die Ursachen der erheblichen Kostensteigerung sind zum Teil auch darin begründet.

Brandschutz und statische Herausforderungen machen 1,86 Millionen Euro der Mehrkosten aus, 3,91 Millionen Euro zusätzlicher Kosten schreiben Dr. Wallmann und Landrat Stefan Reuß der marktbedingten Preissteigerung in der Baubranche zu. Neun Millionen Euro sollte das Vorhaben eigentlich kosten. Eineinhalb Millionen Euro packten die Planer als Sicherheitsreserve gleich dazu, und der Kreistag beschloss dieses Paket. 

Jetzt gehen die Kostenprognosen weit über diesen Deckel hinaus: 14,77 Millionen Euro stehen am Ende der Ausführungsplanung unter dem Strich. Diese detailgenaue Kostenermittlung von Planungsbüros und Fachingenieuren lag Ende August vor und machte deutlich, dass abgespeckt, neu kalkuliert, umgeplant und schließlich auch in den politischen Gremien erneut über das Projekt beraten und beschlossen werden muss.

Dass der Finanzrahmen nicht zu halten sein wird, deutete sich bereits im Februar dieses Jahres an. Um nur noch 29.000 Euro lagen die berechneten Baukosten unter den gedeckelten 10,5 Millionen Euro, als die Planer mit größerer Präzision an die Kostenermittlung gingen.

Drei Varianten stellten Reuß und Dr. Wallmann jetzt als Ersatz für die Ursprungsplanung vor. Die kostengünstigste Option kostet 1,2 Millionen Euro weniger als die Ausgangsversion nach neuestem Stand, aber immer noch drei Millionen Euro mehr als die maximal freigegebenen 10,5 Millionen Euro. Die Zahl der Arbeitsplätze bleibt mit 132 gleich. Verzichtet wird – wie in allen drei Neuvarianten – auf den großen zentralen Saal für Ausschusssitzungen und andere Veranstaltungen. Auch auf einige andere Details verzichten die Planer, um Kosten zu sparen. 145 beziehungsweise 172 Arbeitsplätze entstehen in den Varianten II und III (14,24 beziehungsweise 16,25 Millionen Euro). Jeder Arbeitsplatz, der in dem Neubau mehr entsteht, senkt nach Angaben des Landrats die Sanierungskosten im gegenüberliegenden Landgrafenschloss. In dem historischen Gebäude ist die Schaffung von Büroraum mit höherem Aufwand verbunden.

Immerhin böten die Varianten II und III Raum, um einen Sitzungssaal unterzubringen. „Für den Fall, dass im Verwaltungszentrum kein Ausschusssaal realisiert wird, bestehen im direkten Umfeld in Eschwege verschiedene Raumoptionen für Ausschusssitzungen, wie der Sparkassensaal, Räume in der Stadthalle sowie auch in unseren Schulen“, sagt Dr. Wallmann. Beide Planungsvorschläge sehen sogenannte „Gruppenbüros“, also komfortable Großraumbüros vor, die deutlich geringeren Platzbedarf haben.

Publikumsverkehr und Kundenkontakt könnten in weiten Teilen auf Besprechungszimmer im Eingangsbereich des Gebäudes konzentriert werden.

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