Opfer trauen sich jetzt ältere Fälle anzuzeigen

Kriminalstatistik Werra-Meißner: Zahl der Sexualdelikte mehr als verdoppelt

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Haben die Quote verbessert: Bei Wohnungseinbrüchen werden jetzt mehr Fälle von der Polizeidirektion Werra-Meißner aufgeklärt. Der Erfolgsfall stieg im Vergleich zum Vorjahr von 21,7 auf 26,3 Prozent.

Werra-Meißner. Mehr als verdoppelt haben sich die zur Anzeige gebrachten Sexualdelikte im Werra-Meißner-Kreis. Das geht aus der Kriminalstatistik der Polizeidirektion Werra-Meißner für das Jahr 2017 hervor.

Vorgestellt wurde das Zahlenwerk am Mittwoch in der Polizeidirektion Werra-Meißner  in Eschwege. Mit einer Zunahme von 63 auf 138 Anzeigen verzeichnen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung somit auch den prozentual größten Anstieg der Kriminaldelikte insgesamt. „Das heißt jedoch nicht, dass es 2017 zwingend mehr Sexualkriminalität im Kreis gab“, sagt Polizeidirektor Thomas Beck. Zu diesem Anstieg habe auch die Metoo-Debatte in den Medien beigetragen, denn die angezeigten Fälle lagen teilweise bis zu zehn Jahre zurück. Prominentestes deutsches Beispiel ist der deutsche Regisseur und ehemaliger Intendant der Hersfelder-Festspiele, Dieter Wedel. 

Ebenfalls einen Anteil an dem drastischen Anstieg habe die Reform des Sexualstrafrechts Ende 2016. Zudem habe ein rumänischer Gastarbeiter im Bereich der Autobahn 44 mit exhibitionistischen Handlungen für Aufsehen gesorgt und die Zahl der Delikte von fünf auf zwölf hochschnellen lassen. Im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie habe man im vergangenen Jahr Fälle klären können, die mitunter bis zum Jahr 2013 zurückliegen.

Aufklärungsquote im Werra-Meißner-Kreis konstant hoch

Insgesamt ist die Aufklärungsquote aller Straftaten im Kreis mit 62,5 Prozent konstant hoch geblieben. Das sei ein erfreuliches Ergebnis – auch, wenn die Quote im Jahr zuvor geringfügig höher bei 63,1 Prozent lag, sagt Beck.

Weniger erfreulich: Nachdem von 2013 bis 2015 ein Rückgang von mehr als 800 Straftaten verzeichnet wurde und die Zahl 2016 erstmals stagnierte, gab es im vergangenen Jahr nun sogar einen geringfügigen Anstieg um 29 Delikte.

Trotzdem stellen die 4597 im Werra-Meißner-Kreis begangenen Straftaten 2017 einen der niedrigsten Werte der vergangenen Jahre dar, betont Kriminaloberrat Axel Reintanz von der regionalen Kriminalinspektion.

Die sechs häufigsten Straftatbestände, denen die Polizeidirektion Werra-Meißner nachgehen muss:

1. Diebstahl

Das sind die meisten Delikte im Werra-Meißner-Kreis. Insgesamt gibt es hier einen Rückgang. Allerdings wird zwischen einfachem und schwerem Diebstahl unterschieden. Mit einfachem Diebstahl ist das Wegnehmen von Gegenständen ohne Einbruch gemeint. Dort ist ein Anstieg um 55 Straftaten zu verzeichnen. 90 Einbrüche wurden 2017 weniger gezählt als im Vorjahr. Insgesamt wurde die Aufklärungsquote leicht auf 35,7 Prozent gesteigert.

2. Sonstige Straftaten

Unter dieser Obergruppe werden beispielsweise Sachbeschädigungen, Brandstiftungen oder Umweltkriminalität zusammengefasst. 1140 Fälle wurden registriert. Das sind 100 Straftaten (+9,6 Prozent) mehr als im Vorjahr. „Besonders Serien von Graffiti-Sprüherei und Beschädigungen an Autos sorgten für einen Anstieg der Statistik“, berichtet Polizeidirektor Thomas Beck. 59 Brandstiftungen ging die Polizei nach. 26 wurden vorsätzlich gelegt. Drei von vier Brandstiftungen wurden aufgeklärt.

3. Vermögensdelikte

Auch bei der Bekämpfung von Betrug, Unterschlagung und Urkundenfälschung liegt die Aufklärungsquote bei 75 Prozent. Bei immerhin 17 Prozent aller im Kreis begangenen Straftaten trachten die Täter nach dem Vermögen anderer. Fast die Hälfte aller registrierten 555 Betrügereien hatten mit Waren oder Warenkreditbetrug zu tun. „Hier spielt das Internet eine große Rolle“, sagt Beck.

4. Roheitsdelikte

Dazu gehören Raub, Körperverletzung, aber auch Freiheitsberaubung, Nötigung oder Stalking. 681 Taten sind zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, 2016 sprang die Fallzahl aber von zuvor 563 auf 691. „Das hat natürlich auch mit dem Zuzug von Flüchtlingen zu tun“, erläuterte Kriminaloberrat Axel Reintanz bereits im vergangenen Jahr die Zahlen. Es sei logisch, dass es gerade in den Gemeinschaftsunterkünften mit so vielen Menschen verschiedener Ethnien auf engstem Raum zu Reibereien komme.

5. Nebengesetze

Unter den sogenannten Nebengesetzen sind Verstöße gegen das Betäubungsmittel-, Waffen- und Aufenthaltsgesetz zusammengefasst. Die Vorfälle sind hier auf 392 gesunken, die zu 92 Prozent aufgeklärt wurden. „Die Verstöße gegen das Asylgesetz sind naturgemäß in diesem Jahr weniger geworden“, sagt Beck. Größten Anteil haben hier die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. 294 Fälle gab es hier. „Wir haben auch mehr kontrolliert“, sagt Reintanz. Zwei Drogentote gab es im Kreis 2017.

6. Tötungsdelikte

Sie kommen im Kreis selten vor. Einmal wurde wegen Mordes, zweimal wegen Totschlags, viermal wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Messerangriffe waren in drei Fällen Tatmittel. Im März 2017 wurde auf dem Radweg zwischen Wanfried und Altenburschla ein afghanischer Staatsbürger angegriffen. Die Auseinandersetzung in der Eschweger Neustadt aus dem Juli wird am Mittwoch in Kassel verhandelt. Außerdem war einmal ein Messer in einem Fall von häuslicher Gewalt in Eschwege im Spiel.

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Spektakuläre Fälle im Werra-Meißner-Kreis 2017:

Einbruchserie in Kindergärten: Im Frühjahr 2017 sorgte in Eschwege eine Einbruchserie in Kindergärten, Schulen, Büros und ein Fitness-Center für deutliche Verunsicherung bei den Bürgern. Im Zuge der Ermittlungen gelang es, drei Tatverdächtige festzunehmen, die sich für insgesamt 24 Einbrüche verantworten müssen. 

Brandstiftung in Supermärkten: In Witzenhausen sorgten Brände im Tegut und im Herkules-Markt für Aufregung. Dort wurden Waren in den Regalen in Brand gesetzt und führten teilweise zu Schadenssummen im sechsstelligen Bereich. Ermittelt wurde damals eine 64-jährige psychisch Kranke, die im Januar 2018 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde

Evakuierung in Eschweger Innenstadt: In der eng bebauten Eschweger Innenstadt hatte im August ein 49-jähriger Bewohner in seiner Dachwohnung einen Brand gelegt, der einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungskräften und Polizei nach sich zogen. Mehrere Bewohner mussten damals evakuiert werden.

Drogendealer in Erfurt angeschossen: Für überregionales Aufsehen sorgte ein Ermittlungsverfahren des Rauschgiftkommissariats der Polizeidirektion Werra-Meißner, das im November 2017 mit einem Schuss der Bundespolizei auf den 28-jährigen Tatverdächtigen aus dem Werra-Meißner-Kreis am Hauptbahnhof in Erfurt endete. In diesem Zusammenhang gelang es, 25 Kilogramm Haschisch und Marihuana sicherzustellen. 

Absturz beim Flugplatzfest: Im August stürzte beim Flugplatzfest des Eschweger Luftsportvereins ein einmotoriges Flugzeug ab. Dabei wurden eine Frau getötet, der Pilot und zwei weitere Insassen schwer verletzt.

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