100 Jahre VHS

Künstliche Intelligenz für die Zukunft: Vortragsreihe zeigt, was schon heute möglich ist

+
Professor Dr. Christoph Igel, Wissenschaftlicher Leiter des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, stellte die Ergebnisse der Forschung vor.

Eschwege – Während ihres 100-jährigen Jubiläums veranstaltet die Volkshochschule Eschwege eine Reihe von Vorträgen, die in die Funktionsweise von und den Umgang mit KI (Künstlicher Intelligenz) sowie in deren mögliche Bedeutung für eine zukünftige Gesellschaft einführen sollen.

Am Donnerstagabend stellte Professor Dr. Christoph Igel mit seinem Einführungsvortrag mit dem Titel „Quo Vadis, KI?“ die Ergebnisse der Forschung vor.

Künstliche Intelligenz erschaffen bedeutet, Maschinen menschenähnliches Verhalten beizubringen. Im Einzelnen heißt das, dass KI sinnlich Erfahren, Denken und Handeln lernen soll. Laut Igel wurden hierbei, allein schon aufgrund der in den letzten Jahren exponenziell gewachsenen Rechenleistung von Computern, große Fortschritte gemacht. Igel betonte aber, dass wir zu wenig über den Menschen wissen, um eine so genannte „Starke KI“, die eigenständig denken und handeln könnte, zu erschaffen.

KI sei vor allem bei der Lösung komplexer Probleme nach klaren Regeln weit entwickelt. So könne man heute zum Beispiel einem Computer innerhalb weniger Tage beibringen, regelbasierte Spiele wie Schach oder Go auf einem übermenschlichen Level zu spielen. Dementsprechend käme KI in Bereichen, in denen große Datensätze analysiert werden müssen, zum Beispiel in der Programmierung, bereits heute an vielen Stellen zum Einsatz. Auch Spracherkennung, wie sie zum Beispiel Assistenten wie Alexa und Siri nutzen, und das Lesen visueller Informationen, wie es in selbst fahrenden Autos zur Anwendung kommt, habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.

Professor Igel warb dafür, bis zum Jahr 2030 moderne Technologie auch im Bereich der Bildung, zum Beispiel für KI-unterstütztes Lehren und Lernen stärker und vor allem breitflächig in den Alltag zu integrieren. So könne man zum Beispiel mit der Hilfe gesammelter Daten virtuelle Modelle von Menschen erstellen und hiermit Lernprozesse individuell unterstützen.

Zum Thema Bildung präsentierte Igel außerdem Forschungsexperimente, die in Rahmen der Zusammenarbeit mit einer chinesischen Universität durchgeführt wurden: Man habe einer KI beigebracht, anhand der Daten von sich in Klassenräumen befindlichen Kameras zu erkennen, wann Schüler müde oder gelangweilt sind, wie gut sie dem Unterrichtsstoff folgen können, und auch, wie der Unterricht selbst gestaltet ist. Die KI könne dann, basierend auf ihrer Auswertung, Lehrenden in Echtzeit Rückmeldung geben, Lernprozesse zu optimieren. Es habe drei Jahre benötigt, um der KI beizubringen, wann ein Kind gelangweilt ist, aber jetzt sei sie darin besser als wir Menschen.

All das hört sich recht futuristisch an, aber Professor Igel erklärte bereits zu Beginn seines Vortrages, dass es sein wissenschaftlicher Anspruch sei, nicht die öffentliche Hysterie weiter zu befeuern, da der Dialog zum Thema KI gerade in Deutschland sehr kritisch sei. Er selbst wertete seine Einschätzungen als konservativ.

Kommentar: Was ist fortschrittlich?

Was charakterisiert technologischen Fortschritt? Die Antwort ist Effizienz.Wir produzieren mehr, in kürzerer Zeit, mit geringerem Resourcenaufwand, arbeiten immer schneller mit eine immer größer werdenden Menge an Informationen. Aber was produziert und wie Informationen gewertet werden sollten, das entscheidet nicht die Maschine, sondern der, der sie gebaut hat. Daraus ergibt sich das folgende Problem: Technologie, die unseren Zugang zur Welt vermittelt, kann uns auch blind für sie machen. 

Lasse ich zum Beispiel eine Suchmaschine Informationen für mich vorsortieren, dann stellt sich die Frage, wer hier nach welchen Kriterien sortiert, und bei KI-vermittelter Bildung, wer darüber entscheidet, was richtiges Lernen und Lehren bedeutet. KI stellt keinen ethischen Fortschritt dar, und darf nicht als Ersatz für zwischenmenschliche Verantwortung verstanden werden.

Von Tobias Müller 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare