Kritisch und immer ehrlich

Kulturkenner Francisco Pujiula feiert am Sonntag 80. Geburtstag

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: Unser Kulturkritiker Francisco Pujiula feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Foto: Faust

Eschwege. Er ist nicht nur der dienstälteste freie Mitarbeiter unserer Zeitung, er ist auch der älteste: Unser Kulturspezialist Francisco Pujiula feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag.

„Schreiben macht mir immer noch Spaß“, sagt er. Solange er fit sei, wolle er weiter für Zeitungsredaktionen arbeiten, fügt er hinzu.

Und so tingelt der aus Spanien stammende, aber längst in Eschwege heimisch gewordene Pujiula fast jedes Wochenende von einer Kulturveranstaltung zur nächsten. „Ich kenne den Kreis von Schloss Berlepsch bis Herleshausen“, sagt er.

„Schreiben macht mir immer noch Spaß.“

Ob klassische Konzerte, Ausstellungen oder Autorenlesungen – Puji, wie er von den Kollegen liebevoll genannt wird, ist sowohl für die Werra-Rundschau als auch die HNA in Witzenhausen die erste Wahl, wenn es um die Besetzung von Kulturveranstaltungen geht. Und die kritisiert er mit Leidenschaft – wenn auch manchmal sehr streng, aber eben immer ehrlich und vor allem in seinem ganz eigenen besonderen Schreibstil. „Das ist eben der Puji-Style“, sagte einmal ein Kollege. Auf jeden Fall ein Merkmal, dass Pujiulas Kulturkritiken so außergewöhnlich macht. Rund 3000 Veranstaltungen habe er für Redaktionen besucht, rechnet Pujiula vor. Der Kulturkenner ist allerdings nicht nur in den Redaktionen als zuverlässiger Schreiber beliebt, sondern hat eine große Fangemeinde. Die Aktiven in Chören und Kantoreien schätzen sein fachmännisches Urteil, dass er sich unter anderem in einigen Semestern Kunstwissenschaft angeeignet hat. „Da bin ich stolz drauf“, sagt Pujiula. Dabei ist der 1960 nach Eschwege immigrierte Pujiula eigentlich eher zufällig zum Schreiben gekommen. Ursprünglich ist er studierter Jurist, hat auch einige Zeit als Anwalt praktiziert. Doch in Eschwege sei dies nicht möglich gewesen, berichtet er. So verdingte er sich als Hilfskraft in verschiedenen Eschweger Unternehmen, war sich für nichts zu schade. „Ich musste ja meine Familie ernähren“, sagt er.

Irgendwann kam der Sprachbegabte – spanisch, deutsch, italienisch und französisch sind für ihn kein Problem – in die Auslandsabteilung eines Exportunternehmens und übersetzte dort die Auslandskorrespondenz. Ende der 1970er-Jahre brachte ihn dann eine Arbeitskollegin auf die Idee, für Zeitungen zu schreiben und so fing er bei der Eschweger Allgemeinen an.

Schnell baute der Kulturliebhaber sich einen Ruf als Kritiker auf. Die Eschweger Stadthalle, Heimat des Kulturbundes, oder der Wappensaal in Bad Sooden-Allendorf, in dem die Reihe „Weltklassik am Klavier“ abgehalten wird, sind praktisch eine Art zweites und drittes Zuhause für Pujiula. Begleitet wird er dabei von seiner Ehefrau Maxi Hoffmann, langjährige Schauspielerin am Landestheater Eise-nach. Sie ist quasi seine Fahrerin, da sich Pujiula selbst nicht mehr hinter das Steuer setzt. Als 1992 die Eschweger Allgemeine, die zur HNA gehörte, eingestellt wurde, wechselte Pujiula zur Werra-Rundschau.

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