Kultursommer Nordhessen: „Es ist ein Seiltanz“

Kultursommer Nordhessen 2020
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Klappstuhl-Konzerte im Freien sind für das Kultursommer-Publikum nichts Neues: Sonnenaufgangskonzert im Juli 2017 auf dem Dörnberg in Zierenberg mit dem Duo Querhorn. ARCHIVFotos: Heiko Meyer / Kultursommer Nordhessen/nh

Der Kultursommer Nordhessen wird 2020 ganz anders - wie so viele. Es wird eine reine Freiluftsaison, Gewinne wird das Konzept ebenfalls nicht einfahren.

Kassel. Das Frühjahr ist für Maren Matthes eigentlich die entspannteste Zeit: Alle Veranstaltungen des Kultursommers Nordhessen stehen dann fest, sämtliche Künstler sind gebucht, die Programme gedruckt, das Publikum muss nur noch Karten kaufen. Seit 1999 leitet die Intendantin das Festival – aber in diesem Jahr ist alles anders.

Programmhefte waren schon gedruckt 

Die Programmhefte waren tatsächlich gedruckt, die Medien sollten für den 17. März zur Vorstellung der Saison 2020 eingeladen werden. Dann kam Corona. Und über Wochen war an Kulturveranstaltungen nicht zu denken.

Kulturmanager stehen vor Herausforderungen 

„Es war eine sehr vage Lage“, sagt Matthes. Die Anträge auf Kurzarbeit für das dreiköpfige Team (plus eine FSJlerin und eine Technik-Crew) liegen noch in einer Schublade. Bis Anfang Mai feststand, dass bis zu 100 Besucher zugelassen werden könnten. Unter diesen Umständen galt es nun zu improvisieren. „Ich würde es feige finden, wenn wir gar nichts versuchen würden“, sagt Matthes. Kulturmanager stünden immer vor Herausforderungen. „Jetzt ist es an uns Kreativen, sich etwas auszudenken. Streaming ist keine Lösung.“

Das Konzept des Kultursommers 2020: 

Das Konzept des Kultursommers: 2020 wird ein (fast) reines Freiluftjahr. Einige Veranstaltungen werden verschoben – das Eröffnungsfest im Park von Schloss Wilhelmsthal findet erst 2021 wieder statt, auch für die Konzerte in der Reithalle am Marstall gibt es neue Termine: Max Mutzke am 22. November, Ute Lemper am 17. Dezember. Diese beiden Auftritte werden zudem ins Staatstheater verlegt.

Mini-Open-Air

Alles, was in den kommenden Wochen stattfindet, wird als Mini-Open-Air zu erleben sein. Auch bei Regen findet alles draußen statt (außer bei Unwettern). Matthes spricht von „Pfadfinder-Bedingungen“: „Das wird nicht immer ideal sein.“ Die Auftritte beginnen früher als sonst, um 19 Uhr, teilweise auch schon um 17 Uhr: „Wir wollen nicht in die Dunkelheit kommen.“

Das Publikum kenne ungewohnte Formate wie die Klappstuhl- und die Sonnenaufgangkonzerte bereits. So passten die Mini-Open-Airs gut zum Kultursommer. Die allermeisten Künstler hätten sich „mit großem Herzen und ein bisschen Bauchweh“ darauf eingelassen. Es sei für Künstler, Publikum und Unterstützer wichtig, so Matthes, dass das Festival ein Zeichen für die Kultur setze.

Konzept ist politisch abgesegnet

Auch von der Politik hat sich die Intendantin das Konzept absegnen lassen – drei Landräte und der Regierungspräsident sitzen im Vorstand des Kultursommers: „Gegen den politischen Willen hätten wir nichts gemacht.“ Nun soll es in allen Landkreisen mindestens eine Veranstaltung geben. Über die Absprachen mit den Ordnungsbehörden sagt Matthes: „So langsam wird es geschmeidig.“ Auch hier war anfangs die Verunsicherung groß.

Finanziell rechnet sich Saison nicht 

Finanziell rechnet sich die Saison nicht. Aber der Kultursommer „lohne“ sich aus allein monetärer Sicht nie, sagt Matthes. Nur ein Viertel des Etats machen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf aus, der Rest des Budgets stammt aus öffentlichen Mitteln und Sponsoring. „Die öffentlichen Förderer stehen uns zur Seite“, sagt Matthes, „und die Sponsoren sind toll“. So gebe es in diesem Jahr „ein blaues Auge“ und auf Dauer könne der Kultursommer überleben.

Flexibilität und Schnelligkeit sind entscheidend 

Flexibilität und Schnelligkeit seien gerade entscheidend – vielleicht gibt es im Juli weitere Lockerungen –, viel Kommunikation sei gefordert, sagt Matthes. Das eine Streichquartett sitzt noch in Korea fest, bei einem anderen ist unklar, ob es aus Großbritannien wird anreisen können. „Es ist ein Seiltanz“, so Matthes. Aber die Künstleragenturen seien kooperativ, „es gibt viel gegenseitiges Vertrauen, das ist schön.“

Ein lokaler Kooperationspartner hat Matthes ermuntert, ein Konzert zu planen: „Es wäre ein Stück Hoffnung.“ An diesem Satz orientiert sich die 56-Jährige – wenngleich dieses Frühjahr ungewöhnlich stressig ist.

Kultursommer-Termine für Juni: 

Die folgenden Termine sind für Juni vorgesehen. Künstler, Programme, Orte und Anfangszeiten können gegenüber dem ursprünglich geplanten Programm variieren. Alle Veranstaltungen dauern etwa 60 Minuten ohne Pause. 

- Mittwoch, 3. Juni, 19 Uhr, Wehrkirche Kirchbauna (Kirchgarten): Schumann Quartett: Beethoven-Zyklus Streichquartette I, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 17 Uhr 

- Samstag, 6. Juni, 19 Uhr: Meißner-Germerode, Klostergarten: „Mondnacht“, VoGiBa, Stefan Becker, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 17 Uhr Sonntag, 17 Uhr, Gilsa, Unterhof: Urban Swing Workers: bei Bedarf zusätzliches Konzert um 19 Uhr 

- Donnerstag, 11. Juni, 15 Uhr, Morschen, Kloster Haydau, Wiese Orangerie: Kinder-Kultursommer, „Serafina und der Löwenkönig“, Theater Laku Paka 

- Freitag, 12. Juni, 15 Uhr, Morschen, Kloster Haydau, Wiese Orangerie: Kinder-Kultursommer, „Das tapfere Schneiderlein“, Spielraumtheater 

- Samstag, 13. Juni, 19 Uhr, Eschwege, SUET GmbH, Werksgelände Wiesenaue: Sky Du Mont & Sjaella: Über Liebe 

- Sonntag, 14. Juni, 15 Uhr, Morschen, Kloster Haydau, Wiese Orangerie: Kinder-Kultursommer: „Der Froschkönig“, theater 3 hasen oben

- Freitag, 19. Juni, 19 Uhr, Bad Arolsen, Schlosshof: Quatuor van Kuijk, Beethoven-Zyklus Streichquartette II, 17 Uhr: für Abonnenten der Schlosskonzerte 

- Samstag, 20. Juni, 17 Uhr, Rotenburg, Schlosshof: Ebonit Saxophone Quartet, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 19 Uhr 

- Sonntag, 21. Juni, 17 Uhr, Burgwald-Bottendorf, Pfarrgarten: Ebonit Saxophone Quartet, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 19 Uhr 

- Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr, Hofgeismar-Hümme, an der Dorfscheune: Urban Swing Workers, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 17 Uhr 

- Samstag, 27. Juni, 19 Uhr, Kassel, Ort folgt, „Dunkel war’s, der Mond schien helle“, mit Stefan Becker und Welf Kerner. 

- Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr, Kassel, Ort folgt: Rolston String Quartet, bei Bedarf zusätzliches Konzert um 19 Uhr 

- Dienstag, 30. Juni, 19 Uhr, Hessisch-Lichtenau, Reichenbach, Klosterwiese: „… Die Geister, die ich rief...“ Heiko Ruprecht, Rezitation, Veronika Ponzer, Harfe. Bei Bedarf zusätzliches Konzert um 17 Uhr 

Mittwoch, 1. Juli, 19 Uhr, Edertal-Bergheim, Unter den Kastanien (DGH): „… Die Geister, die ich rief...“ Heiko Ruprecht, Rezitation, Veronika Ponzer, Harfe.

Tickets: 

Tickets sind nur im Vorverkauf erhältlich, es gibt keine Abendkasse Vorverkauf: Kultursommer Nordhessen, Tel. 0561 / 988 393-99 sowie die HNA-Geschäftsstellen. Online-Shop: kultursommer-nordhessen.de

Erworbene Tickets für Veranstaltungen im Juni und Juli behalten ihre Gültigkeit. Karten für Veranstaltungen, die ab 1. August stattfinden (sowohl ursprünglich geplante als auch in den Herbst/Winter und ins kommende Jahr verlegte) verlieren ihre Gültigkeit und müssen in neue Tickets bzw. Gutscheine umgewandelt werden. Gutscheine können bis zum 31.12.2021 eingelöst werden bzw. sie werden danach ausgezahlt. Beim Ticketanbieter „Reservix / AdTicket“ besteht die technische Möglichkeit für eine Gutscheinumwandlung voraussichtlich ab 8. Juni.

Reservierungen für Veranstaltungen, die noch nicht im Vorverkauf sind

Für Veranstaltungen im Herbst, die noch nicht im Vorverkauf sind, führt die Geschäftsstelle Reservierungslisten: vorverkauf@kultursommer-nordhessen.de Auch auf die Möglichkeit der Spende durch nicht in Anspruch genommene und erstattete Tickets gegen Spendenquittung weist der Kultursommer hin. 

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