Kulturbund Eschwege: Fantastischer Auftakt in die Saison

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Philharmonie begeistert. Neben den älteren Mitgliedern prägen auch viele junge Musiker das Orchesterbild des Symphonieorchesters Lemberg, das am Freitag in Eschwege für Begeisterung sorgte.

Eschwege. Beim Eröffnungskonzert am Freitagabend in der Stadthalle stimmte alles, auch wenn die Zahl der Zuschauer dem fantastischen Niveau der Kulturbund-Veranstaltung nicht gerecht wurde.

Es war ein Musikfest, das das Eschweger Publikum am Freitagabend in der unverständlicherweise nur halb gefüllten Stadthalle erlebte. Das berauschende Programm, ein ausgezeichnetes Orchester und ein fantastischer Solist machten aus der Eröffnungsveranstaltung der neuen Saison ein denkwürdiges Ereignis. Drei Perlen der Romantik hatte die Philharmonie Lemberg aus dem ukrainischen Lwow nach Eschwege mitgebracht. Und unter der Leitung von Ilya Stumpel hatte der traditionsreiche, renommierte Klangkörper exzellente Interpretationen geliefert, zuerst mit der „Moldau“ aus Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“. 

Mit wunderbar ausbalanciertem Klang excellierten die Frauen und Männer aus Lwow mit einem ausdrucksstarken, den romantischen Reiz des Stücks wiedergebenden Spiel. Hatte das Orchester mit Smetana die Hörer verzaubert, setzte es sie nach der Pause in Erstaunen mit einer unvergesslichen Interpretation von Tschaikowskys sechste Sinfonie. Die sogenannte Pathetique, die zu den Sternen des Sinfonieliteratur gehört, wurde nun in einer großartigen Interpretation gespielt. Der immense musikalische Reichtum des letzten Werks des russischen Komponisten wurde in allen seinen Facetten durchleuchtet. Von den Pianissimi bis zu den in ungeheurer Lautstärke sich steigernden Passagen lieferte das Orchester eine atemberaubende Interpretation, die die Herzen der Zuschauer schneller schlagen ließ. Mit ungewöhnlich langem, stürmischem Applaus drückten die Zuschauer ihre Begeisterung aus. Schon einmal, vor der Pause, hatte der Saal gebebt: nach dem zweiten Stück des Abends. Es war das beliebte Violinkonzert Nr. 1 in g-moll von Max Bruch, ein ungemein klangschönes Werk, das immer wieder fasziniert. Aber es war nicht nur die Schönheit des Konzerts, was die Zuhörer an diesem Abend so begeisterte: Es war vor allem die herrliche, leidenschaftliche Interpretation des Solisten Jason Keramidis.

 Der junge Grieche Ende zwanzig (er ist genauso alt wie Max Bruch, es war, als er das Stück komponierte) glänzte nicht nur durch seine stupende Technik und durch die Virtuosität, mit der er das auch technisch höchst anspruchsvolles Werk beherrschte. Es waren auch der herrliche weiche Klang und die Hingabe und Gefühlsintensität seiner Interpretation - die vom Orchester kongenial begleitet wurde. Nach dem ohrenbetäubenden Applaus, mit einigen Bravos gemischt, spielte der junge Künstler, diesmal ohne Orchesterbegleitung, eine sehr wehmütig, wie eine Volksweise klingende Melodie als Zugabe. Ein beglückender Abend, der die lange Tradition der Kulturbundveranstaltungen nun unter einer anderen Flagge fortsetzt – mit fulminantem künstlerischen Erfolg. Und wenn diesmal auch der Publikumszuspruch weit unter den Erwartungen blieb, es bleibt die Hoffnung, dass bei den nächsten Veranstaltungen die Zahl der Zuschauer sich in gewohnten Höhe einpegeln wird.

Von Francisco Pujiula

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