Die Lügen der Liebenden

Kulturbund präsentiert zum Saisonauftakt Theaterstück von Ildikó von Kürthy

Überraschung bis zur letzten Minute: Zum Saisonauftakt präsentiert der Kulturbund „Liebeslügen“. Dem Publikum in der Stadthalle hat es gut gefallen. Foto: Siebert

Eschwege. Am Freitagabend überzeugten Jasmin Wagner, Anke Fiedler und Sandrine Guiraud in Ildikó von Kürthys Theaterdebüt „Liebeslügen“.

Auf der Bühne der Eschweger Stadthalle leuchtet ein großer Smartphone-Bildschirm auf, und das Publikum verfolgt mit, wie die Besitzerin des Telefons mit ihrem Geliebten chattet, bevor das Display erlischt und das Gespräch dreier Freundinnen in einer Bar beginnt.

Die Veranstaltung des Kulturbundes Eschwege begeisterte die Zuschauer dabei schon zu Beginn des Stückes. Aus einem recht lockeren Gespräch über ihre Beziehungen, in dem Nathalie, gespielt von Anke Fiedler, ihren verheirateten Freundinnen Julia und Birgit unter anderem von ihrer Affäre mit einem verheirateten Mann erzählt, wird im Stück schnell eine Diskussion über Treue und Lügen, die sich zum Streit zwischen den drei Frauen entwickelt.

Gibt die von Sandrine Guiraud dargestellte Julia, die mit Oliver verheiratet und Mutter eines Sohnes ist, an, dass sie ihren Mann bei einem Betrug sofort verlassen würde, so erklärt die von Jasmin Wagner gespielte Birgit das Fremdgehen als eine Realität und gibt zu, ein wenig neidisch auf Bärbel, die einstige Affäre ihres Mannes, zu sein. „Man hat kein Recht auf die Wahrheit“, ist sich Nathalie sicher.

Sowohl bei der erfolgreichen Birgit, die sich ein Kind wünscht, als auch bei Julia, die ihr Leben mit Job, Kind, kranker Schwiegermutter und Labrador manchmal gern eintauschen würde, rückt die Frage nach der Wahrheit wieder in den Vordergrund. Nachdem Birgit weinend die Bühne verlässt und Julia im Streit mit Nathalie ihren Ehering verliert, vergleicht letztere das Verhältnis der Frau ihres Geliebten zu ihm mit dem ihrigen und kommt dabei zu dem Schluss: „Frauen wie ich, die können nur gewinnen, denn wir haben nichts zu verlieren.“

Werden bei den beiden Freundinnen bereits Vermutungen laut, dass Birgit eine Affäre haben könnte, so kommen im weiteren Verlauf schließlich immer mehr Geheimnisse ans Licht, Julia berichtet von ihrer Angst, betrogen zu werden, und einem von ihr erstellten Fake-Profil bei einer Online-Partnerbörse, mit dem sie ihren Mann Oliver testen will. Und Nathalie gibt ihrem Neid gegenüber der beiden anderen Ausdruck. „Ich bin schwanger“, gesteht Birgit Nathalie schließlich und bringt damit auch das Publikum ins Grübeln.

Die beiden Frauen verheimlichen Julia, die das Babyfon mit in die Bar genommen hat und diese verlässt, um nach ihrem Sohn zu sehen, entgegen Birgits Absicht, dass Oliver der Vater ihres Kindes ist, während diese fürchtet, dass Nathalie die Geliebte ihres Mannes sein könnte. Schließlich wird Nathalie über das Babyfon Zeugin, wie Birgit sich von Oliver trennt, und tut im wieder aufleuchtenden Chat dasselbe. „Tja, Moral zahlt sich eben doch aus“, sind sich Birgit und Nathalie einig und zahlen Julias Rechnung. Diese bleibt allein zurück und trennt sich in einem Telefonat vom Mann ihrer Freundin Birgit.

Mit Wortwitz, Ernst und viel Bewegung auf der mit Spiegeln, Sofa und Sandkasten ausgestatteten Bühne fesselte „Liebeslügen“ und überraschte bis zur letzten Minute.

Von Eden Sophie Rimbach

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