Plakat-Aktion der Umweltministerin wird vom Kreisbauernverband und Politikern als beleidigend empfunden

Kritik an neuen Bauernregeln

Michael Roth

Werra-Meißner. Als billige Stimmungsmache auf dem Rücken der Landwirte bezeichnet Timo Lübeck die Kampagne „Die neuen Bauernregeln" von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Für den CDU-Bundestagskandidaten des Wahlkreises Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg sei diese eine Diffamierung des gesamten bäuerlichen Berufsstandes.

Timo Lübeck

Die „neuen Bauernregeln“ umfassen elf vermeintliche Missstände à la „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ oder „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“. Diese sind auf in 70 großen Städten aufgehängten Plakaten gedruckt und sollen nach Wunsch des Bundesumweltministeriums auf eine öffentliche Onlinebefragung der EU-Kommission zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik aufmerksam machen - für Lübeck hingegen zeuge dieser Schritt davon, dass Hendricks jeden Respekt vor der harten und komplexen Arbeit der Landwirte vermissen lasse. Für ihn sei es auch deshalb eine „völlige Verschwendung“, dass Hendricks für diese Kampagne 1,5 Millionen Euro Steuermittel einsetze.

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier eine vermeintliche Elite aus den Metropolen versucht, die Landwirte und den ländlichen Raum der Lächerlichkeit preiszugeben“, so der CDU-Bundestagskandidat.

Entschuldigung gefordert

Lübeck forderte Hendricks auf, die Plakate einzustampfen und sich bei den Bauern zu entschuldigen. „Unsere heimische Landwirtschaft liefert hochwertige Lebensmittel, pflegt die Kulturlandschaft und ist noch immer Rückgrat der ländlichen Räume. Viele haben den Tierschutz sowie den Klima- und Umweltschutz als große Zukunftsaufgabe längst angenommen“, resümiert Lübeck.

Mit seiner Meinung steht der 33-Jährige nicht alleine dar. Auch der Agrarminister Christian Schmidt schrieb von einer großen Verärgerung, der Kreisbauernverband Werra-Meißner sieht die Landwirte mit diesen Plakaten direkt angegriffen. „So kommt sicherlich kein Dialog zwischen den Landwirten und den Bürgern zustande“, kritisiert Stefanie Wittich, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kreisbauernverbandes. Schon jetzt sei das Ansehen eines Landwirtes in der Bevölkerung gering, „durch solche Aktionen verschlimmert sich das nur noch“. Sie fordert deshalb zur Besonnenheit auf: „Wenn unsere heimischen Landwirte irgendwann aufhören sollten, ihre Felder zu bestellen oder ihre Tiere großzuziehen und dann die Agrarwirte aus dem Ausland kommen, haben wir überhaupt kein Mitspracherecht mehr.“

Unterstützung von Roth

Unterstützung bekommt Hendricks hingegen aus ihren eigenen Reihen: „Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht. Die Kampagne des Bundesumweltministeriums wirbt für exakt das, was auch unseren Landwirten wichtig ist: artgerechte Tierhaltung, sorgsamer Umgang mit Umwelt und Natur“, sagt Michael Roth, Bundestagskandidat der SPD. „Dass man sich bei dieser Aktion an den bekannten „Bauernregeln“ orientiert, muss man nicht lustig finden. Ich vermag hier nichts Beleidigendes zu erkennen.“

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