MONTAGSINTERVIEW

Kreisschulsprecher Werra-Meißner über Schüler und Mobilität

Jolan Gries (17): Neben Bus und Bahn gehört auch das Fahrrad zu den Fortbewegungsmitteln, auf die Schüler angewiesen sind.
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Jolan Gries (17): Neben Bus und Bahn gehört auch das Fahrrad zu den Fortbewegungsmitteln, auf die Schüler angewiesen sind.

Auto und Führerschein sorgen speziell in ländlichen Regionen dafür, dass der Alltag erleichtert wird: die Fahrt zur Arbeit, zum Supermarkt, zum Arzt und zu Freunden.

Werra-Meißner – Junge Menschen hingegen sind weitaus stärker auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen – nicht nur für den Weg zwischen zu Hause und Schule, sondern auch in der Freizeit.

Wir sprachen mit dem Kreisschulsprecher Jolan Gries über das kostenlose Hessenticket und die Mobilität der Schüler in ihrer Freizeit.

Das kostenlose Hessenticket für alle Schüler bis zur zehnten Klasse, das fordern einige Kreistagsfraktionen in einer gemeinsamen Resolution. Hilft das Schülern in Sachen Mobilität?

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist nicht das, was wir von der Schülervertretung endgültig wollen.

Was wollt ihr?

Wir fordern das Hessenticket auch für die Oberstufe und Schüler unter der Kilometer- Grenze. Das kostenlose Hessenticket gibt es bis jetzt nämlich nur bis zur zehnten Klasse.

Im Kreistag wurden zwei Resolutionen zum kostenlosen Hessenticket für Schüler eingebracht. Beide beruhen auf einer Stellungnahme des Kreisschülerrats: Wie fühlt es sich an, Einfluss zu nehmen?

Das ist ziemlich cool. Es ist ein Erfolgserlebnis, das man nicht immer hat. Ganz oft dauert es aufgrund der Bürokratie ewig, bis sich irgendwas bewegt.

Euch ist wichtig, dass alle das kostenlose Hessenticket bekommen. Warum?

Es ist wichtig, weil alle Schüler ab der elften Klasse sonst weiterhin benachteiligt werden. Stehen Schulausflüge oder Klassenfahrten mit Bus oder Bahn an, dann müssen die Schüler zahlen. Außerdem hat das Hessenticket auch einen Klimaschutzaspekt. Wer das Ticket hat, fährt mehr mit den Öffentlichen und fragt seltener die Eltern.

Politiker sehen bei älteren Schülern keinen dringenden Bedarf, denn sie hätten Führerschein und oft auch ein Auto. Was sagen Sie dazu?

Ich finde nicht, dass man das als Voraussetzung nehmen kann. Nicht jeder hat die finanziellen Möglichkeiten, sich mit 18 Jahren ein Auto zu leisten.

Fühlt ihr euch als Schüler ernst genommen, wenn es um eure Mobilitätsprobleme geht?

Ja, das auf alle Fälle. Vor zwei Jahren gab es an einer Schule große Probleme mit der Taktung der Busverbindungen. Es kam zu Wartezeiten von zum Teil einer Stunde. Da haben wir uns mit den Verantwortlichen vom NVV zusammengesetzt. Aber auch Landrat Stefan Reuß können wir immer ansprechen, was wir auch schon getan haben.

Mobilität betrifft junge Menschen aber nicht nur, wenn es um den Schulweg geht. Wo bestehen Probleme in der Freizeit?

Das größte Problem ergibt sich zum Beispiel bei Ausflügen mit Freunden. Wer kein Hessenticket hat, überlegt sich genau, ob er mit den Freunden nach Kassel fährt. Denn ein Einzelticket ist einfach sehr teuer. Ähnlich ist es bei Hobbys. Wird etwas nur in Bad Sooden-Allendorf oder Eschwege angeboten, während man in Witzenhausen lebt, dann sind Schüler entweder auf die Eltern angewiesen, die auch nicht immer Zeit haben. Oder sie müssen eben die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen.

Was ist Schülern also beim Thema Mobilität besonders wichtig?

Zum einen ist Flexibilität wichtig, zum anderen auch die Zeit. Zum Teil fahren Busse nur im Zweistundentakt und das ist für die meisten nicht attraktiv. Wer von Eschwege nach Witzenhausen fahren will, der muss den letzten Bus um 19 Uhr nehmen. Später geht dann einfach nicht mehr. Also fragt man dann die Eltern. Außerdem ist man mit dem Bus viel länger unterwegs.

Was muss sich ändern, damit Schüler auch im ländlichen Raum mobiler und flexibler sind?

Es muss mehr alternative Angebote geben, wie zum Beispiel das Anruf-Sammel-Taxi oder Mobilfalt. Auch der Zugang zu diesen Alternativen muss einfacher werden. Etwa über eine zentrale App. Das sind dann auch Möglichkeiten für Schüler, die in Orten wohnen, in denen sonntags gar kein Bus fährt.

Gibt es noch weitere Ideen in Sachen Mobilität, die ihr als Schüler bereits eingebracht habt?

Wir hatten die Idee, dass außerhalb der Stoßzeiten kleinere Busse fahren könnten. Das haben wir auch mit dem Landrat beredet. Er hat uns einleuchtend erläutert, warum unsere Idee sehr schwierig umzusetzen ist, und das es sich wirtschaftlich nicht lohnen würde. Die Erläuterung von Herrn Reuß war sehr einleuchtend und verständlich. (Von Hanna Maiterth)

Das kostenlose Hessenticket für Schüler

Das kostenlose Hessenticket gibt es nicht für alle Schüler. Einige Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Denn auch wenn das Ticket nicht von den Schülern beziehungsweise den Eltern bezahlt wird, müssen die Kosten gedeckt werden. Thema war das kostenlose Hessenticket für Schüler auch in der letzten Sitzung des Kreistages im Werra-Meißner-Kreis.

Voraussetzung

Die Voraussetzung für ein kostenloses Ticket liegt in der Entfernung zwischen Wohnung und Schule. Geregelt ist das in Paragraf 161 des Hessischen Schulgesetzes: Ist der Weg zur Schule zu lang, dann wird die Fahrt mit dem Bus oder der Bahn notwendig. Der öffentliche Nahverkehr kann dabei bevorzugt werden. Doch auch der Einsatz von eigens dafür angemieteten Bussen ist möglich. Die Kosten fallen dann bei den Schulträgern an.

Wohnen Grundschüler mehr als zwei Kilometer entfernt, haben sie einen Anspruch auf das Ticket. Schülern ab der fünften Klasse wird ein Schulweg von maximal drei Kilometern zugemutet – das gilt aber nur für die Mittelstufe.

Ausnahmen gelten nur für besonders gefährliche oder beschwerliche Strecken. Dann darf der Weg auch kürzer sein.

Anträge im Kreistag

In der Kreistagssitzung im September standen zwei Anträge von Kreistagsfraktionen auf der Tagesordnung (wir berichteten). Zum einen hatte die Freie-Wähler-Gemeinschaft einen Antrag eingereicht, zum anderen kam ein gemeinsamer Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP.

Während die FWG für wirklich alle Schüler das kostenlose Hessenticket forderte, also auch für die Oberstufe, wollte das Bündnis aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP in zwei Schritten vorgehen. So hätten sie gerne zuerst das kostenlose Hessenticket für Schüler der Klassen eins bis zehn, um dann perspektivisch auch für die Schüler ab der elften Klasse das kostenlose Ticket einzuführen. Während der Antrag der FWG abgelehnt wurde, wurde der andere Antrag angenommen und soll nun weiterverfolgt werden.

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